Kleiderregeln an Schulen: Röcke müssen länger sein «als der ausgestreckte Arm mit Faust»

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Kleiderregeln an SchulenRöcke müssen länger sein «als der ausgestreckte Arm mit Faust»

Weil es die Lernumgebung gefährde, gelten an Schweizer Schulen Kleidervorschriften. Diese sind zum Teil strenger als das Gesetz erlaubt. Schülerinnen und Schüler wehren sich. 

Hotpants sind an vielen Schweizer Schulen verboten. Auch während der Hitzewelle. (Symbolbild) 

Hotpants sind an vielen Schweizer Schulen verboten. Auch während der Hitzewelle. (Symbolbild) 

imago images / Westend61

Darum gehts

  • Die Diskussion um Kleidervorschriften in Schulen wird seit Jahren geführt. 

  • In Genf gingen bereits Schülerinnen und Schüler gegen die Regelungen auf die Strasse. 

  • Bei der Gesetzgebung für Kleidervorschriften an Schulen handelt es sich um eine Grauzone. 

Hotpants, tiefe Ausschnitte, bauchfreie Oberteile oder tief sitzende Hosen, bei denen man die Unterhose sieht, sind für Mädchen an verschiedenen Schulen verboten. Bei Jungs gilt ein Verbot für Trainerhosen, für Mützen und für Kapuzen. Wer sich nicht daran hält, muss mit verschiedenen Massnahmen rechnen. Wie die «Sonntagszeitung» schreibt, droht je nach Gemeinde ein Gespräch mit der Schulleitung und den Eltern. Als eine gängige Massnahmen gilt es, ein XXL-Shirt zu tragen, welches alles kaschiert. 

In Meilen ZH gibt es eine Art Kleiderbibel, worin mit Bildern erläutert wird, was geht und was nicht. Die Kleiderordnung war dort im Lehrerteam entwickelt worden und wurde anschliessend mit dem Schülerparlament diskutiert, sagt der Meilener Schulleiter der «Sonntagszeitung». 

Im Kanton Appenzell sind die Regeln etwas strenger: «Hosen und Röcke sind länger als der ausgestreckte Arm mit Faust», schreibt die Zeitung weiter. An einer Aargauer Schule muss der Ausschnitt BH und Brustansatz verbergen. Bauchfrei ist verboten. In Schlieren ZH müssen die Eltern gar bestätigen, dass sie die Kleiderordnung zur Kenntnis nehmen. 

An verschiedenen Zürcher Schulen gelten aber noch strengere Regeln: Nagellack nur bei bestimmten Anlässen, eine angemessene Länge der Nägel und ein sauberer Körpergeruch werden teilweise schriftlich von den Schülerinnen und Schülern eingefordert. 

Schülerinnen und Schüler gegen «sexistischen Dresscode»

In Genf gingen Schülerinnen und Schüler gegen den «sexistischen Dresscode», der an einigen Sekundar- und Mittelschulen herrsche, auf die Strasse. Auch das «T-Shirt der Schande» (T-Shirt de la honte) sorgte schon vor zwei Jahren für Aufruhr. Das Shirt ist mit der Aufschrift bedruckt: «Ich bin nicht angemessen gekleidet.»

Die aktuellen Vorschriften, so protestieren die Genfer Jugendlichen, würden sich ungleich stärker gegen Mädchen als Jungs richten. Auch im Kanton Graubünden geht der Vorwurf in diese Richtung: Das Bündner Mädchenparlament lancierte eine Petition «für eine Schulbekleidung, welche die Ausdrucksfreiheit von Mädchen respektiert».

Braucht es eine Kleiderordnung an Schulen?

Dass die Schülerinnen, um ihre Mitschüler nicht abzulenken, Kleidervorschriften einhalten müssen und sich dabei unwohl fühlen, sei «sexistisch» und schade dem Selbstwertgefühl der Mädchen, heisst es in der Petition, schreibt die «Sonntagszeitung» weiter. In Baselland soll der Kanton die Schulen bereits gemahnt haben, weil die Kleidervorschriften über das Gesetz hinaus erlassen wurden. Auch im Aargau haben die Schulen die Regeln bereits wieder gemildert. Im Kanton Zürich ist es gesetzlich geregelt, dass die Einschränkungen der persönlichen Freiheit «verhältnismässig» gesetzt werden. Kleidervorschriften an den Schulen sind eine rechtliche Grauzone, die Raum lässt für Interpretationen.

(sys)

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