Public Viewing: Trotz WM: Um Mitternacht ist in Zürich Abpfiff
Aktualisiert

Public ViewingTrotz WM: Um Mitternacht ist in Zürich Abpfiff

Wegen der Zeitverschiebung kommen die Live-Übertragungen der Fussball-WM der Nachtruhe in die Quere. Während Bern und Zürich keine Nachtspiele wollen, wird Basel zum Fussball-Mekka.

Ab dem 12. Juni dürften schweizweit zahlreiche Gartenbeizen fest in der Hand der Fussball-Fans sein. Allerdings schränkt die Zeitverschiebung das Fussball-Fest diesmal etwas ein: Nicht alle WM-Spiele können unter freiem Himmel mitverfolgt werden. Die Städte zeigen sich unterschiedlich tolerant.

Die diesjährige Fussball-WM in Brasilien bringt für Fans in der Schweiz eine Besonderheit mit sich: 18 der insgesamt 64 Spiele werden erst um 22 Uhr Schweizer Zeit angepfiffen, 10 gar erst um Mitternacht. Und die Partie zwischen Japan und der Elfenbeinküste beginnt hierzulande erst um drei Uhr morgens.

Da unter der Woche ab 22 Uhr die Nachtruhe gilt, dürfen diese Spiele eigentlich nicht mehr im Freien gezeigt werden. In vielen Städten gelten jedoch Ausnahmen.

Basel als «Fussball-Mekka»

Besonders gut haben es die Fussball-Fans in Basel, das nach eigenen Angaben die «landesweit liberalste Praxis» hat. Beginnt ein WM-Spiel noch im Rahmen der normalen, bewilligten Öffnungszeiten eines Gartenrestaurants, kann das gesamte Spiel im Freien gezeigt werden.

Einzig das Spiel Elfenbeinküste-Japan kann in Basel nirgends unter freiem Himmel mitverfolgt werden. André Frauchiger, Sprecher des Tiefbauamtes Basel, sprach auf Anfrage von einer «sehr liberalen Regelung».

Zürich und Bern wollen keine Nachtspiele

In der Stadt Zürich hingegen ist im Freien um Mitternacht Abpfiff. Gezeigt werden dürfen an den Freiluft-Anlässen nur jene Partien, die spätestens um 22 Uhr beginnen und somit um 24 Uhr fertig sind. Die gleiche Regelung kennt auch Winterthur.

In der Stadt Bern können Fussballfans ebenfalls alle Spiele unter freiem Himmel verfolgen, die spätestens um 22 Uhr beginnen. Auch allfällige Verlängerungen und Penaltyschiessen sind kein Problem. Die Partien, die erst um Mitternacht oder später beginnen, dürfen hingegen nur in Räumlichkeiten gezeigt werden.

Auch in Luzern dürfen Fussball-Fans ab Mitternacht nur noch in geschlossenen Räumen mitfiebern. Bei jenen Spielen, die vor 22 Uhr beginnen, muss im Freien eine halbe Stunde nach Spielende das TV-Gerät abgestellt werden.

Freinacht in Chur

Freuen dürfen sich die Fussballfans in Chur: Hier dürfen die Gastwirtschaften wegen der späten WM-Spiele ausnahmsweise länger offen bleiben. Für das Spiel zwischen der Elfenbeinküste und Japan, das erst um drei Uhr beginnt, wurde sogar eine allgemeine Freinacht auf dem ganzen Stadtgebiet bewilligt.

In St. Gallen hingegen wird für die Spiele, die länger als bis 22 Uhr dauern, der Einzelfall geprüft. Bei Bars und Restaurants, bei denen keine Störung von Anwohnenden zu befürchten sei, seien Ausnahmen eher möglich als in Gebieten mit hohem Wohnanteil, teilte der Vorsteher der städtischen Sicherheitsdirektion, Nino Cozzio, auf Anfrage mit.

Grossleinwand in Lausanne – Fanzone in Genf

Die Stadt Lausanne will ebenfalls punktuell Bewilligungen erteilen und sich dabei «wohlwollend» zeigen. Es seien weniger als ein Dutzend Anfragen für die Übertragung von Spielen in Gartenterrassen eingegangen, sagte Florence Nicollier, Dienstchefin bei der Handelspolizei. Probleme geben dürfte es erst, wenn die Fussballspiele erst nach Mitternacht beginnen. Sie wies zudem darauf hin, dass in Bellerive eine Übertragung auf Grossleinwand geplant sei.

In Genf wird in Les Vernets eine Fanzone entstehen, wie es bei der zuständigen Dienststelle hiess. Ausserhalb der üblichen Öffnungszeiten würden – wie bereits bei der Fussballweltmeisterschaft 2010 und der Europameisterschaft 2012 – wegen der Lärmemissionen aber keine Bewilligungen für die Ausstrahlung der Fussballspiele in Gartenwirtschaften erteilt.

Zusätzliche Lautsprecher verboten

Um Anwohner und Fussballmuffel vor übermässigem Lärm zu schützen, ist es in vielen Städten zudem verboten, zusätzliche Lautsprecheranlagen aufzustellen. Erlaubt sind weiter nur Fernsehen, die eine Bildschirmdiagonale von maximal drei Metern aufweisen.

Fussballmuffel können übrigens am 13. Juli aufatmen: Dann ist der WM-Spuk vorbei. (sda)

Fifa kassiert bei Public Viewing nichts

Während der Fussball-WM in Brasilien geniessen Veranstalter von Public Viewing in der Schweiz ein besonderes Privileg: Die Richtlinien des Weltfussballverbandes FIFA haben für sie keine Gültigkeit.

Das freut insbesondere die Wirte.

Die Schweiz sei erfreulicherweise ein Sonderfall, teilt der Verband für Hotellerie und Restauration GastroSuisse auf Anfrage mit. Nicht nur sind die Richtlinien der FIFA ungültig. Auch dürfe die FIFA weder bei der Werbung oder beim Sponsoring noch beim Angebot oder beim Ausschank Einschränkungen geltend machen.

Dieser Sonderfall ist das Ergebnis eines langjährigen Rechtsstreits. Diesen hatte zwar der Europäische Fussballverband UEFA ausgefochten, doch das Resultat gilt auch für den Weltfussballverband FIFA. (SDA)

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