Raabs Schlittelsause: Trotz tiefer Quote – Zurich sponsert Wok-WM
Aktualisiert

Raabs SchlittelsauseTrotz tiefer Quote – Zurich sponsert Wok-WM

Der Versicherungskonzern Zurich geht an der Wok-WM mit einem eigenen Team an den Start. Damit will man junge Kunden gewinnen. Doch genau bei dieser Gruppe nimmt das Interesse ab.

von
Arno Meili

Bei der diesjährigen Wok-WM von Stefan Raab stellt das Versicherungsunternehmen Zurich einen eigenen Vierer-Wok. Mit dieser Aktion will sich die Firma an eine jüngere Kundschaft richten. «Der Event zieht am Samstagabend viele junge Menschen, aber auch Familien vor den Fernseher und unterhält prächtig», sagt Bernd O. Engelien, Sprecher von Zurich Deutschland zu 20 Minuten.

Angst, dass eine Klamauk-Veranstaltung nicht zur Versicherung passen könnte, hat Engelien nicht: «Die Wok-WM passt hervorragend zu uns.» Denn auch bei der Wok-WM würden olympische Werte wie Fairness und Respekt zählen. Werte, die auch die Zurich hochhält.

Angemessener Betrag

Für Sponsoringexperte Hans-Willy Brockes ist das Sponsoring der Wok-WM ein kluger Schachzug: «Jüngere Menschen sind für eine Versicherung eine hochattraktive Zielgruppe». Um diese zu erreichen, müsse man ausgetretene Pfade verlassen und da sein, «wo das Spektakel ist».

Auch die Idee, eine Sache zu sponsern, die man nicht sofort mit der Marke Zurich assoziiere, findet Brockes gelungen. «Es beschert zusätzliche mediale Aufmerksamkeit und sorgt für Gesprächsstoff», so der Experte. Wie hoch das Sponsoring der Zurich Insurance ist, wollte Engelien nicht kommunizieren. Der Betrag sei aber angemessen.

Einschaltquoten sinken

Die Zurich will mit dem Engagement insbesondere die werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichen. Der Marktanteil dieser hat sich im Vergleich zu früheren Jahren aber halbiert – 2013 betrug er gerade noch 15,7 Prozent. Überhaupt scheint das Interesse an der Wok-WM seinen Zenit überschritten zu haben.

2012 verfolgten 2,58 Millionen Zuschauer die WM, 2013 waren es gerade noch 2,05 Millionen. Damit fiel Raab nicht nur hinter den Kultkrimi «Ein starkes Team» und die Castingshow «DSDS», sondern sogar hinter den auf ARD ausgestrahlten Film «Eine Sennerin zum Verlieben» zurück. Angst vor einem Verlustgeschäft hat Engelien trotzdem nicht: «Die Wok-WM ist seit 2003 ein erfolgreiches Format und wir sind sicher, dass dieses Gaudi auch in diesem Jahr wieder ihre Fans finden wird.»

Auch Schweizer könnten mitfahren

Im Zurich-Wok starten drei deutsche Olympioniken: Teamkapitän ist Beachvolleyballolympiasieger Julius Brink. Mit ihm im Wok sitzen werden Snowboard-Weltmeisterin Isabella Laböck und die frischgebackene Olympiasiegerin im Rennrodeln, Natalie Geisenberger.

Der vierte Platz im Zurich-Wok wird zwischen drei Bewerbern live auf ProSieben in einem Qualifying-Run ausgemacht. Dabei dürfen sich laut Engelien auch Schweizer für den vakanten Sitz in der Kochschale bewerben.

«Gefährlichste Dauerwerbesendung der Welt»

2008 entschied das Berliner Verwaltungsgericht, dass Raab in seiner Sendung Schleichwerbung betreibt. In der Folge strahlte ProSieben die Wok-WM als Dauerwerbesendung aus und verbrauchte einen Grossteil seiner täglich erlaubten Werbezeit mit der Sendung. Wieviel Werbegeld ProSieben dadurch verliert, lässt sich kaum präzisieren. Laut der «Süddeutschen Zeitung» gehen Branchenexperten davon aus, dass der Privatsender jedes Jahr an diesem Tag mindestens ein Fünftel seiner Werbeeinnahmen einbüsst.

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