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Kritik am IranTrump und Sportwelt protestieren gegen Todesurteil für Ringer

«Rettet Navid Afkari», heisst es von allen Seiten: Der Ringer wurde im Iran zum Tod verurteilt, doch an der Rechtmässigkeit des Urteils wird international gezweifelt.

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Navid Afkari aus dem Iran gilt als grosses Ringer-Talent.

Navid Afkari aus dem Iran gilt als grosses Ringer-Talent.

Foto: Twitter
Weil er 2018 bei einer Demonstration einen Sicherheitsbeamten getötet haben soll, soll er hingerichtet werden.

Weil er 2018 bei einer Demonstration einen Sicherheitsbeamten getötet haben soll, soll er hingerichtet werden.

Foto: Keystone/AP
Auf der ganzen Welt wehren sich Sportler und Politiker dagegen.

Auf der ganzen Welt wehren sich Sportler und Politiker dagegen.

Foto: Instagram

Darum gehts

  • Ringer Navid Afkari soll im Iran hingerichtet werden.
  • Er habe bei einer Demonstration 2018 angeblich einen Sicherheitsbeamten getötet und wurde deshalb verurteilt.
  • Das Todesurteil wird international jedoch stark kritisiert.
  • Das Geständnis sei durch Folter erzwungen worden.
  • Sport- und Politikgrössen schalten sich ein.

Sportler, Funktionäre und US-Präsident Donald Trump setzen sich für den iranischen Ringer Navid Afkari ein. Der 27-Jährige soll hingerichtet werden, doch am Todesurteil und dessen Rechtmässigkeit wird international massiv gezweifelt.

Afkari, der als Talent galt, habe nach Angaben der iranischen Justiz bei einer Demonstration 2018 in der südiranischen Stadt Shiraz einen Sicherheitsbeamten getötet. Er habe die Tat gestanden, hiess es. Der Sportler, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen entgegnen, das Geständnis sei durch Folter erzwungen worden.

Das Geständnis sowie Aufnahmen der angeblichen Tat wurden im iranischen Staatsfernsehen sowie im Videoportal Aparat gezeigt. Afkari wurde daraufhin zu Tode verurteilt. Seine beiden Brüder, die mit ihm zusammen an den Protesten gegen das islamische Regime teilgenommen hatten, erhielten hohe Gefängnisstrafen. Das Urteil ist vom obersten Gerichtshof des Landes bestätigt worden und somit rechtskräftig. Es soll aber erst in sechs Jahren vollstreckt werden.

Weltmeister verteidigt Afkari

Viele Sportler, vor allem Ringer, setzen sich nun seit Tagen für einen Freispruch ein. Der dreifache Weltmeister Frank Stäbler aus Deutschland sagte beispielsweise auf Instagram: «Die Ringer-Familie und die globale Sport-Gemeinschaft stehen hinter ihm. Wir kämpfen zusammen, um für Navid und seine Familie Gerechtigkeit zu bekommen.»

Auch Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, zeigte sich über den Fall «überaus besorgt». Man habe bereits zum Olympischen Komitee des Landes und dem nationalen Ringerverband Kontakt aufgenommen. Diese würden ihr «Äusserstes» tun, um eine Lösung im Fall Afkari zu fördern. Der Spitzenfunktionär wies allerdings auch darauf hin, dass das IOK die Souveränität und das Justizsystem eines souveränen Landes respektiere.

Bereits letzte Woche hatte gar US-Präsident Donald Trump die iranische Führung in einem Tweet aufgefordert, Afkari nicht hinzurichten. Seine einzige Tat sei diejenige gewesen, an einer Antiregierungsdemonstration auf der Strasse teilzunehmen.

Teheran weist die internationale Kritik zurück. Das Ausland solle einen Mörder aus politischen Erwägungen nicht heiligsprechen und die Rechte des wahren Opfers und von dessen Familie nicht ignorieren, hiess es von der iranischen Justiz laut Nachrichtenportal Tabnak.

«Viele mischen sich einfach in Angelegenheiten ein, von denen sie weder genaue Informationen haben noch die notwendige juristische Kompetenz besitzen», sagte Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili. Afkari habe einen Menschen ermordet, und das Urteil gegen ihn im Iran laute nicht Todesstrafe, sondern «Ghissas», so der Sprecher laut Nachrichtenportal Alef. «Ghissas» ist im islamischen Recht das Prinzip der Wiedervergeltung, Blutrache oder von «Auge um Auge». Er fügte hinzu, dass Afkari noch in Berufung gehen könnte.

(DPA)

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