Schwyzer Start-up: Trotz Sicherheitsbedenken – Menstruationsschwämme boomen 

Aktualisiert

Schwyzer Start-upTrotz Sicherheitsbedenken – Menstruationsschwämme boomen 

Das Schwyzer Start-up Hera Organics verkauft mit grossem Erfolg Menstruationsschwämme, das heisst Meeresschwämme, als Tampon-Alternative. Es gibt aber Zweifel an der Sicherheit dieser Hygieneprodukte.

von
Sara Andrea Formentin
1 / 9
Valentina Biland (links) und Naomi Dirlewanger (rechts) sind die Mitbegründerinnen des Start-ups Hera Organics. 

Valentina Biland (links) und Naomi Dirlewanger (rechts) sind die Mitbegründerinnen des Start-ups Hera Organics. 

HERA organics
Das Start-up vertreibt Menstruationsschwämme, das heisst Meeresschwämme, die anstelle von klassischen Tampons verwendet werden können.

Das Start-up vertreibt Menstruationsschwämme, das heisst Meeresschwämme, die anstelle von klassischen Tampons verwendet werden können.

HERA organics
Der Schwerpunkt der Mitbegründerinnen liegt auf einem nachhaltigeren Leben: Durch die Abschaffung von Einwegbinden könnten jedes Jahr Tonnen von Müll eingespart werden.

Der Schwerpunkt der Mitbegründerinnen liegt auf einem nachhaltigeren Leben: Durch die Abschaffung von Einwegbinden könnten jedes Jahr Tonnen von Müll eingespart werden.

Flickr

Darum gehts 

  • Ein Start-up mit Sitz im Kanton Schwyz verkauft Menstruationsschwämme, das heisst Meeresschwämme, die anstelle von Tampons verwendet werden.

  • Die Mitbegründerinnen heissen Naomi Dirlewanger (26) und Valentina Biland (24). Die Idee dazu entstand im Jahr 2019.

  • Der Verkauf der Menstruationsschwämme läuft so gut, dass die beiden Jungunternehmerinnen nun nach Deutschland expandieren wollen.

  • Es gibt jedoch Zweifel an der Sicherheit dieses hygienischen Produkts.

In den letzten Jahren hat das Bewusstsein für ökologische Nachhaltigkeit zweifellos zugenommen. Und zwar in vielen Bereichen des täglichen Lebens, auch bei der Körperpflege von Frauen. Einer Studie zufolge verbraucht eine durchschnittliche, menstruierende Frau in Europa im Laufe ihres Lebens zwischen 8000 und 17’000 Einwegtampons oder -binden. Dies entspricht 150 Kilogramm Abfall. 

Zwei junge Unternehmerinnen aus Schwyz bieten eine Alternative zu dieser massiven Abfallproduktion, mit der sie aktuell sehr erfolgreich sind. Und nein, es geht nicht um Menstruationstassen. Valentina Biland (24) und Naomi Dirlewanger (26) bieten menstruierenden Frauen Menstruationsschwämme an. Also Meeresschwämme. Das sind einfache mehrzellige Organismen, die auf dem Meeresgrund leben und sich von Plankton ernähren, die ihre winzigen Poren durchlaufen.

«Es ist ein natürliches Produkt, ohne negative Folgen für den Körper und die Umwelt»

«Die Idee entstand 2019. Anfänglich hat die Co-Founderin Naomi Dirlewanger ihre Verhütungspille abgesetzt. Das war ein Schritt zu mehr Bewusstsein und wir haben relativ schnell bemerkt, dass, um im Alltag bewusster zu leben, wir uns mit Menstruationsprodukten auseinandersetzen müssten», sagt Biland zu 20 Minuten. Die Mitbegründerinnen von Hera Organics, einem Start-up mit Sitz in Merlischachen (SZ), kamen auf die Idee, Meeresschwämme als Ersatz für traditionelle Tampons zu verwenden.

«Unser Menstruationsschwamm ist eine natürliche, plastikfreie und nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Menstruationsprodukten. Er ist Zero Waste und hat weder für den Körper noch für die Umwelt negative Folgen», so Biland weiter. Die verwendeten Schwämme seien von Natur aus pH-neutral, antibakteriell und enthielten Enzyme und Mineralien, die die Ansammlung von Bakterien und Pilzen verhinderten. Ausserdem könne der Schwamm nach drei Monaten Gebrauch im Bio-Kompost entsorgt werden. Das Feedback der Kundinnen, die diese Menstruationsschwämme kauften, sei insgesamt sehr positiv. Bald soll der Verkauf auch nach Deutschland ausgeweitet werden.

Würdest du Menstruationsschwämme ausprobieren?

Die Experten sind sich nicht einig 

Nicht alle medizinischen Experten scheinen sich über die Sicherheit von Meeresschwämmen als Hygieneprodukte sicher zu sein. Nach Angaben der FDA (Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde der USA) könnten sich Menstruationsschwämme in ein gefährliches Gefäss für Bakterien verwandeln. Denn anders als Kunstschwämme sind Naturschwämme nicht steril zu kriegen. Reisst ein Schwamm gar eine kleine Wunde im Innern, könnten gefährliche Bakterien in die Blutbahn geraten und leicht das toxische Schocksyndrom verursachen. Es ist allerdings zu beachten, dass die FDA-Studie an einer Patientin durchgeführt wurde, die den Schwamm zu lange im Vaginalkanal gelassen hatte.

«Das Risiko, ein toxisches Schocksyndrom zu erleiden, besteht aber auch bei normalen Tampons.», sagte Gynäkologe Dr. Paseka, ehemaliger Oberarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im Kantonsspital Nidwalden. Es sei daher wichtig, auf das Hygieneprodukt zu achten, um eine Bakterienbildung zu vermeiden. Er betonte auch, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse der Patientinnen zu hören: «Wir leben in einer Zeit, in der ökologische Nachhaltigkeit für viele von entscheidender Bedeutung ist. Wenn eine Patientin sich mit dem Menstruationsschwamm wohlfühlt, sehe ich keinen Grund, ihr davon abzuraten.»

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

26 Kommentare