Vote nobody: Trump oder Clinton? Am liebsten keiner von beiden
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Vote nobodyTrump oder Clinton? Am liebsten keiner von beiden

Viele US-Bürger halten wenig von den beiden Präsidentschaftskandidaten. Im Netz rufen sie darum dazu auf, nicht wählen zu gehen. Was würde dann passieren?

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Weder Hillary Clinton noch Donald Trump geniessen grosse Beliebtheit.

Weder Hillary Clinton noch Donald Trump geniessen grosse Beliebtheit.

Facebook / Nobody2016
Auf Facebook ruft eine Gruppe dazu auf, am 8. November 2016 nicht an die Urnen zu gehen.

Auf Facebook ruft eine Gruppe dazu auf, am 8. November 2016 nicht an die Urnen zu gehen.

Facebook / Nobody2016
Eine fiktive Umfrage Mitte Oktober: Die Option «Stich mir ins Auge mit einem mit Pfeffer bestrichenen Eispickel» gewinnt bei Weitem die Wahl.

Eine fiktive Umfrage Mitte Oktober: Die Option «Stich mir ins Auge mit einem mit Pfeffer bestrichenen Eispickel» gewinnt bei Weitem die Wahl.

Facebook / Nobody2016

Die Abneigung gegenüber Donald Trump und auch gegenüber Hillary Clinton nimmt in den USA neue Ausmasse an. Auf Facebook fordert die Gruppe «Vote Nobody for President» US-Amerikaner auf, am kommenden 8. November nicht an die Urnen zu gehen. Ihr Motto: «Auch wenn man für das kleinste Übel wählt, hat man für ein Übel gewählt.»

Der Aufruf ist nicht ganz neu. Wie BBC berichtet, hat Fred Barnet (34) aus Atlanta die Gruppe bereits 2012 gegründet. Damals brachte er kaum 2500 Nutzer zusammen. Doch nachdem er die Gruppe im März dieses Jahres reaktivierte und die US-Wahlkampagne 2016 immer abstrusere Züge annahm, sind es jetzt über 100'000 Menschen, die dazu aufrufen, am Wahltag zu Hause zu bleiben.

Lieber ein Meteorit, als Hillary oder Trump

Mit seiner Kampagne steht Barnet bei weitem nicht allein da. Zwei Uni-Studenten aus Colorado haben kürzlich die Website Nobody2016.us lanciert. Im Gegensatz zu Barnet rufen die Betreiber dazu auf, dritte Parteien zu wählen und das Zweiparteiensystem der USA zu hinterfragen.

«Ich fühle mich weder von Trump noch von Hillary repräsentiert», gibt der Mitgründer der Website, Matt Nagashima (20), zu. Er ist kein Einzelfall. In einer kürzlich unter Millennials durchgeführten Umfrage gaben knapp 25 Prozent der Befragten an, dass ihnen lieber sei, dass ein gigantischer Meteorit die Erde zerstöre, als Clinton oder Trump im Weissen Haus zu sehen. Daraus entstand nun eine Art Spassbewegung, die sich «Giant Meteor 2016» nennt.

Was, wenn keiner wählen geht?

Die Abneigung für beide Kandidaten scheint auch unter einigen Politikern verbreitet zu sein, berichtet die Online-Zeitschrift «Vice». Anfang Oktober sagte Jeb Bush bei einer Rede an der Universität Harvard, er werde für Gary Johnson, den Kandidaten der Libertarian Party, stimmen. Als ein Student aus dem Publikum fragte, was aber passieren könnte, wenn kein Mensch am 8. November wählen gehe, meinte Bush belustigt: «Das wäre ein starkes politisches Statement, nicht wahr?»

«Vice» zeichnete daraufhin ein fiktives Szenario auf. Was wäre, wenn sich alle weigern würden, ihre Stimme abzugeben? Die USA ist eine konstitutionelle Republik, in der der Präsident nicht direkt vom Volk gewählt wird, sondern indirekt durch ein Wahlmännergremium. «Wenn es keine Wahlstimmen für die einzelnen Kandidaten gibt, müssen sich die Wählmänner eine andere Methode einfallen lassen», sagt Sarah Rosier von der apolitischen Organisation Ballotpedia. «Die Verfassung sagt, dass es einen Präsidenten geben muss. Das Amt darf nicht einfach unbesetzt bleiben», bestätigt Richard Berg-Andersson, Betreiber der Wahl-Tracking-Website TheGreenPapers.com.

Die US-Verfassung biete aber keine Lösung für den hypothetischen Fall, dass kein einziger Bürger abstimme. «Dann müsste man womöglich eine Münze werfen oder das Los aus einem Hut ziehen», witzelt Berg-Andersson. Dann hätten auch die anderen Kandidaten, Gary Johnson oder Jill Stein, eine echte Chance, US-Präsident zu werden.

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