Aktualisiert 17.01.2019 07:28

Fall HugentoblerTrotz Sex-Chat mit «Sara» (13) kann er Lehrer sein

Obwohl er verurteilt wurde, kann der ehemalige St. Galler CVP-Kantonsrat Michael Hugentobler wieder als Lehrer arbeiten. Die Staatsanwaltschaft räumt Fehler im Fall ein.

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taw
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Mittels Strafbefehl wurde der ehemalige CVP-Kantonsrat Michael Hugentobler wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie verurteilt.

Mittels Strafbefehl wurde der ehemalige CVP-Kantonsrat Michael Hugentobler wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie verurteilt.

Der Strafbefehl wurde im Dezember rechtskräftig.

Der Strafbefehl wurde im Dezember rechtskräftig.

staatsanwaltschaft.sg.ch
Der CVP-Kantonsrat ist ausgebildeter Primar- und Sekundarlehrer und war bis Juli 2017 noch als Lehrer tätig, zuletzt an der katholischen Kantonssekundarschule Flade in St. Gallen.

Der CVP-Kantonsrat ist ausgebildeter Primar- und Sekundarlehrer und war bis Juli 2017 noch als Lehrer tätig, zuletzt an der katholischen Kantonssekundarschule Flade in St. Gallen.

flade.ch

Nachdem bekannt wurde, dass Hugentobler intime Chats mit einer vermeintlich 13-Jährigen führte, kam die Frage auf, ob er weiter als Lehrer arbeiten darf. Der 37-Jährige ist ausgebildeter Primar- und Sekundarlehrer. Wie Roman Dobler, Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, auf Anfrage sagt, wurde kein Tätigkeitsverbot ausgesprochen. Als Lehrer werde Hugentobler dennoch nie wieder arbeiten, da er sein Lehrerpatent im letzten Jahr abgab. Eine Meldung ans Bildungsdepartement St. Gallen wurde seitens der Staatsanwaltschaft unterlassen.

Wie Recherchen von 20 Minuten nun zeigen, kann Hugentobler aber sehr wohl wieder als Lehrer arbeiten. «Da ein Lehrerdiplom erworben wird, der Kanton also ein selbiges bei Erreichen der entsprechenden Qualifikationen ausstellt, kann dieses nicht quasi ‹zurückgegeben› werden», so Heidi Roth, Leiterin Recht beim St. Galler Bildungsdepartement. Nur weil man den Lehrerberuf aufgebe, verfalle das Diplom nicht. «Die Eignung für die Lehrtätigkeit bleibt solange bestehen, bis diese vom Erziehungsrat abgesprochen wird», so Roth.

Bildungsdepartement prüft Fall

Rechtswirksam steht einer Lehrtätigkeit nebst einem strafrechtlichen Tätigkeitsverbot nur ein verwaltungsrechtliches Berufsverbot entgegen. Dafür zuständig ist der Erziehungsrat des Kantons. «Dieser verfügt ein Berufsverbot, wenn die Eignung für die Lehrtätigkeit fehlt, er kann beziehungsweise muss das Berufsverbot jedoch auch wieder aufheben, wenn sich später ergibt, dass sich die Verhältnisse wesentlich geändert haben», so Roth.

Beide Verfahren unterliegen jeweils einer eingehenden Prüfung, auch die betroffene Person werde angehört. «Wird ein Berufsverbot verfügt, so wird dies den Schulräten des Kantons St. Gallen und – über das Generalsekretariat der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (GS EDK) – den übrigen Kantonen gemeldet», so Roth. Bevor eine Lehrperson eingestellt wird, kann die Schule an das GS EDK gelangen und sich informieren, ob gegen eine Lehrperson ein Berufsverbot ausgesprochen wurde. Derzeit ist bei Michael Hugentobler kein Berufsverbot verhängt worden. Das Bildungsdepartement sei aktuell dabei, sich einen Überblick zu verschaffen, und man prüfe, ob der Erziehungsrat ein Verfahren hinsichtlich Berufsverbot an die Hand zu nehmen hat.

Anpassen der Richtlinien

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen unterliess eine Meldung an das Bildungsdepartement wegen mehreren Gründen. Unter anderem weil die Tat, für die er verurteilt wurde, nicht im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Lehrer gestanden habe und er ohnehin nicht mehr als Lehrer arbeitete. Sein Lehr- und Masterdiplom habe er zurückgegeben. «Damit war er für uns nicht mehr ‹Lehrperson› im Sinne des Gesetzes und deshalb unterblieb eine Meldung an das Bildungsdepartement», so Sprecher Roman Dobler.

Hugentobler war nach Juli 2017 zwar nicht mehr als Lehrer an der katholischen Kantonssekundarschule Flade in St. Gallen tätig, sehr wohl aber noch als IT-Supporter und Berater. Laut dem «St. Galler Tagblatt» hielt er in den letzten drei Jahren im Rahmen eines Kurses ein Referat über Social Media. Darin habe er Schüler unter anderem davor gewarnt, freizügige Bilder von sich zu verschicken und mit Unbekannten zu chatten. Darüber hinaus hätte er nächste Woche ein Skilager der Flade begleiten sollen.

Dobler: «Keine Meldung zu machen, war ein Fehler. Im Licht der heutigen Erkenntnisse würden wir nicht mehr so handeln und eine Meldung machen.» Entsprechende Handlungsanweisungen für künftige, ähnlich gelagerte Fälle seien bereits in die Wege geleitet.

Hugentobler hält daran fest, nie wieder als Lehrer zu arbeiten. Er habe das Patent abgegeben und das sei unwiderruflich.

Strafbefehl rechtskräftig

Michael Hugentobler chattete ab Februar 2017 mit einer vermeintlich 13-Jährigen. Er stellte ihr intime Fragen und nahm vor der Webcam sexuelle Handlungen an sich vor. Auch sie sollte sich ausziehen und selbst streicheln. Zudem bat er um intime Fotos.

Bei der 13-Jährigen handelte es sich um einen Ermittler. Zwei weiteren Personen, die angaben 15 Jahre alt zu sein, schickte er Bilder seines erigierten Glieds.

Der 37-Jährige wurde mittels Strafbefehl wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie von der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen verurteilt. Dies zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 100 Franken und einer Busse in Höhe von 3600 Franken. Der Strafbefehl wurde im Dezember rechtskräftig. Hugentobler bereue das Ganze sehr.

Am Montag informierte der CVP-Kantonsrat seine Partei. Wie er 20 Minuten sagte, werde er per sofort von allen Gremien zurücktreten. Auch aus der Partei trat er mittlerweile aus.

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