Gute Geschäfte 2020: «Trotz der Krise wurden die Reichen noch reicher»
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Gute Geschäfte 2020«Trotz der Krise wurden die Reichen noch reicher»

Viele Menschen haben dieses Jahr Lohneinbussen hinnehmen müssen. Andere verloren gar ihren Job. Die Reichsten der Welt konnten hingegen in der Krise ihr Vermögen steigern. Der Raiffeisen-Investment-Chef erklärt, warum.

von
Raphael Knecht
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Reiche Menschen konnten auch 2020 ihr Vermögen steigern.

Reiche Menschen konnten auch 2020 ihr Vermögen steigern.

Stevan Bukvic
Die Krise trifft arme Menschen wesentlich härter als solche, die ihr Vermögen anlegen können, erklärt Matthias Geissbühler, Investment-Chef bei Raiffeisen Schweiz.

Die Krise trifft arme Menschen wesentlich härter als solche, die ihr Vermögen anlegen können, erklärt Matthias Geissbühler, Investment-Chef bei Raiffeisen Schweiz.

Raiffeisen
Oracle-Chef Larry Ellison ist der zehnt-reichste Mann der Welt und konnte dieses Jahr 20 Milliarden Dollar dazugewinnen. Total am Ende des Jahres: 79,2 Milliarden Dollar.
Platz 10: Larry Ellison

Oracle-Chef Larry Ellison ist der zehnt-reichste Mann der Welt und konnte dieses Jahr 20 Milliarden Dollar dazugewinnen. Total am Ende des Jahres: 79,2 Milliarden Dollar.

AFP

Darum gehts

  • Reiche Menschen konnten auch in der Krise ihr Vermögen steigern.

  • Schlechter geht es vor allem Personen, die kein Geld in Sachwerte investiert haben.

  • Dadurch werden die Armen noch ärmer.

  • Die Politik dürfte versuchen, dagegen etwas zu unternehmen.

Tesla-Chef Elon Musk konnte 2020 sein Vermögen mehr als versechsfachen, Amazon-Gründer Jeff Bezos ist seit Januar 2020 um weitere 77 Milliarden reicher geworden. Es sieht so aus, als ob die Pandemie keine Hürde für die Reichsten der Welt darstellte. Dieser Schein trügt nicht, sagt Matthias Geissbühler, Investment-Chef bei Raiffeisen Schweiz, im Interview:

Herr Geissbühler, wurden die Reichen in der Krise noch reicher?

Ja, denn wer über Aktienvermögen oder andere Sachwerte wie Kunst und Immobilien verfügt, konnte dieses Jahr profitieren. Übers ganze Jahr gesehen, hat der Wert solcher Anlagen zugenommen. Trotz der Krise wurden die Reichen also noch reicher.

Was ist mit dem Börsencrash vom März?

Das war zwar einer der heftigsten Einbrüche, den die Börse je erlebt hat – aber darauf folgte auch eine der schnellsten Erholungsphasen. Die Diskrepanz zwischen der Realwirtschaft und der Börsenentwicklung hat dieses Jahr wieder frappant zugenommen. Mittlerweile ist der Weltaktienindex in Schweizer Franken 6 Prozent im Plus – obwohl wir eine der grössten Wirtschaftskrisen seit dem Zweiten Weltkrieg durchmachen.

Also trifft die Krise hauptsächlich die Armen?

Ja, es trifft vor allem Angestellte in pandemiebetroffenen Sektoren – besonders wenn sie den Job verloren haben oder von Kurzarbeit betroffen sind. Das ist mit Lohneinbussen verbunden, und viele mussten den Gürtel enger schnallen. In den USA ist es besonders schlimm: Dort ist die Arbeitslosigkeit wesentlich stärker gestiegen als in der Schweiz.

Wer kaum Geld hatte, hat jetzt noch weniger...

Genau, aber es trifft beispielsweise auch die Sparer. Wer zwar Geld hat, es aber auf dem Konto liegen lässt, dem frisst die Inflation das Vermögen weg. Das ist jetzt in der Pandemie so, gilt aber auch für die Zeit danach. Denn es ist keine Abkehr von der expansiven Geldpolitik der Notenbanken in Sicht.

Investieren mit wenig Geld

Matthias Geissbühler von Raiffeisen Schweiz empfiehlt, möglichst auch kleine Beträge zu investieren, statt sie auf dem Konto zu behalten. Er schlägt vor, Monat für Monat konsequent einen festgelegten Betrag im Rahmen eines Fondssparplans langfristig anzulegen. Wer nicht genug Geld hat, um ein eigenes diversifiziertes Portfolio aufzubauen, sollte Anlagenfonds oder kostengünstige Indexfonds vorziehen. «So kann man auch wenig Geld investieren und gleichzeitig das Risiko niedrig halten.»

Ist diese Geldpolitik schlecht für diejenigen mit wenig Geld?

Vor allem in den USA argumentiert die Notenbank, dass von dieser Stützung der Vermögenswerte letztlich alle profitieren. Aber das ist nicht ganz wahr, denn es besitzen nun mal nicht alle substanzielle Vermögenswerte. Die durchschnittliche Bevölkerung kommt nicht vom Fleck. Das ist sicher auch in Zukunft ein brisantes Thema in der Politik.

Was kann die Politik tun?

Themen wie höhere Unternehmenssteuern, Vermögenssteuern und Erbschaftssteuern kommen wieder verstärkt auf den Tisch. Auch eine Steuer für die Corona-Gewinner wurde bereits vorgeschlagen. Für den Technologiesektor etwa war 2020 ein sensationelles Jahr. Viele Technologieunternehmen zahlen aber dank Schlupflöchern verhältnismässig tiefe Steuern – das dürfte sich in Zukunft ändern.

Einige der Reichsten haben auch ein paar Milliarden Dollar verloren. Hier siehst du die grössten Verlierer im Bloomberg-Index.

RKN

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