Aktualisiert 31.10.2011 18:15

Galgenen SZTrotz Zweifel für schuldig befunden

Laut Anklage hat ein Privatdetektiv aus Galgenen auf der Autobahn bei Richterswil einen anderen Autolenke rechts überholt und ausgebremst. Obwohl das Obergericht gestern Zweifel anmeldete, musste es auf Geheiss des Bundesgerichts einen Schuldspruch ausfällen.

von
Attila Szenogrady

Der Vorwurf ging auf den 30. April 2009 zurück. Damals fuhr der heute 50-jährige Privatdetektiv aus Galgenen am Morgen mit seinem Personenwagen über die Autobahn A3 in Richtung Zürich. Laut Anklage schloss auf der Höhe von Richterswil auf ein anderes Fahrzeug auf. Offenbar verlor der Schwyzer plötzlich die Geduld und überholte den geschädigten Lenker von rechts. So knapp, dass der unschuldige Fahrer stark abbremsen und nach links ausweichen musste. Sonst wäre es zu einer wohl folgenschweren Kollision gekommen.

Vom Schuld- zum Freispruch

Das Opfer erstattete Strafanzeige, nach dem es bei Wädenswil die Autobahn verlassen und bei Hirzel den mutmasslichen Täter wieder gesehen hatte. Allerdings bestritt dieser jegliche Schuld und machte in der Folge eine Verwechslung geltend.

Am Bezirksgericht Horgen noch ohne Erfolg: So verurteilte das Landgericht den Schwyzer Detektiv infolge des gefährlichen Manövers wegen eines groben Verkehrsdeliktes zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 50 Franken sowie zu einer Busse von 500 Franken. Das Horgner Gericht stützte seinen Entscheid auf die Zeugenaussagen des Geschädigten und seiner Tochter, die als Beifahrerin alles gesehen hatte. Zudem konnte auch eine unabhängige Autolenkerin den Vorfall bestätigen.

Die Verteidigung legte Berufung ein und erreichte im letzten Februar vor dem Zürcher Obergericht einen vollen Freispruch. Die Oberrichter stuften die belastenden Zeugenaussagen als widersprüchlich ein. Zudem schlossen sie eine Verwechslung nicht aus. So habe der Sichtkontakt zwischen dem Opfer und dem Beschuldigten bis zum Hirzel nicht durchgehend bestanden, hiess es.

Vom Frei- zum Schuldspruch

Diesmal legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein. Mit der Folge, dass sich das Bundesgericht mit dem umstrittenen Fall befasste. Dabei kam es zu einer Kehrtwende. So lehnten die Bundesrichter eine Verwechslung ab. So seien sich die Zeugen sicher gewesen, dass sie das Tatfahrzeug bis zum Hirzel nicht mehr aus den Augen verloren hätten, schrieben sie. Somit sei der Beschuldigte mit der Person des fehlbaren Lenkers identisch. Am Montag musste das Zürcher Obergericht der Auffassung des Bundesgerichts folgen. Es verurteilte den Detektiv wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 500 Franken Busse. Der Vorsitzende Stefan Volken und zwei Oberrichterinnen machten aber klar, dass sie weiterhin an der Schuld des Angeklagten zweifeln würden. Sie seien aber an die Einschätzung des Bundesgerichts aus prozessualen Gründen gebunden, sagte Volken. Der Angeschuldigte verstand nach dem Entscheid die Welt nicht mehr. Er könnte den Fall an das Bundesgericht weiterziehen.

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