Schweizer HändlerTrotz Mangel tonnenweise Masken exportiert
Daten der Zollverwaltung zeigen: Viele Händler verkauften ihre Bestände ins Ausland, als die Spitäler und Heime dringend Schutzmaterial brauchten.
- von
- chk
Viele Spitäler und Altersheime hatten in den letzten drei Monaten zu wenige Atemschutzmasken, um das Personal vor dem Coronavirus zu schützen. Jetzt zeigen Recherchen der «SonntagsZeitung»: Genau zu dieser Zeit verkauften viele Händler ihre Bestände ins Ausland.
Daten der eidgenössischen Zollverwaltung belegen: Im ersten Quartal 2020 wurden über 25 Tonnen Masken des Typs FFP2 oder FFP3 exportiert. In der Vorjahresperiode waren es gerade einmal 13 Kilo. Der grösste Teil ging nach China, dahinter folgten Hongkong und Deutschland. Betrug der Preis pro Kilo noch im Januar 20 Franken, so lag er im März schon zehnmal höher.
«Es geht einfach ums Geld»
«Es geht am Ende ganz einfach ums Geld und darum, ein Geschäft zu machen», kritisiert Enea Martinelli, Vizepräsident von Pharmasuisse. «Gewisse Zwischenhändler haben solche Atemschutzmasken in grossem Stil eingekauft. Und jetzt verkaufen sie dorthin, wo am meisten geboten wird.»
Auch der Verein Ethik und Medizin ist besorgt. «Es ist an sich schon stossend, dass in einer Notzeit Güter exportiert werden, die hier gebraucht würden», sagt Präsident Dr. Michel Romanens. «Wenn sie dann aber noch derart überteuert sind, müsste der Staat eingreifen.»


