Personalchefs knallhart – Trotz Preisexplosion – Löhne steigen nur um 1,2 Prozent

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Personalchefs knallhartTrotz Preisexplosion – Löhne steigen nur um 1,2 Prozent

Alles wird teurer, aber der Lohn steigt nur gering. Am Ende bleibt weniger im Portemonnaie. So kannst du bei der Lohnverhandlung überzeugen.

von
Fabian Pöschl
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Der Lohn steigt dieses Jahr nur leicht, wie eine Umfrage der Beratungsfirma Know unter Personalchefinnen und Personalchefs ergab.

Der Lohn steigt dieses Jahr nur leicht, wie eine Umfrage der Beratungsfirma Know unter Personalchefinnen und Personalchefs ergab.

20min/Matthias Spicher
So gross ist der Lohnanstieg nach Branche:

So gross ist der Lohnanstieg nach Branche:

20min/Matthias Spicher
Medien/Telekommunikation: 0,63 Prozent

Medien/Telekommunikation: 0,63 Prozent

Tamedia AG/Reto Oeschger

Darum gehts

Die Corona-Massnahmen und der Ukraine-Krieg sorgen für einen Preis-Schock beim Benzin und Gas und auch Lebensmittel werden nun teurer. Bund und Nationalbank rechnen mit einer durchschnittlichen Teuerung von 1,9 Prozent in diesem Jahr.

Die Löhne sollen aber im Schnitt nur um 1,2 Prozent steigen. Das schreibt die «SonntagsZeitung» unter Bezug auf eine Umfrage der Beratungsfirma Know unter Personalchefinnen und Personalchefs von 337 Deutschschweizer Unternehmen mit 680’000 Angestellten. Die Kaufkraft der Bevölkerung würde also angesichts der erwarteten Teuerung von 1,9 Prozent (siehe Box) um durchschnittlich 0,7 Prozent sinken.

Krieg bremst Erholung

Bei der Umfrage gaben die Personalchefs an, wie stark sie die Löhne dieses Jahr schon erhöht haben oder noch erhöhen werden. Dabei sind sie trotz der anziehenden Teuerung nicht spendabler geworden. Schon bei einer Befragung im Oktober sagten sie 1,2 Prozent Lohnerhöhung voraus.

So gibts beim grössten Arbeitgeber Migros ein Prozent mehr Lohn und bei Coop 0,8 Prozent. Die Banken Credit Suisse, UBS und Raiffeisen geben je 1,2 Prozent mehr. Den grössten Lohnsprung dürfen Angestellte in der Pharmaindustrie erwarten, am kleinsten ist der Zustupf in der Medien- und Telekommunikationsbranche.

Trotz Pandemie-Stress und Fachkräftemangel ist der Lohnanstieg bei Angestellten in der Gesundheitsbranche unterdurchschnittlich (siehe Bildstrecke). Anne-Geneviève Bütikofer, Direktorin des Spitalverbandes H-plus, begründet dies gegenüber der Sonntagszeitung mit fehlenden finanziellen Mitteln.

Auch der Gewerkschaftsbund will nun laut eigenen Angaben höhere Forderungen bei der nächsten Lohnrunde stellen, damit die Löhne mit der Teuerung Schritt halten. Selbst der Arbeitgeberverband warnt, dass ein Kaufkraftverlust infolge der bescheidenen Lohnerhöhungen zu einem Einbruch des Konsums führen könnte.

Neue Lohnrunde im Herbst verlangen

Der Personalexperte Matthias Mölleney erklärt die Zurückhaltung der Firmen beim Lohn mit der Ungewissheit wegen des Kriegs. «Keiner weiss, wie es weitergeht und ob die Firma es sich leisten kann, höhere Löhne zu zahlen», so Mölleney.

Er empfiehlt, das Gespräch mit den Vorgesetzten zu suchen und einen Termin im Herbst zu vereinbaren. «Dann gibt es hoffentlich keine Ungewissheiten wegen des Kriegs mehr und man kann normal über den Lohn verhandeln», sagt Mölleney.

Wie hoch die Lohnforderung sein sollte, lasse sich derzeit noch nicht sagen. Mölleney rät, sich zu erkundigen, wie viel Kolleginnen und Kollegen aus der gleichen Branche bei anderen Firmen bekommen. Wichtig sei bei der Verhandlung, auf die eigenen Stärken zu verweisen und zu erklären, welchen Beitrag man geleistet hat, um der Firma aus der Krise zu helfen. 

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