Aktualisiert 26.07.2018 02:30

Abschaffung der Strafzölle

Trump und Juncker einigen sich im Handelsstreit

US-Präsident Trump und EU-Kommissionschef Juncker wollen eine Abschaffung der Strafzölle anstreben. «Wir haben heute einen Deal geschlossen», sagte Juncker in Washington.

von
bee/chk
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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (l.) und US-Präsident Donald Trump haben in Washington eine Serie von Vereinbarungen zur Beendigung des Handelsstreits erzielt.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (l.) und US-Präsident Donald Trump haben in Washington eine Serie von Vereinbarungen zur Beendigung des Handelsstreits erzielt.

AP/Pablo Martinez Monsivais
Juncker hatte Trump im Oval Office im Weissen Haus besucht.

Juncker hatte Trump im Oval Office im Weissen Haus besucht.

Getty Images/Pool
Noch am Dienstag sagte Trump bei einem Auftritt in Kansas: «Was die EU uns antut, ist unglaublich. Wie schlecht.»

Noch am Dienstag sagte Trump bei einem Auftritt in Kansas: «Was die EU uns antut, ist unglaublich. Wie schlecht.»

Getty Images/Pool

US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker haben sich auf einen gemeinsamen Kurs zur Beendigung des Konflikts verständigt. So soll unter anderem auf einen fast vollständigen Abbau von gegenseitigen Restriktionen im Handel mit Industriegütern hingearbeitet werden, wie beide Politiker am Mittwoch nach Gesprächen im Weissen Haus mitteilten. Trump stellte auch die Rücknahme der US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium in Aussicht.

«Wir haben heute einen Deal geschlossen», sagte Juncker bei einem gemeinsamen Auftritt mit Trump im Rosengarten des Weissen Hauses. Trump sprach von einem «sehr grossen Tag für den freien und fairen Handel» und einer «neuen Phase» in den Beziehungen zur EU.

Vereinbart wurde, über die Annullierung sämtlicher Zölle und sonstiger Handelsbarrieren sowie aller Subventionen für industriell gefertigte Waren zu verhandeln. Autos sind von dieser Zielvereinbarung zwar explizit ausgenommen, für sie soll es also auch künftig Zölle gegen. Aber die von Trump bislang angedrohten zusätzlichen Zölle auf europäische Autos sind nach EU-Angaben zumindest vorerst vom Tisch.

Es werde «keine neuen Auto-Zölle» geben, verlautete aus dem Umfeld Junckers. Der Kommissionspräsident selber sagte, laut den getroffenen Abmachungen solle «auf neue Zölle verzichtet» werden, solange die Handelsgespräche weitergingen.

Stärkere transatlantische Kooperation

Trump und Juncker vereinbarten auch eine stärkere transatlantische Kooperation im Energiesektor. Die EU-Kommission sagte eine Erhöhung der Importe von Flüssiggas aus den USA zu. Auch die Einfuhr von Sojabohnen aus den USA nach Europa soll gesteigert werden.

Beide Seiten verständigten sich zudem darauf, einen Gesprächsprozess über Vereinheitlichung von «Standards» einzuleiten, um bürokratische Hürden zu reduzieren und den Handel zu erleichtern.

Zudem wollen die USA und die EU den Angaben zufolge zusammen an der Reform der Welthandelsorganisation (WTO) arbeiten und gemeinsam gegen «unfaire Handelspraktiken» vorgehen. Als Beispiele nannten sie unter anderem den Diebstahl geistigen Eigentums, erzwungenen Technologietransfer und Überproduktion bestimmter Güter. Gemeint ist damit offenbar eine gemeinsame Strategie gegen China, auch wenn das Land weder von Trump noch Juncker namentlich genannt wurde.

Trump will Streit um Stahl beilegen

Der US-Präsident sagte ferner, der Streit um Stahl und Aluminium sowie auch um «Vergeltungszölle» solle «beigelegt» werden. Er hatte Anfang Juni Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus Europa in Kraft gesetzt, worauf die EU mit Gegenzöllen auf US-Waren im Gesamtwert von 2,8 Milliarden Euro antwortete.

Trump hatte den Streit mit der EU in den vergangenen Wochen auch rhetorisch angeheizt, indem er die Europäer immer wieder «unfairer» Handelspraktiken bezichtigte. Noch am Mittwoch wütete er in einer Rede, was die EU den USA antue, sei «unglaublich» und «schlecht». Die Europäer klängen zwar «nett», seien aber «grob».

Nach seiner Einigung mit Juncker betonte Trump nun aber, wenn die USA und die EU «ein Team bilden», dann könnten sie den Planeten zu einem «sichereren» und «wohlhabenderen Ort» machen. (bee/chk/afp)

EU-Kommissionssprecher nennt Treffen mit Trump «produktiv»

EU-Kommissionssprecher nennt Treffen mit Trump «produktiv»

Die EU-Kommission hat die Gespräche mit US-Präsident Donald Trump über den Handelsstreit als «produktiv» bewertet. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker habe ein «produktives Treffen» mit dem US-Präsidenten gehabt, schrieb ein Sprecher der EU-Kommission am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter. Nach seinen Angaben wollen Trump und Juncker in Kürze im Rosengarten des Weißen Hauses ein gemeinsames Statement abgeben.

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