Spitzenwert in Spanien: Trotz Lockdown wurde die Party-Insel Mallorca zum neuen Corona-Hotspot
Publiziert

Spitzenwert in SpanienTrotz Lockdown wurde die Party-Insel Mallorca zum neuen Corona-Hotspot

Die Corona-Zahlen steigen auf Mallorca seit Wochen stark. Inzwischen sind sie so hoch wie sonst kaum wo in Spanien. Zugleich wachsen Arbeitslosigkeit, soziale Not und Hunger. Auch die Kriminalität steigt.

1 / 7
Die Corona-Pandemie setzt Mallorca stark zu.

Die Corona-Pandemie setzt Mallorca stark zu.

Clara Margais/dpa
Immer mehr Menschen driften in die Armut ab.

Immer mehr Menschen driften in die Armut ab.

Clara Margais/dpa
Mallorca wurde zu einem Epizentrum des Coronavirus.

Mallorca wurde zu einem Epizentrum des Coronavirus.

Getty Images

Darum gehts

  • Auf den Balearen gelten wegen der Coronakrise mehr als ein Viertel der Bevölkerung als arm.

  • Ein Lockdown konnte die rasant ansteigenden Fallzahlen bisher nicht eindämmen.

  • Aufgrund der zunehmenden Armut steigt auch die Kriminalitätsrate an.

In der Schlange vor der Kapuzinerkirche in der Altstadt von Palma de Mallorca tragen auffällig viele Sonnenbrille – obwohl der Himmel wolkenbedeckt ist. Andere ziehen Kapuze oder Baseballkappe tief ins Gesicht. Sie alle warten auf eine kostenlose Essensausgabe. An dieser Tafel und an anderen Hilfsstationen der spanischen Urlaubsinsel wird die Zahl der oft verschämt wartenden Bedürftigen von Woche zu Woche grösser.

Im Zuge der Corona-Krise nimmt die soziale Not in der liebsten Partyhochburg von Deutschen und Briten drastisch zu. Die Nachfrage nach Hilfsleistungen sei hier noch nie so gross gewesen, stellte die Regionalzeitung «Diario de Mallorca» dieser Tage fest.

Armut auf Mallorca wächst und wächst

«Ich habe weder Strom noch Wasser und auch nichts zu essen.», sagte der arbeitslose 53 Jahre alte Kellner Damian der Digital-Zeitung «Crónica Balear». An den Tafeln stellen Obdachlose und Bewohner von Problemvierteln längst nicht mehr die Mehrheit. Es stellen sich immer mehr Menschen an, denen man die Armut auf den ersten und auch auf den zweiten oder dritten Blick nicht ansieht.

Vor der Kirche stehen neben Damian junge Uniabsolventen, gut gekleidete Eltern mit ihren Kindern und Betreiber von Hotels und Cafés, die ihre Häuser wegen der ausbleibenden Touristen dicht machen mussten. Viele waren im von Corona schwer erschütterten Gastgewerbe tätig und verloren ihren Job. Sie sind Not nicht gewohnt, sie leiden und schämen sich.

Sie sind die «nuevos pobres», die «neuen Armen». Sie sind viele, und es werden immer mehr. Nach einer Studie der Universität der Balearen (UIB) über die Auswirkungen des Virus hat sich die Zahl der in der Region in extremer Armut lebenden Menschen in nur einem Jahr auf rund 34’000 verdoppelt. Als arm gelten bereits 320’000. Das heisst: mehr als jeder Vierte der 1,18 Millionen «Baleáricos».

Coronavirus-Zahlen steigen trotz Lockdown

Trotz strenger Einschränkungen der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit – darunter einer schon seit Ende Oktober geltenden nächtlichen Ausgangssperre – stiegen die Corona-Zahlen auf Mallorca massiv. Inzwischen verzeichnen die Balearen erschreckende Werte, die in ganz Spanien unerreicht sind.

Zuletzt kletterte die Zahl der Neuinfektionen pro 100’000 Einwohner binnen 14 Tagen auf 530, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. Auf Mallorca, wo die 14-Tage-Inzidenz nach jüngsten amtlichen Angaben bei 608 lag, geht die Angst um. Der Winter könnte noch «heisser» werden als von Carbonero befürchtet. Man hat Angst vor einem Kollaps der Intensivstationen, die immer voller werden. «Wir erleben eine schreckliche Situation, die wir uns auch nicht in unseren schlimmsten Träumen hätten vorstellen können.», räumte Regionalpräsidentin Francina Armengol kurz vor Silvester ein.

«Wenn es so weiter geht, gibt es hier Krieg»

Der Ängste damit aber nicht genug. Im Zuge der wachsenden sozialen Not gebe es mehr kleinere Überfälle und Einbrüche unter anderem auch auf Privathäuser, berichten Medien schon seit Wochen. Die Zeitung «Última Hora» sprach von «verzweifelten Amateurtaten», die allem Anschein nach mit der Krise zu tun hätten. Schaufenster würden zum Beispiel mit Ziegelsteinen eingeschlagen.

Rentnerin Catalina (81), die jeden Tag mit Freundin Maria (76) vor der Kapuzinerkirche Schlange steht, drückt sich deutlicher aus: «Die Menschen hier in den Schlangen werden immer mehr. Wenn das so weiter geht, gibt es hier Krieg.»

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

(DPA)

Deine Meinung