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Schweizer Schläger in München«Trotz allem ... Ich mag die Schweizer»

Nach der brutalen Prügelorgie von Schweizer Schülern in Deutschland gehen die Emotionen in den Kommentarspalten deutscher Online-Portale hoch. Derweil sieht ein Kriminologe die Täter als «Verlierer».

von
jcg

Der Schock über die Prügelorgie von Schweizer Schülern sitzt tief in München. Die örtliche «Abendzeitung» vergleicht den Gewaltexzess, bei dem ein 46-jähriger Geschäftsmann fast zu Tode geprügelt wurde, mit dem Fall der U-Bahnschläger Serkan und Spyridon: «Wieder sind die Täter sehr jung, wieder traten sie auf den Kopf ihres Opfers ein, als wäre er ein Fussball». Unfassbar ist für die Zeitung, dass die Täter in Küsnacht zur Schule gehen, «eine der reichsten Schweizer Gemeinden, in der auch Tina Turner wohnt».

Eine Art Machtrausch

Auch in den anderen Münchner Zeitungen sind die Schüler ein Thema. Die «tz» liess einen Kriminologen zu Worte kommen, um das Unfassbare einzuordnen. Für Prof. Christian Pfeiffer, Leiter des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, ist es «eine Art Machtrausch», die Jugendliche zu solchen Taten treibt. «Eine Macht, die sie plötzlich über andere Menschen haben. Das haben in der Regel nur diejenigen nötig, die ihr Leben nicht im Griff haben ... Sie fühlten sich als Verlierer.» In einer solchen, oft von Alkohol- und Drogenmissbrauch angeheizten Situation spiele es «auch keine Rolle mehr, dass hier ein Mensch verletzt oder gar getötet werden könnte», so der Kriminologe weiter.

Kuscheljustiz gibts auch in Deutschland

Hoch gehen die Emotionen in den Talkbacks der Online-Portale. Bemerkenswert ist dabei, dass rund die Hälfte der Kommentarschreiber aus der Schweiz stammt, wie ein Fred Meier, der auf Abendzeitung.de schreibt: «Ich entschuldige mich bei den Deutschen und wünsche den Opfern gute Besserung». Daneben gbt es viele Schweizer, die sich zu Wort gemeldet haben und die Schweizer Kuscheljustiz anprangern. Es ist eine gewisse Genugtuung spürbar, dass den Tätern in Deutschland bis zu zehn Jahre Haft drohen, während in der Schweiz das Höchstmass vier Jahre Haft beträgt. Doch deutsche Kommentarschreiber relativieren. So schreibt einer «Schweizer Kuschel-Justiz ist gut. In Deutschland werden in solchen Fällen die Personalien aufgenommen und dann dürfen die sich das nächste Opfer suchen. Sowohl in D als auch in der CH wirst du für 3-mal falsch parken härter bestraft als gehirnamputierte Gewalttäter, die fast jemanden erschlagen.» Ein anderer meint knapp: «Wir haben in Deutschland aber leider auch eine Kuscheljustiz.»

«Trotz allem ... Ich mag die Schweizer»

Doch keiner der deutschen Kommentarschreiber schiesst explizit gegen die Schweiz als Ganzes. Vielmehr heben die Schreiber den Migrationshintergrund einiger der Schläger hervor. Für einen Leser der Abendzeitung greift das aber zu kurz: «Ich glaube, dem Opfer ist es ziemlich sch...egal, ob er von einem Schweizer, einem Kongolesen, einem Inuit oder einem eingebürgerten Ost-Brasilianer mit polnisch-italienischem Migrationshintergrund zusammengeschlagen worden ist.» Ein anderer schreibt: «Miese, gemeine Menschen gibt es auf der ganzen Welt. Also auch bei uns in Deutschland.» Die allgemeine Stimmung unter den deutschen Lesern bringt ein Kommentarschreiber auf Abendzeitung.de auf den Punkt: «Trotz allem ... ich mag die Schweizer !!!!!»

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