Detroit, USA: Trump plant «grösste Steuerrevolution» seit Reagan
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Detroit, USATrump plant «grösste Steuerrevolution» seit Reagan

Donald Trump hielt eine Ansprache zu seinen wirtschaftspolitischen Zielen. Dabei greift er Hillary Clinton massiv an.

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woz/chk
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An einer Wahlveranstaltung in Fort Lauderdale, Florida, kritisierte Donald Trump US-Präsident Obama für den Abzug der US-Truppen aus dem Irak. (10. August 2016)

An einer Wahlveranstaltung in Fort Lauderdale, Florida, kritisierte Donald Trump US-Präsident Obama für den Abzug der US-Truppen aus dem Irak. (10. August 2016)

Keystone/Cristobal Herrera
Barack Obama sei deswegen der Gründer der Terrormiliz IS, so Trump weiter. (10. August 2016)

Barack Obama sei deswegen der Gründer der Terrormiliz IS, so Trump weiter. (10. August 2016)

Keystone/Cristobal Herrera
Er wiederholte den Vorwurf mehrmals und fügte noch hinzu Hillary Clinton sei Mitbegründerin der Terrororganisation. (10. August 2016)

Er wiederholte den Vorwurf mehrmals und fügte noch hinzu Hillary Clinton sei Mitbegründerin der Terrororganisation. (10. August 2016)

Keystone/Cristobal Herrera

Durch Steuersenkungen und Deregulierung will der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump die Wirtschaft seines Landes voranbringen. Trump kündigte am Montag in Detroit «die grösste Steuer-Revolution» seit Ronald Reagan in den 1980er Jahren an.

Die Unternehmenssteuer solle von derzeit 35 auf 15 Prozent gesenkt, die Einkommensteuer quer durch alle Einkommensgruppen reduziert werden. Davon werde besonders die Mittelschicht profitieren, sagte Trump.

Er kündigte unter anderem eine drastische Vereinfachung des Einkommensteuersystems an. Es solle nur noch drei Sätze in Höhe von 12, 25 und 33 Prozent geben. Viele Arbeitnehmer würden nach seinem Plan gar keine Einkommensteuer zahlen.

Trump bekräftigte zudem, dass er als Präsident das mit elf Staaten aus dem pazifischen Raum ausgehandelte Handelsabkommen TPP ablehnen und das Nafta-Abkommen mit Kanada und Mexiko komplett neu verhandeln wolle.

Amerikanisierung statt Globalisierung

Der Republikaner kündigte an, dass er nach seinem Amtsantritt ein Moratorium für alle neuen Regulierungen für die US-Wirtschaft verhängen werde. Er werde sich sodann daran machen, nach einer Prüfung alle überflüssigen Regulierungen rasch abzuschaffen. «Amerikanisierung, nicht Globalisierung, wird unser neues Credo sein», wird Trump zitiert.

Er werde Geld in den Bau und die Erneuerung von Strassen, Brücken, Flughäfen und Häfen investieren, sagte Trump. Die dafür notwendigen Mittel sollten unter anderen freigesetzt werden, indem die Verbündeten der USA einen grösseren Anteil an den Kosten für Sicherheit und Verteidigung übernähmen.

Trump will mit Steuerhilfen Familien und Unternehmen stützen

Rivalin Hillary Clinton sagte, Trumps Wirtschaftsberater hätten ihm ein Programm geschrieben, von dem die Vermögenden am meisten profitieren würden.

Mit der Präsentation eines umfassenden Plans für die Reform der US-Wirtschaft versuchte der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, seine zuletzt schwer ins Straucheln geratene Kampagne auf Kurs zu bringen.

Der rechtspopulistische Immobilienmilliardär hatte sich in den vergangenen Wochen mit einer Serie von Fehltritten selbst geschadet. So hatte Trump unter anderem mit seiner Aufforderung an Russland zum Cyber-Angriff auf Clinton sowie durch seinen Schlagabtausch mit den muslimischen Eltern eines im Irak gefallenen US-Soldaten für Entrüstung gesorgt.

Zudem verweigerte er den Parteigrössen Paul Ryan, Vorsitzender des Repräsentantenhauses, und Senator John McCain, den Beistand in deren Wahlkämpfen zum Wiedereinzug in den Kongress, bevor er sich dann letztlich doch dazu entschloss, diese beiden innerparteilichen Kritiker zu unterstützen.

Hillary Clinton in Umfragen vorn

Trumps Rivalin von den Demokraten, Ex-Aussenministerin Hillary Clinton, wird ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen am Donnerstag präsentieren. Sie führt derzeit in den Umfragen. In einer Erhebung für die Zeitung «Washington Post» und den Sender «ABC» liegt sie mit 50 zu 42 Prozent vorn. In einer Reuters/Ipsos-Umfrage waren es zuletzt nur 3 Prozent.

In seiner Rede in Detroit, dem Zentrum der US-Automobilindustrie, konzentrierte sich Trump neben seinen Plänen für die Wirtschaft auf Attacken gegen Clinton. «Sie ist die Kandidatin der Vergangenheit. Wir sind die, die für die Zukunft stehen», sagte er.

Der Immobilienmilliardär warf der Demokratin vor, für eine verfehlte Wirtschaftspolitik zu stehen, wie sie in ihrer Amtszeit als Vertreterin des Bundesstaates New York im US-Senat gezeigt habe. Trump hat bereits mehrmals ein düsteres Bild der US-Wirtschaft gezeichnet, was allerdings vielen Konjunkturindikatoren widerspricht.

Störung durch Proteste

Die Rede des republikanischen Präsidentschaftskandidaten im Wirtschaftsclub von Detroit wurde wiederholt durch wütende Proteste von Demonstranten – darunter mehrere Frauen – gestört.

Die einzeln nacheinander in Erscheinung Tretenden wurden vom Sicherheitspersonal aus dem Saal gebracht. Im Gegensatz zu früheren Auftritten blieb Trump diesmal jedoch kühl, unterbrach nur kurz seine Rede und setzte sie an der unterbrochenen Stelle fort.

Trotz seiner Nominierung als Kandidat der Republikaner weht Trump noch Gegenwind aus dem Lager der Konservativen entgegen. Sie kündigten am Montag an, den früheren CIA-Offizier und Berater im Repräsentantenhaus, Evan McMullin, als unabhängigen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Er werde als konservative Alternative seinen Hut in den Ring werfen, gab McMullins Wahlkampfbüro am Montag bekannt. (woz/chk/sda)

Gegenkandidat aus der eigenen Partei

Gegen den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump tritt nun auch ein Rebell aus den Reihen seiner eigenen Partei an. Der Republikaner Evan McMullin, ein früherer Anti-Terror-Experte des Auslandsgeheimdienstes CIA, gab am Montag seine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl im November bekannt.

Der 40-Jährige ist allerdings bislang in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt und startet sehr spät in das Rennen, so dass es ihm schwerlich gelingen dürfte, bei der Wahl eine nennenswerte Rolle zu spielen. Allerdings ist seine Kandidatur ein weiteres Anzeichen dafür, dass Trumps Nominierung die Republikanische Partei nach wie vor tief spaltet.

«Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun», erklärte McMullin auf seiner Seite im Onlinenetzwerk Facebook. Sein Land habe Besseres verdient als Trump oder die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton. Deswegen biete er sich «demütig» den «Millionen von desillusionierten Amerikanern» als die bessere Alternative an.

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