Aktualisiert 18.05.2016 09:00

Populist in Hochform

Trump attackiert Clinton – von links

Mit seinen Positionen stösst Trump nicht nur seine Parteikollegen vor den Kopf. Er bringt auch Clinton in arge Bedrängnis.

von
kmo
1 / 11
Wie sähe die Präsidentschaft von Donald Trump aus? Einen Eindruck davon kann man im jüngsten Buch des Immobilienmoguls «Great Again!! Wie ich Amerika retten werde», das am 20. Mai auf Deutsch erscheint, gewinnen. Wer den Wahlkampf verfolgt hat, findet darin wenig neue Standpunkte, dafür viele markige Worte. Das englische Original erschien im November 2015.

Wie sähe die Präsidentschaft von Donald Trump aus? Einen Eindruck davon kann man im jüngsten Buch des Immobilienmoguls «Great Again!! Wie ich Amerika retten werde», das am 20. Mai auf Deutsch erscheint, gewinnen. Wer den Wahlkampf verfolgt hat, findet darin wenig neue Standpunkte, dafür viele markige Worte. Das englische Original erschien im November 2015.

AP/Ted S. Warren
Im Frühjahr 2016 nimmt Donald Trump die Demokratin Hillary Clinton ins Visier - mit erstaunlich linken Positionen. Dabei wich er zwar in gewissen Punkten deutlich von früheren Aussagen ab, unberechenbar war der New Yorker aber immer.

Im Frühjahr 2016 nimmt Donald Trump die Demokratin Hillary Clinton ins Visier - mit erstaunlich linken Positionen. Dabei wich er zwar in gewissen Punkten deutlich von früheren Aussagen ab, unberechenbar war der New Yorker aber immer.

AFP/dsk
Dabei steht er Clintons demokratischem Rivalen Bernie Sanders oft in nichts nach.

Dabei steht er Clintons demokratischem Rivalen Bernie Sanders oft in nichts nach.

AFP/rob Kerr

«Sie wird völlig von der Wall Street kontrolliert», sagte Donald Trump an einer Veranstaltung im US-Bundesstaat Oregon über Hillary Clinton. Die Aussage deutet eine Strategie an, mit welcher der mutmassliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner gegen die mutmassliche Kandidatin der Demokraten antreten dürfte: ein Angriff von links.

Dabei muss sich der Republikaner gar nicht wirklich neu erfinden. Seine bisherigen Äusserungen zeigen teilweise erstaunlich linke Positionen auf, wie die «New York Times» schreibt. Bezüglich der Wall Street versucht Trump sogar Sanders zu übertrumpfen: «Diese Hedge-Fund-Typen kommen mit Mord davon. Sie machen ein Vermögen – und zahlen keine Steuern. Das ist doch einfach lächerlich», wetterte er jüngst.

Höhere Mindestlöhne, höhere Steuern

Bei sozialpolitischen Themen scheint Trump ebenfalls Programmpunkte des Demokraten und Clinton-Rivalen Bernie Sanders zu übernehmen. So fordert der New Yorker Populist höhere Mindestlöhne und Steuererhöhungen für Reiche und er will sowohl die Gesundheits- wie auch die Sozialversicherung beibehalten. Positionen, die der republikanischen Ideologie zuwiderlaufen.

Auch Trumps Äusserungen zur US-Aussenpolitik lassen sich laut «Spiegel» eher linken als rechten Positionen zuordnen. Eines seiner erklärten Ziele ist es, dass die USA künftig die Rolle des Weltpolizisten abgeben. Der New Yorker kritisiert die Europäer – insbesondere die Briten – und lobt den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er prangert US-Interventionen in Kriegsgebieten aus und die Nato an. «Unsere Verbündeten bezahlen ihren gerechten Anteil nicht. Die Länder, die wir verteidigen, müssen für diese Kosten aufkommen. Tun sie das nicht, müssen die USA bereit sein, ihnen die Verteidigung selbst zu überlassen», sagte er Anfang Mai laut «Newsweek».

Freihandelsabkommen abschaffen

Am erstaunlichsten für einen US-Republikaner sind aber wohl Trumps protektionistischen Angriffe auf Freihandelsabkommen und sein Einstehen für Einfuhrzölle. Damit spricht er die Menschen an, die heute zwar weniger für ein T-Shirt bezahlen müssen, dafür aber keinen Job mehr haben: Laut «Zeit» führten allein die Importe aus China zwischen 1990 und 2011 zu einem Verlust von 2,4 Millionen Arbeitsplätzen in den USA.

Zwar vertritt Trump mit seiner Hetze gegen Muslime und Einwanderer auch extrem rechte Positionen. Trotzdem: Freier Handel, tiefe Steuern und eine starke Präsenz in der Welt sind die klassischen Glaubensgrundsätze der US-Repulikaner, schreibt die «New York Post». Dass sich Trump darum foutiert und damit noch Erfolg hat, führte zwangsläufig zu einer tiefen Spaltung der Partei.

Er läuft sich warm

Polit-Analysten aller Lager zermartern sich die Köpfe, ob es der Populist damit bis ins Weisse Haus schafft. Trump werde vielleicht resignierte Republikaner mobilisieren können, doch er verliere die klassischen Wähler, meinen die einen. Er könne eventuell enttäuschte Demokraten für sich gewinnen, doch mit seinen Angriffen auf Frauen und Latinos vertreibe er eine andere grosse Wählergruppe, sagen andere.

Derweil läuft sich der Milliardär jetzt schon warm für den im Herbst zu erwartenden Showdown mit Hillary Clinton im Rennen um das Präsidentenamt. Und greift die Demokratin jetzt schon an, während die sich noch mit ihrem linken Gegner Sanders beschäftigen muss. Wie weit er damit kommt, wird sich zeigen. Eins ist sicher: Bisher haben sich Analysten in den Erfolgsaussichten des New Yorker Immobilienmoguls getäuscht.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.