26.09.2016 20:19

Erste TV-DebatteTrump gewinnt, wenn er seine Karikatur widerlegt

Die erste TV-Debatte in der Endrunde des US-Wahlkampfs könnte Trump mehr nützen als Clinton. Folgende Strategien dürften umgesetzt werden.

von
sut
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Donald Trump und Hillary Clinton - die zwei wenig geliebten Kandidaten im Kampf um die US-Präsidentschaft kreuzen am 26. September 2016 erstmals die Klingen auf der Debattenbühne.

Donald Trump und Hillary Clinton - die zwei wenig geliebten Kandidaten im Kampf um die US-Präsidentschaft kreuzen am 26. September 2016 erstmals die Klingen auf der Debattenbühne.

AP/Mary Altaffer and Chuck Burton
Vor der Unabhängigkeitserklärung auf blauem Grund werden Trump und Clinton in der Hofstra-Universität auf Long Island 90 Minuten lang über die wichtigsten Themen des Wahlkampfs debattieren.

Vor der Unabhängigkeitserklärung auf blauem Grund werden Trump und Clinton in der Hofstra-Universität auf Long Island 90 Minuten lang über die wichtigsten Themen des Wahlkampfs debattieren.

AP/Patrick Semansky
Der Moderator Lester Holt von NBC wird die Fragen stellen. Clintons Podium (rechts) ist weniger hoch, um die geringere Körpergrösse im Vergleich zu Trump auszugleichen. (Bild: Studenten posieren für die Kandidaten.)

Der Moderator Lester Holt von NBC wird die Fragen stellen. Clintons Podium (rechts) ist weniger hoch, um die geringere Körpergrösse im Vergleich zu Trump auszugleichen. (Bild: Studenten posieren für die Kandidaten.)

epa/Andrew Gombert

So gross war das Interesse an einer Fernsehdebatte zwischen zwei Politikern noch nie. Der erste direkte Schlagabtausch zwischen Hillary Clinton und Donald Trump im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft verspricht am Montagabend ein superlativisches TV-Ereignis mit womöglich 100 Millionen Zuschauern zu werden.

Nach einer mehrwöchigen Aufholjagd ist der New Yorker Immobilienunternehmer bis an die Ex-Aussenministerin herangerückt. Nach neusten Umfragen vom Montag liegen die zwei Kandidaten praktisch gleichauf. Folge: Die drei TV-Debatten werden den Trend bis zum Wahltag am 8. November stark beeinflussen.

Mark Cuban gegen Gennifer Flowers

Wie wichtig das Duell den beiden Anwärtern ist, zeigte ein Scharmützel im Vorfeld. Erst gab die Clinton-Kampagne bekannt, sie werde den Sportklub-Besitzer und Trump-Intimfeind Mark Cuban in die erste Zuschauerreihe setzen, um den Republikaner zu reizen. Sogleich drohte das Trump-Team an, man werde gleich weit vorn Gennifer Flowers platzieren, eine der vielen Ex-Geliebten von Hillarys Gatten Bill.

Vorerst blieb unklar, wer von den beiden tatsächlich im Publikum sein wird. Sicher indes ist die Strategie der zwei Kandidaten:

DONALD TRUMP

Ziel: Karikatur widerlegen

Trump ist von Clinton als unqualifiziert und gefährlich dämonisiert worden. Eine Serie feindlicher TV-Spots zitiert Trumps schlimmste Ausfälligkeiten. Wenn es dem Republikaner gelingt, dieses Bild als eine von der Gegenseite gezeichnete Karikatur darzustellen und zu widerlegen, kann er die Debatte gewinnen.

Strategie: Wie ein Präsident wirken

Der als unbeherrscht geltende Politneuling muss sich disziplinieren und Clinton respektvoll behandeln. Er darf nicht aufbegehren und muss seine Zunge im Zaum halten. Lücken hinsichtlich Sachkenntnis wird er mit Gemeinplätzen und spontanem Witz zu überbrücken versuchen.

Risiken: Lügen und beleidigen

Das New Yorker Grossmaul neigt dazu, Frauen zu beleidigen. Schaden könnte ihm, wenn er offensichtlich lügt, schnippisch wird oder mit seiner Körpergrösse von 188 Zentimetern die viel kleinere Clinton dominiert.

HILLARY CLINTON

Ziel: Als sicherer Wert erscheinen

Die langjährige Politikerin Clinton ist der Wählerschaft wohlbekannt. Sie geniesst aber wenig Vertrauen. Das Image der Unehrlichkeit wird sie kaum reparieren können. Die Demokratin hofft darauf, dass Trump im Vergleich zu ihr für eine Mehrheit noch unmöglicher erscheint.

Strategie: Trump provozieren

Clinton wird mit Sachkenntnis brillieren und ihren Gegner mit provozierenden Aussagen reizen. Fragen zu ihrer Glaubwürdigkeit wird sie mit Fragen über ihn parieren. Clinton hofft auf einen Fehltritt Trumps.

Risiken: In die Defensive geraten

Bei Themen wie dem privaten E-Mail-Server könnte Clinton allzu defensiv werden. Unter Druck wirkt sie steif. Wenn sie ihre Erfahrung betont, könnte sie sich als Figur des Status quo darstellen, was ihr im Wahljahr 2016 wenig helfen wird.

Unter dem Strich kann sich Trump von der ersten TV-Debatte mehr direkten Nutzen versprechen als Clinton. Verhältnismässig viele Wählerinnen und Wähler haben sich noch nicht festgelegt. Doch wird diese erste Runde das Rennen um Amerikas Präsidentschaft nicht entscheiden. Wem ein Patzer unterläuft, der - oder die - kann in zwei weiteren TV-Runden am 9. und 19. Oktober ausgleichen.

Auf einer Bühne sprachen Clinton und Trump erstmals am 7. September - aber nacheinander:

Trump gegen Clinton

In der Nacht auf Donnerstag waren die beiden Präsidentschaftskandidaten beim US-TV-Sender NBC zu Gast.

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