Michael Flynn: Trump liebäugelt mit einem General als Vize
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Michael FlynnTrump liebäugelt mit einem General als Vize

Donald Trump erwägt, Ex-Militär Michael Flynn zum Vizepräsidenten zu machen. Einer von vier anderen Kandidaten wäre den Republikanern lieber.

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sut
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Präsidentschaftskandidat Donald Trump gestikuliert in einer Rede über Veteranen in Virginia Beach am 11. Juli 2016. Über die anstehende Ernennung seines Vize-Kandidaten schweigt er sich vorerst aus.

Präsidentschaftskandidat Donald Trump gestikuliert in einer Rede über Veteranen in Virginia Beach am 11. Juli 2016. Über die anstehende Ernennung seines Vize-Kandidaten schweigt er sich vorerst aus.

AP/Steve Helber
Als neuster Kandidat wird jetzt Generalleutnant Michael Flynn gehandelt. Der frühere Direktor des militärischen Geheimdiensts gilt als ausgesprochener Falke im Kampf gegen den Terrorismus. (4. Februar 2014)

Als neuster Kandidat wird jetzt Generalleutnant Michael Flynn gehandelt. Der frühere Direktor des militärischen Geheimdiensts gilt als ausgesprochener Falke im Kampf gegen den Terrorismus. (4. Februar 2014)

AFP/Alex Wong
Ein konventioneller Kandidat wäre Mike Pence, der Gouverneur des mittelwestlichen Gliedstaats Indiana. Am 11. Juli 2016 nahm Pence mit seiner Frau Karen am Velorennen «Cops Cycling for Survivors» teil, das Familien getöteter Polizisten gewidmet ist.

Ein konventioneller Kandidat wäre Mike Pence, der Gouverneur des mittelwestlichen Gliedstaats Indiana. Am 11. Juli 2016 nahm Pence mit seiner Frau Karen am Velorennen «Cops Cycling for Survivors» teil, das Familien getöteter Polizisten gewidmet ist.

AP/Michael Conroy

Der Querschläger der amerikanischen Politik hat einen Querdenker in Uniform gefunden. Nach neusten Berichten ist Generalleutnant Michael Flynn, einst Chef des militärischen Nachrichtendiensts DIA, auf Donald Trumps Liste von möglichen Vize-Kandidaten nach oben gerückt.

Die «Washington Post» berichtete am Samstag über das Für und Wider Flynns in einem Zweierticket mit dem republikanischen Kandidaten. Neben dem Ex-General wurden vier andere Anwärter von Trumps Wahlkampfteam auf Herz und Nieren geprüft, schrieb Eliana Johnson von der «National Review» in einem Tweet:

Daher wird Trump seine Auswahl wahrscheinlich zwischen fünf Top-Anwärtern treffen:

Generalleutnant Michael T. Flynn

Mit Flynn als Vize würde Trump den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus zu einem zentralen Wahlkampfargument machen. Der 58-jährige Berufsmilitär aus Rhode Island führte von 2012 bis 2014 den Geheimdienst des Pentagons. Flynn gilt als Falke. In einem Radiointerview erklärte er letzten Monat, im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat «sollten wir Rakka in Syrien eliminieren, zerstören».

Der Militär bringt aber keine Kenntnisse zu anderen politischen Themen mit. Zudem würden die sozial fortschrittlichen Positionen des lebenslangen Demokraten die republikanische Partei vor den Kopf stossen. Am Sonntag sagte Flynn im Fernsehen zur Abtreibungsfrage, Frauen «sollten das Recht der Wahl haben». Damit habe er sich disqualifiziert, erklärte sogleich eine wichtige Anti-Abtreibungsgruppe. In der Folge passte Flynn seine Position an. Jennifer Griffin von Fox News tweetete am Montag, in einem Interview habe er sich als «Pro-Life-Demokrat» bezeichnet:

Gouverneur Mike Pence

Würde Trump mit Flynn seinen Ruf als Rebell stärken, dann signalisierte die Wahl von Mike Pence zum Vize-Partner Kompromissbereitschaft. Der 57-jährige Gouverneur des mittelwestlichen Gliedstaats Indiana gilt als klassischer, wenn auch farbloser Konservativer. Die Ernennung des religiösen Politikers könnte jene Harmonie zwischen Partei und Kandidat vorantreiben, die sich viele republikanische Kandidaten für den US-Kongress und andere Ämter wünschen. Doch Trump scheint zu glauben, dass ihm eine überraschende Person als Vize dabei helfen kann, Wähler der Mitte zu gewinnen und den Rückstand auf Hillary Clinton wettzumachen.

Ex-Speaker Newt Gingrich

Mit dem früheren Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses kommt Trump angeblich sehr gut klar. Der Historiker und erfahrene Politiker gilt als Kenner gesetzgeberischer Kniffe und als Quelle für Ideen. Beides könnte Trump gut gebrauchen, weshalb er letzte Woche Gingrich auf jeden Fall eine Funktion in seiner allfälligen Regierung versprach. Für das Amt des Vizepräsidenten könnte Gingrich mit seinen 73 Jahren etwas zu alt sein.

Gouverneur Chris Christie

Der beleibte Regierungschef des Gliedstaats New Jersey stellte sich als einer der ersten hinter Trump. Christie, 53, ist ein ebenso wortmächtiger wie hemdsärmliger Politiker. Er hat von allen möglichen Vize-Kandidaten am ehesten Trumps populistisches Profil. Das ähnliche Temperament spricht aber gegen ihn: Trump gewänne mit Christie kaum zusätzliche Wählerinnen und Wähler.

Senator Jeff Sessions

Wie Gingrich ist der langjährige Senator aus Alabama ein erfahrener Volksvertreter. Der 69-jährige Konservative tritt regelmässig für Trump auf. Er vereinigt laut Fox News Elemente von allen anderen Anwärtern auf sich. Sessions will ebenso wie Trump die illegale Einwanderung stoppen und den Freihandel eindämmen. Weil er kein sonderlich gewinnender Wahlpolitiker ist, wäre er allerdings taktisch für Trump nicht von grossem Gewinn.

Gegenwärtig ist Donald Trump daran, Vor- und Nachteile der jeweiligen Personen abzuwägen. Es wird erwartet, dass er seinen «Running Mate» gegen Ende dieser Woche bekannt gibt, noch bevor am Montag der republikanische Parteikongress in Cleveland beginnt.

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