Aktualisiert 30.01.2017 11:01

US-Einreisestopp

Trump-Dekret trifft 30'000 in der Schweiz

Menschen aus sieben muslimischen Ländern dürfen nicht mehr in die USA. In der Schweiz leben Zehntausende, die einer der betroffenen Nationen angehören.

von
Marco Lüssi
1 / 25
Flughafen Genf-Cointrin: Hier bestieg eine Frau am 28. Januar 2017 ein Swiss-Flugzeug nach New York. Dort wurde sie an der Einreise gehindert und in die Schweiz zurückgeschickt. Ein Schicksal, das theoretisch 31'000 Menschen erleiden könnten, die in der Schweiz leben. So gross ist die Zahl der Menschen in unserem Land, die die Nationalität eines der sieben betroffenen muslimischen Staaten besitzen.

Flughafen Genf-Cointrin: Hier bestieg eine Frau am 28. Januar 2017 ein Swiss-Flugzeug nach New York. Dort wurde sie an der Einreise gehindert und in die Schweiz zurückgeschickt. Ein Schicksal, das theoretisch 31'000 Menschen erleiden könnten, die in der Schweiz leben. So gross ist die Zahl der Menschen in unserem Land, die die Nationalität eines der sieben betroffenen muslimischen Staaten besitzen.

Keystone/Laurent Gillieron
Die Migrationsbehörden haben sie durchgelassen: Auf dem Flughafen in Dallas begrüssen zwei Syrer ihre Mutter. (28. Januar 2017)

Die Migrationsbehörden haben sie durchgelassen: Auf dem Flughafen in Dallas begrüssen zwei Syrer ihre Mutter. (28. Januar 2017)

kein Anbieter/Brandon Wade
Ein Terminal am JFK-Flughafen ist geschlossen. (28. Januar 2017)

Ein Terminal am JFK-Flughafen ist geschlossen. (28. Januar 2017)

AFP/Stephanie Keith/Getty Images

Die Zahl der Menschen in der Schweiz, die derzeit nicht mehr in die USA einreisen könnten, ist nicht unerheblich: Über 31'000 Personen mit Wohnsitz in unserem Land wären gemäss den aktuellsten verfügbaren Zahlen von den neuen Einreisebestimmungen betroffen, falls sie entsprechende Reisepläne hätten.

So viele Menschen aus den sieben muslimischen Staaten gehörten per Ende 2015 zur ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz. Die meisten kommen laut Statistik aus Syrien: Allein aus diesem Land stammten Ende Dezember 2015 insgesamt 10'643 Bewohner der Schweiz. Eine vierstellige Zahl von Betroffenen stellen auch der Irak (7092 Personen in der Schweiz), Somalia (6907) und Iran (4593).

Knapp 600 Jemeniten in der Schweiz

Lediglich dreistellig ist die Zahl der Personen in der Schweiz aus den weiteren drei Staaten, denen die USA nun die Einreise untersagen. Aus Libyen stammen laut Statistik 843 Personen, danach folgen Sudan (690) und Jemen (563).

Wie viele dieser Personen, die theoretisch tangiert wären, in den nächsten Wochen oder Monaten in die USA reisen wollten, bleibt offen. Bei einem beträchtlichen Teil dieser 31'000 Personen dürfte es sich um Asylsuchende handeln, die in der Regel keine Auslandsreisen unternehmen können.

Swiss rechnet mit wenigen betroffenen Passagieren

Einer Swiss-Passagierin sind die Einreisebestimmungen bereits zum Verhängnis geworden: Sie flog am Samstag von Genf nach New York und wurde dort abgewiesen. Mit dem nächsten Swiss-Flug kehrte sie in die Schweiz zurück. Ob die Frau einen Schweizer Wohnsitz hat, ist nicht bekannt. Storniert wurden auch die Flüge von zwei Gruppen von Flüchtlingen, die am Sonntag beziehungsweise Montag mit der Swiss in die USA hätten fliegen sollen.

Generell geht man bei Swiss davon aus, dass wenige Fluggäste der Airline von der Regelung betroffen sein werden. Sprecherin Karin Müller weist darauf hin, dass die Swiss keine Direktverbindungen aus den sieben betroffenen Ländern in die Schweiz unterhalte. «Bürger aus diesen Ländern müssten also zweimal umsteigen, wenn sie mit Swiss in die USA fliegen wollten.» In solchen Fällen sei es sehr wahrscheinlich, dass sie an ihrer Weiterreise gehindert würden, bevor sie in der Schweiz eintreffen.

«USA sind ein beliebtes Reiseziel»

Dass die aktuelle Situation auch generell dazu führt, dass Reisende die USA meiden, lasse sich noch nicht feststellen, so Müller. «Wir gehen nicht davon aus, dass es dadurch zu einem Buchungsrückgang kommt, da nur sehr wenige Personen von diesen neuen temporären Einreisebestimmungen betroffen sind. Grundsätzlich sind die USA ein sehr beliebtes Reiseziel.»

Haben Sie einen Pass eines der betroffenen muslimischen Länder und wollten in der nächsten Zeit in die USA reisen? Oder leben Sie in den USA und können uns berichten, wie Sie die aktuelle Situation erleben?

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.