Arbeitsintegration: «Trotz 50 Bewerbungen habe ich immer noch keine Arbeit»

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Arbeitsintegration«Trotz 50 Bewerbungen habe ich immer noch keine Arbeit»

Flüchtende aus der Ukraine haben es in der Schweiz trotz gutem Bildungsstand schwer, einen Job zu finden. Zwei Frauen schildern, wie schwer es ist, eine Stelle zu bekommen.

von
Marino Walser
Christina Pirskanen
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Die 24-jährige Aleksandra Pluzhnik gehört zu jenen, die einen Job suchen, aber trotz unzähligen Bewerbungen bislang nicht erfolgreich waren: «Ich habe bereits über 50 Bewerbungen geschrieben, aber noch keine Stelle bekommen.»

Die 24-jährige Aleksandra Pluzhnik gehört zu jenen, die einen Job suchen, aber trotz unzähligen Bewerbungen bislang nicht erfolgreich waren: «Ich habe bereits über 50 Bewerbungen geschrieben, aber noch keine Stelle bekommen.»

20min/Matthias Spicher
Pluzhnik, die einen Bachelor in Informatik hat und schon sechs Jahre lang mit dem Schwerpunkt User Experience und Produktdesign arbeitet, ist am 12. März dieses Jahres in der Schweiz angekommen.

Pluzhnik, die einen Bachelor in Informatik hat und schon sechs Jahre lang mit dem Schwerpunkt User Experience und Produktdesign arbeitet, ist am 12. März dieses Jahres in der Schweiz angekommen.

20min/Matthias Spicher
 «In rund 80 Prozent der Fälle bekomme ich nicht einmal eine Antwort auf meine Bewerbung», schildert die 24-Jährige.

«In rund 80 Prozent der Fälle bekomme ich nicht einmal eine Antwort auf meine Bewerbung», schildert die 24-Jährige.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

Bislang konnten knapp 13 Prozent der ukrainischen Flüchtenden einen Job im Schweizer Arbeitsmarkt finden. Weitere rund 30’000 Personen sind jedoch ohne Arbeit in der Schweiz.

Die 24-jährige Aleksandra Pluzhnik gehört zu jenen, die einen Job suchen, aber trotz unzähligen Bewerbungen bislang nicht erfolgreich waren: «Ich habe bereits über 50 Bewerbungen geschrieben, aber noch keine Stelle bekommen.»

In 80 Prozent der Fälle keine Antwort

Pluzhnik, die einen Bachelor in Informatik hat und schon sechs Jahre lang mit dem Schwerpunkt User Experience und Produktdesign arbeitet, ist am 12. März dieses Jahres in der Schweiz angekommen. Seither wohnt sie bei einer Freundin in Zollikofen (BE). «In rund 80 Prozent der Fälle bekomme ich nicht einmal eine Antwort auf meine Bewerbung», schildert die 24-Jährige. In den Fällen, wo sie eingeladen wurde, musste sie drei bis vier Vorstellungsgespräche durchlaufen – und habe trotzdem eine Absage bekommen.

«Ich glaube, es mangelt mir an Kontakten. Ich weiss, dass gute Referenzen und Vitamin-B hier sehr wichtig sind», so Pluzhnik. Sie habe sogar Zürcher Informatik-Events besucht, um potenzielle Arbeitgeber kennen zu lernen. Doch auch das habe nichts genützt. «Ein weiteres Problem ist wohl, dass ich noch kein Deutsch spreche – obwohl ich fliessend Englisch kann», stellt sie fest.

Gefallen an der Schweiz gefunden

Auf die Frage, ob sie denn zurück in die Ukraine wolle, überlegt sie kurz: «Wäre mir diese Frage im März gestellt worden, hätte ich sofort Ja gesagt – so schnell wie möglich.» Doch mittlerweile habe die junge Frau Zweifel über ihre Zukunft im Heimatland. «Fände ich einen Job in der Schweiz, würde ich mein Bestes geben, hier ein Leben aufzubauen», sagt sie.

Pluzhnik habe nie vorgehabt, in die Schweiz zu ziehen – doch nach über sieben Monaten hier fände sie langsam Gefallen daran. «Ich habe wundervolle, liebe Menschen kennen gelernt, ich liebe die Natur, aber allen voran fühle ich mich hier sicher», sagt sie.

Als Psychologin für Landsleute im Einsatz

Ein wenig mehr Glück hatte die 42-jährige Oksana Korin. Seit Juli arbeitet Korin als Psychologin für den Verein Ukraine Hilfe Bern. «Bis ich jedoch einen Job hatte, musste ich viel Zeit und Energie aufwenden. Es ist schwerer, einen Job zu finden, als anfangs erwartet.»

Alles begann mit der Idee, psychologische Hilfe für ankommende Landsleute anzubieten. Doch im regulären Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden, gestaltete sich als äusserst schwierig. «Da mein Diplom in der Schweiz nicht gültig ist, musste ich versuchen, selbst etwas auf die Beine zu stellen», so Korin.

Via Telegram und anderen Kanälen machte die Ukrainerin auf sich aufmerksam. Gleichzeitig gelang sie mit ihrer Idee an den Verein Ukraine Hilfe Bern. «Dort stiess ich zum Glück auf offene Ohren.»

Anstellung mit Sozialversicherungsbeiträgen

Was im April als Idee für ein psychologisches Projekt begann, endete im Juli mit einer Anstellung im Verein, einem Lohn und Sozialversicherungsbeiträgen. «Der Weg dorthin hat viel Fleiss und Energie gekostet. Nun aber bin ich glücklich, dass es geklappt hat», sagt Korin. Für die Psychologin ist klar, dass sie in der Schweiz bleiben will, bis ihr Schutzstatus S abläuft: «Viele Menschen hier brauchen unsere Unterstützung.» 

Sollten ukrainische Diplome in der Schweiz gültig sein?

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