Aktualisiert 18.01.2017 15:18

Pleiten, Pech und Pannen

Trump lädt Ansager aus und findet keine Sänger

Weil viele ihn hassen, wird Donald Trumps Einsetzung ins Präsidentenamt am Freitag heikel. Acht Pleiten zeichnen sich bereits ab.

von
sut
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Das Capitol in Washington ist bereit für die Amtseinsetzung von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten am Freitag, 20. Januar 2017. (15. Januar 2017)

Das Capitol in Washington ist bereit für die Amtseinsetzung von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten am Freitag, 20. Januar 2017. (15. Januar 2017)

AP/Patrick Semansky
Zu reden gab, dass der Kommandant der örtlichen Nationalgarde mitten während der Zeremonie die Befehlsgewalt an einen Nachfolger übergeben muss. Bild: Generalmajor Elliot Schwartz am 24. Februar 2015 in Arlington, Virginia.

Zu reden gab, dass der Kommandant der örtlichen Nationalgarde mitten während der Zeremonie die Befehlsgewalt an einen Nachfolger übergeben muss. Bild: Generalmajor Elliot Schwartz am 24. Februar 2015 in Arlington, Virginia.

Jim Greenhill, US Government, via Flickr
Abgesetzt wurde auch der langjährige Ansager der Parade, Charlie Brotman.

Abgesetzt wurde auch der langjährige Ansager der Parade, Charlie Brotman.

Screen grab CNN

Zigtausende Interessierte werden am Freitag nach Washington strömen. Donald Trump wird vor dem Kapitol den Amtseid ablegen. Dann wird der polarisierende US-Präsident mit seiner Familie eine Parade anführen und ins Weisse Haus einziehen.

So viel steht für den Tag der Amtsübergabe fest. Darüber hinaus ist bei der Planung der Feierlichkeiten noch einiges im Fluss. Weil der siegreiche republikanische Kandidat von vielen abgelehnt wird, hat die Inauguration schon acht negative Schlagzeilen produziert:

1. Ein altgedienter Ansager wird abserviert

Charles Brotman spielte bei allen Amtseinsetzungen seit Dwight Eisenhower 1957 die Rolle des Ansagers. Nach elf Einsätzen bei Inaugurationsparaden nahm das Trump-Team dem 89-Jährigen jetzt das Mikrophon weg. Als per E-Mail die Absage gekommen sei, habe es sich angefühlt, «als hätte mir Muhammad Ali in den Magen geschlagen», sagte Brotman zu CNN. «Ich dachte an Selbstmord.» Trump hat an Brotmans Stelle den Ansager Steve Ray (58) engagiert:

(Quelle: YouTube/CNN)

2. Kommando der Nationalgarde wechselt während der Feier

Just im Moment der Amtsübernahme von Donald Trump wechselt bei der Nationalgarde von Washington D.C. das Kommando. Generalmajor Errol Schwartz muss die Befehlsgewalt über Tausende von Nationalgardisten genau um 12:01 Uhr an seinen Nachfolger übergeben, während der von Menschenmassen verfolgte Anlass weitergeht. Wie bei Amtswechseln üblich, bot Schwartz seinen Rücktritt an – und der wurde akzeptiert. Es heisst jetzt zwar, das Trump-Team habe dem Kommandanten ein paar zusätzliche Tage offeriert. Doch Schwartz sagt, dieses Angebot sei erst gekommen, nachdem die «Washington Post» über den ungewöhnlichen Zeitpunkt der Stabsübergabe berichtet habe.

3. Es gibt weniger Zuschauer als bei Obama

Nach Schätzungen der Polizei werden am Freitag in Washington 700'000 bis 900'000 Schaulustige erwartet. Das sind markant weniger als die zwei Millionen bei Barack Obamas erster Amtseinsetzung im Jahr 2009. Vier Jahre später strömten rund eine Million Zuschauer zusammen, um die Amtseinsetzung zu verfolgen.

4. Es gibt mehr Proteste und Störungen

Nicht weniger als 63 Gruppen haben Demonstrationen angekündigt. Der grössere Teil von ihnen will gegen Trump protestieren; radikalere Gruppen wollen Washington lahmlegen. Nach der Website DisruptJ20.org ist «massiver Widerstand» mit teils nicht bewilligten Kundgebungen geplant. Beobachter halten für denkbar, dass es zu Gewaltausbrüchen kommt, wie zuletzt 2005 bei der zweiten Amtseinsetzung von George W. Bush.

5. Boykott demokratischer Kongressmitglieder

Am Wochenende erklärte der schwarze Bürgerrechtsheld John Lewis als erstes Kongressmitglied Trumps Präsidentschaft für «illegitim». Als Grund gab der hochgeachtete Abgeordnete die russische Beeinflussung der Wahlen an. Lewis will der Inauguration fernbleiben. Neben ihm haben inzwischen über 40 Demokraten angekündigt, sie würden zu Hause bleiben – so viele wie noch nie.

6. Prominente Sänger sagen ab

Immer länger wird die Liste der Künstlerinnen und Künstler, die bei den Feierlichkeiten nicht auftreten wollen. So sagte am Wochenende die Broadway-Sängerin Jennifer Holliday ab, die an mehreren Amtseinsetzungen von Präsidenten beider Parteien gesungen hatte. Holliday sagte, ihre wichtigen Fans in der LGBT-Gemeinschaft hätten ihr die Absage nahegelegt. Der blinde italienische Sänger Andrea Bocelli zog sich zurück, weil er angeblich Todesdrohungen erhielt. Bei Bocelli wird indes bestritten, dass es eine Einladung gegeben habe.

7. Auftretende Künstler sind zweitklassig

Zu den prominentesten Teilnehmern der Trump-Feierlichkeiten zählen die Country-Sänger Toby Keith und Lee Greenwood sowie die Nachwuchssängerin Jackie Evancho. Daneben schwingen die Rockettes die Beine und das Dudelsack-Orchester der Feuerwehr von Washington ist zu hören, ferner der Mormon Tabernacle Choir. Bei Obama waren Bruce Springsteen, Stevie Wonder und Beyoncé aufgetreten.

8. Designer mögen Melania Trump nicht einkleiden

Unter die Trump boykottierenden Kulturschaffenden mischen sich auch Modeschöpfer. Die Designer Marc Jacobs und Sophie Theallet wollen keine Kleider für Melania Trump entwerfen. Naeem Khan, der Michelle Obama seinen Erfolg verdankt, legt sich bei Melania quer, weil ihm Trumps Werte zuwider sind. Immerhin gibt es Abweichler von der politisch korrekten Haltung: Laut AP sind Tommy Hilfiger, Carolina Herrera und Thom Browne bereit, die First Lady einzukleiden. Und falls sie keinen Schneider findet, kann Melania ja immer noch Kleider von der Stange kaufen.

Künstlerin Illma Gore malt aus Protest mit Blut:

Quelle: Facebook/Illmagore via Storyful

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