Trotz Kritik: Israel bleibt bei «gezielter Tötung»

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Trotz Kritik: Israel bleibt bei «gezielter Tötung»

Ungeachtet der weltweiten Kritik an der Liquidierung des Hamas-Gründers hat Israel eine Fortsetzung der gezielten Tötungen angekündigt.

Während diese Politik von den meisten Israelis unterstützt wird, kam es in arabischen Ländern zu anti-israelischen Protesten.

Die israelische Regierung plane weitere Schläge gegen die Hamas, sagte Verteidigungsminister Schaul Mofas am Dienstag. Am Vortag hatte die Armee den Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin mit einem Raketenangriff getötet.

In einer Stellungnahme zur Liquidierung von Scheich Jassin, sagte Generalstabschef Mosche Jaalon, die Aktion werde zwar kurzfristig zu einem Anstieg der Anschläge in Israel führen, längerfristig erwarte er jedoch eine Stärkung der moderaten Kräfte.

Zuvor hatte Jaalon angedeuten, dass auch Palästinenserpräsident Jassir Arafat ins Fadenkreuz von israelischen Kampfhelikoptern rücken könnte.

Hamas schwört Rache

Während in Gaza-Stadt tausende Palästinenser Abschied von Scheich Jassin nahmen, stattete auch der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei der Hamas-Führung einen Beileidsbesuch ab.

Diese beriet am Rande der Trauerfeierlichkeiten über die Zukunft der Organisation und berief Abdel Asis el Rantissi offenbar zum neuen Hamas-Chef für den Gaza-Streifen.

Dagegen soll der bisherige Chef des Politbüros Khaled Mechaal die militante Palästinenser-Gruppe führen, sagte das führende Hamas- Mitglied Saed Seam in Gaza-Stadt. Mechaal lebt im arabischen Raum im Exil. Er hatte 1997 einen israelischen Angriff in Jordanien überlebt.

Machtausbau

Die Organisation - die mit bewaffnetem Kampf und karitativer Arbeit in Gaza zu hohem Ansehen und grossem Einfluss gekommen ist - geht es nach der Tötung ihres spirituellen Oberhauptes nicht nur um die Strafe an Israel, sondern auch um den Ausbau ihrer Macht.

Demnach will die Hamas neben einer Verstärkung des bewaffneten Kampfes gegen Israel, in Zukunft auch als politische Partei antreten.

Israel in Alarmbereitschaft

Wegen der von der Hamas angedrohten Vergeltungsschläge zogen es viele Israelis vor zu Hause zu bleiben. Auch in israelischen Vertretungen in aller Welt seien aussergewöhnliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.

Die Palästinensergebiete wurden bis auf weiteres abgeriegelt. Der israelische Armeesender meldete, man fürchte auch Angriffe des internationalen Terrornetzwerks El Kaida und der südlibanesischen Hisbollah-Miliz.

Demonstrationen gegen Israel

Unterdessen kam es in vielen in arabischen Ländern zu anti- israelischen Protesten. In mehreren Städten Libyens gingen Tausende Demonstranten auf die Strasse und riefen, «die Unterstützung des palästinensischen Kampfes ist die Pflicht der arabischen Völker und ihrer Führer».

Auch in Ägypten versammelten sich Tausende von Studierenden auf dem Gelände der Kairo-Universität. Verschleierte Studentinnen riefen zum Heiligen Krieg auf und riefen in Sprechchören Parolen wie «Juden, die Armee Mohammeds kehrt zurück».

In Jordanien legten viele Menschen am Mittag aus Protest gegen die Tötung des Scheichs für eine Stunde die Arbeit nieder.

Sondersitzung

In Genf beschloss die UNO-Menschenrechtskommission (MRK) eine Sondersitzung zur Lage im Nahen Osten abzuhalten. 34 Länder stimmten dafür, Eritrea, Australien und die USA dagegen. Die Sondersitzung wurde von Pakistan im Namen der Organisation der islamischen Konferenz (OCI) verlangt.

(sda)

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