Aktualisiert 24.09.2017 16:54

Twitter-Krieg mit Top-SportlernTrump ruft zum Boykott von NFL-Spielen auf

Der US-Präsident hat sich mit der Sport-Elite seines Landes angelegt und dafür einige Kritik einstecken müssen. Nun legte Trump nach.

von
chi

Auftritt in Alabama: Präsident Donald Trump bezeichnet US-Sportler als «Hurensöhne». Video: Tamedia/AFP

Spieler und Funktionäre aus den amerikanischen Profiligen NFL und NBA haben US-Präsident Donald Trump für seine Aussagen in Bezug auf Proteste von Top-Athleten heftig kritisiert. Trump seinerseits rief die Fans zum Boykott von NFL-Spielen auf.

Donald Trump hat sich mit der amerikanischen Sport-Elite angelegt und dafür harsche Kritik nicht nur von Basketball-Superstar LeBron James eingesteckt. Nachdem Amerikas Präsident am Freitag die Teambesitzer der amerikanischen Football-Liga NFL aufgefordert hatte, protestierende Spieler zu entlassen, legte er am Samstag und am Sonntag mit mehreren Twitter-Nachrichten zum selben Thema nach.

«Wenn ein Spieler das Privileg geniessen will, in der NFL oder in einer anderen Liga Millionen zu verdienen, dann sollte es ihr oder ihm verboten sein, die amerikanische Flagge (unser Land) respektlos zu behandeln, und sie sollten bei der Nationalhymne stehen. Wenn nicht, dann bist du gefeuert! Such dir etwas anderes!», erklärte Trump auf Twitter zur Weigerung von Tops-Sportlern, während des in den USA vor Partien üblichen Anstimmens der Nationalhymne aufzustehen.

Am Sonntag setzte Trump seine Serie von Breitseiten gegen die National Football League fort und rief Fans zum Boykott auf. Bereits vor sieben Uhr morgens Ortszeit rief er auf Twitter erneut dazu auf, Spieler zu entlassen oder zu sperren, wenn sie es ablehnten, während des Abspielens der Nationalhymne zu stehen. «Wenn NFL-Fans sich weigern, zu Spielen zu gehen, bis Spieler aufhören, unsere Flagge und unser Land verächtlich zu behandeln, dann wird man schnell sehen, dass sich etwas ändert. Feuern oder sperren!» Weiter äusserte sich Trump geringschätzig über die Qualität der Football-Spiele. Besucherzahlen und Einschaltquoten seien «stark gesunken», twitterte er in Grossbuchstaben. «Langweilige Spiele, ja. Aber viele bleiben weg, weil sie unser Land lieben. (Die) Liga sollte hinter dem Land stehen.»

In einer weiteren Nachricht über das soziale Netzwerk Twitter hatte sich der Präsident direkt an Basketball-Superstar Stephen Curry von den Golden State Warriors gewandt. Er entzog ihm die Einladung zum obligatorischen Meisterschaftsbesuch seines Teams im Weissen Haus. Die Warriors, die ihren zweiten Titel innerhalb von drei Jahren in der nordamerikanischen NBA gewannen, erklärten daraufhin, dass sie die Nicht-Einladung des Präsidenten akzeptieren werden und auf einen Besuch im Weissen Haus verzichten.

Weitere Reaktionen aus der amerikanischen Sportwelt auf Trumps verbale Angriffe liessen nicht lange auf sich warten. NFL Commissioner Roger Goodell bezeichnete Trumps Aussagen in einer Mitteilung als «trennend», und NBA-Star LeBron James charakterisierte den Präsidenten auf Twitter sogar als «Penner». Zudem fügte er hinzu, dass der «Besuch im Weissen Haus eine Ehre war, bis Du aufgetaucht bist».

«Ich bin ein bisschen frustriert», erklärte James später in einem Video auf Uninterrupted.com seine wütende Twitter-Nachricht. «Dieser Kerl, dem wir die Verantwortung gegeben haben, hat zum wiederholten Male versucht, uns zu trennen (...) Für mich ist es dieses Mal etwas persönlicher, da er jetzt den Sport dazu nutzt, um uns zu trennen (...) Wir als Amerikaner müssen noch viel stärker zueinanderfinden.» James hatte sich zuvor kritisch zu Trumps Verhalten nach den rechtsextremen Gewalttaten in Charlottesville geäussert.

Auch in der nordamerikanischen Baseball-Liga MLB wurde die Kontroverse offensichtlich. Bruce Maxwell von den Oakland Athletics kniete als erster MLB-Profi während der US-Nationalhymne. Laut «Washington Post» könnten Trumps Aussagen nun zu einem Massenprotest in der National Football League NFL führen.

Colin Kaepernick, der frühere Quarterback der San Francisco 49ers, startete die Protestbewegung schon vor gut einem Jahr, als er während der Nationalhymne an der Seitenlinie kniete. NFL-Spieler wie Athleten anderer Sportarten haben sich seitdem der Bewegung angeschlossen.

A m einer Rede in Huntsville, Alabama, legte der US-Präsident noch nach und bezeichnete die NFL-Sportler als «Hurensöhne».

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