Aktualisiert 06.11.2015 11:07

Palmen im Bundeshaus

Tropische Wandelhalle stösst auf Ablehnung

Politiker, Journalisten, Lobbyisten – sie alle treffen sich in der Wandelhalle des Bundeshauses zu Gesprächen. Neu tun sie das im Schatten von Palmenblättern.

von
ofi
Eine neuer Anblick in der Wandelhalle, der schon jetzt für Diskussionen sorgt: sechs Palmen.

Eine neuer Anblick in der Wandelhalle, der schon jetzt für Diskussionen sorgt: sechs Palmen.

Screenshot/Twitter/BundeshausRadio

Die Parlamentarier, die sich ab dem 30. November zur Wintersession im Berner Bundeshaus einfinden, werden sich in der Wandelhalle an einen neuen Anblick gewöhnen dürfen – oder müssen. Denn dort stehen neu sechs grosse Töpfe mit über zwei Meter hohen, echten Palmen. Ein Anblick, der nicht jedem gefällt.

SVP-Nationalrat Felix Müri aus dem Kanton Luzern kann den neuen Wandelhallenbewohnern gar nichts abgewinnen, wie er gegenüber dem Bundeshausradio sagt: «Ich finde das scheusslich. Das passt überhaupt nicht in die Wandelhalle.» Palmen hätten mit Ferien und Erholung und Wellness zu tun. Er verstehe nicht, was die sollen: «Ich finde das daneben.»

Wasserfallen hätte lieber Einheimisches

Christian Wasserfallen (FDP, Bern) findet die Begrünung der Wandelhalle zwar nicht schlecht, dass man dafür aber Palmen wähle, sei schon ein bisschen speziell. «Das Konzept im Bundeshaus ist ja sonst sehr auf das Einheimische ausgerichtet.» Dass Palmen in der Wandelhalle kein Widerspruch seien, betont jedoch Jonas Spyrig vom Bundesamt für Bauten und Logistik auf Anfrage des Bundeshausradios. Die Palmen sind Teil der letzten Phase der Restaurierung des Bundeshauses. «Bei der Recherche sind wir auf eine historische Aufnahme der Wandelhalle gestossen, auf der Palmen in dem Raum standen.»

Das Ziel bei der Restaurierung sei gewesen, möglichst nahe an den ursprünglichen Zustand der Wandelhalle vor rund 100 Jahren heranzukommen, so Spyrig. Diese Erklärung überzeugt Müri trotzdem nicht, denn «die Palmen nehmen Platz weg», unter anderem ja auch für Kameras, Gespräche und Interviews.

Wie im falschen Film respektive bei der Sendung «Versteckte Kamera» hat sich die Grünen-Nationalrätin Maya Graf (BL) gefühlt. Dennoch gefällt ihr der neue Look: «Ich finde es cool, dass man etwas ausprobiert und dieses Experiment wagt.» Denn es werde sicher genug Leute geben, die sich darüber aufregen. So wie Felix Müri, dessen Verständnis für die Palmen erst recht dahin ist, weil die Pflanzen aus Florida importiert worden sind.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.