Rücktritt von Renzi: Trotz Italiens Nein – Börsen im Plus
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Rücktritt von RenziTrotz Italiens Nein – Börsen im Plus

Das Nein zum Verfassungsreferendum in Italien hat die Finanzmärkte wider Erwarten nur wenig bewegt. So reagierten die Börsen erstaunlich gelassen.

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pat/chk
Der Kurseinbruch war von kurzer Dauer: Ein Börsenhändler, hier an der New York Stock Exchange. (2. Dezember 2016)

Der Kurseinbruch war von kurzer Dauer: Ein Börsenhändler, hier an der New York Stock Exchange. (2. Dezember 2016)

Keystone/AP Photo/Richard Drew

Das befürchtete Börsenbeben nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum in Italien ist am Montag ausgeblieben: Nicht einmal der angekündigte Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi brachte die europäischen Aktienmärkte aus dem Tritt - im Gegenteil, sie legten sogar zu.

Der Dax schloss am Montag um 1,6 Prozent höher, der EuroStoxx50 stieg um 1,4 Prozent. Die Mailänder Börse brach zwar zeitweilig um über zwei Prozent ein, halbierte bis zum Nachmittag aber die Verluste und schloss mit 0,23 Prozent im Minus.

Der Schweizer Aktienindex SMI legte zuerst markant um 1,4 Prozent zu, um im Verlauf des Tages leicht nachzugeben. Zu Börsenschluss betrug das Plus noch 0,8 Prozent. Erstaunlich war dabei vor allem, dass an der Schweizer Börse zwischenzeitlich sogar die Banktitel im Plus standen.

Euro im Plus

Die gleiche Gelassenheit gegenüber dem Entscheid zeigte sich auch an den Devisenmärkten. So legte der Euro gegenüber dem Dollar im Tagesverlauf deutlich um 1,4 Prozent zu. Nachdem im asiatischen Handel noch Kurse unter 1,07 Franken pro Euro angegeben wurden, hat sich die Gemeinschaftswährung auf über 1,08 Franken erholt. So hoch war der Kurs zuletzt Anfang November gestanden.

Für die unerwartete Nicht-Reaktion der Märkte sehen Marktbeobachter verschiedene Gründe. So sei das Nein in Italien zwar Wasser auf die Mühlen der Euro-Skeptiker, aber nicht der Anfang vom Ende der Währungsunion, heisst es beispielsweise in einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank. «Italien hat zwar eine Chance vertan. Doch die Finanzmärkte wird das nicht aus der Bahn werfen», sagte UBS Schweiz-Chefökonom Daniel Kalt auf Anfrage.

Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella werde rasch für Klarheit und für eine Übergangsregierung sorgen und damit für Kontinuität, so der Tenor der Analysten. Damit dürfte es nicht zu raschen Neuwahlen kommen.

EZB als Fallschirm

Als Fallschirm für die Märkte wurde zudem die EZB bezeichnet, die mit Stützungsmassnahmen die Situation jederzeit beruhigen könne. «Mit dem italienischen Nein dürfte jedoch die Diskussion um einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Stützungsprogramm vom Tisch sein», schreibt die VP Bank. Die EZB fällt den Entscheid am kommenden Donnerstag.

Schliesslich hat wohl auch der Wahlausgang in Österreich zur Beruhigung beigetragen. Das Ergebnis habe eine verstärkte politische Unsicherheit in Europa vermieden, hiess es im CS-Marktkommentar der Credit Suisse.

In allen Marktkommentaren wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass mit dem italienischen Nein die Unsicherheit und damit die Risiken in der Eurozone wieder angestiegen sind. So könnte unter anderem die nötige Refinanzierung der italienischen Banken schwieriger werden, sollte es eine lange Periode von politischer Instabilität in dem Land geben, schrieb zum Beispiel die UBS.

Finanzminister beruhigen

Optimistisch oder zumindest zweckoptimistisch zeigten sich auch die EU-Finanzministern am Montag vor ihrem Treffen in Brüssel. «Es gibt keinen Grund, von einer Euro-Krise zu reden», sagte etwa der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Für seinen französischen Amtskollege Michel Sapin war die Abstimmung eine rein innenpolitische Angelegenheit. «Das Referendum ging nicht um Europa, um die europäische Politik, um die Stellung Italiens in Europa», sagte er.

Neben Schäuble forderte auch der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling von Italien jedoch weitere Reformen. «Italien muss wirtschaftlich, politisch, den Weg, den Ministerpräsident Renzi in den letzten drei Jahren gegangen ist, mit grosser Konsequenz fortsetzen», sagte Schäuble. (pat/chk/sda)

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