05.02.2017 15:46

US-FremdenfeindlichkeitTrump war nicht der Erste, der die USA abschottete

Donald Trumps Einwanderungsbeschränkungen widersprechen amerikanischen Werten. Es gab in den USA früher aber schon Ähnliches.

von
Rolf Maag
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Die Freiheitsstatue in New York symbolisiert unter anderem die offene Haltung der USA gegenüber Immigranten. Sie wurde 1886 eingeweiht und war ein Geschenk Frankreichs.

Die Freiheitsstatue in New York symbolisiert unter anderem die offene Haltung der USA gegenüber Immigranten. Sie wurde 1886 eingeweiht und war ein Geschenk Frankreichs.

epa/Jeff Zelevansky
Donald Trumps temporäre Einreisesperre gegen Bürger von sieben muslimischen Ländern und seine Ankündigung, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, scheinen eine 200-jährige Tradition zu beenden. (Im Bild: Eine Wandmalerei in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana)

Donald Trumps temporäre Einreisesperre gegen Bürger von sieben muslimischen Ländern und seine Ankündigung, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, scheinen eine 200-jährige Tradition zu beenden. (Im Bild: Eine Wandmalerei in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana)

/Justin Sullivan
Doch schon 1924 erliess der Kongress den Immigration Act. Es schränkte die Zuwanderung aus Süd- und Osteuropa massiv ein und unterband diejenige aus China, Japan und Indien sogar völlig. Auf dem Bild ist Präsident Calvin Coolidge bei der Unterzeichnung des Gesetzes zu sehen.

Doch schon 1924 erliess der Kongress den Immigration Act. Es schränkte die Zuwanderung aus Süd- und Osteuropa massiv ein und unterband diejenige aus China, Japan und Indien sogar völlig. Auf dem Bild ist Präsident Calvin Coolidge bei der Unterzeichnung des Gesetzes zu sehen.

Wikipedia

«Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturm Getriebenen, hoch halt ich mein Licht am gold'nen Turm!» So lauten die beiden letzten Verse eines Gedichts von Emma Lazarus, das die USA als sicheren Hafen für die Schutzbedürftigen aus aller Welt feiert. Es steht auf einer Bronzetafel, die heute bei der Freiheitsstatue zu sehen ist.

Tatsächlich boten die Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert Millionen von Menschen aus aller Welt Zuflucht vor Armut und Unterdrückung. Nach dem Ersten Weltkrieg war es damit aber zunächst vorbei.

Das Gesetz

1924 verabschiedete der Kongress den Immigration Act (Einwanderungsgesetz). Die Vorlage legte Quoten für die Einwanderung aus allen Ländern fest: Basis für die Berechnung war die Zahl der bereits aus einem Land, zum Beispiel der Schweiz, in den USA lebenden Menschen. Zwei Prozent davon ergaben das Kontingent, das pro Jahr aus dem jeweiligen Land einwandern durfte. Die meisten Asiaten wurden ganz ausgeschlossen. Als Berechnungsgrundlage diente die Volkszählung von 1890.

Dieses Bezugsjahr war nicht zufällig gewählt: Vor 1890 waren vor allem Mittel- und Nordeuropäer eingewandert, danach kamen immer mehr Süd- und Osteuropäer sowie Chinesen und Japaner. Die ethnische und weltanschauliche Homogenität des überwiegend weissen und protestantischen Landes sollte so gewahrt bleiben.

Die Begründungen

Viele Kongressabgeordnete rechtfertigten das Gesetz auf unverhohlen rassistische Art und Weise. Einer der Stichwortgeber war ein damals äusserst populärer Autor namens Lothrop Stoddard. In seinem Buch «The Rising Tide of Color» behauptete er, die «nordische Rasse», die angeblich allein den Fortbestand der Zivilisation garantieren könne, werde von einer Flut von Asiaten und Afrikanern überschwemmt. Dazu komme noch «der Kehricht aus dem Süden und Osten Europas».

Hinter Trumps Erlass steht vor allem die Angst vor dem islamistischen Terrorismus. Eine ähnliche Rolle spielte damals die «Red Scare», also die Furcht vor einem kommunistischen Umsturz auf amerikanischem Boden, die seit der russischen Oktoberrevolution von 1917 im Land umging. Vor allem osteuropäische Einwanderer standen im Verdacht, revolutionäres Gedankengut mitzubringen. Bereits 1919 waren 500 angebliche Aufrührer in die noch junge Sowjetunion deportiert worden.

Die Folgen

Die Auswirkungen des Gesetzes waren drastisch: Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts waren noch jährlich 200'000 Italiener eingewandert, nun waren nur noch 4000 pro Jahr zugelassen. Nach dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 lag die Gesamtzahl der erlaubten Einwanderungen bei bescheidenen 153'879 jährlich. Ab 1933 hatte das vor allem für Juden verhängnisvolle Konsequenzen.

Die Irrfahrt der St. Louis

Im Mai 1939 stach der Dampfer St. Louis in Hamburg in See. An Bord waren 937 Juden, die in Nazi-Deutschland kein normales Leben mehr führen konnten. Sie hatten Visa für Kuba, von wo sie in die USA weiterreisen wollten. Doch als die St. Louis in Havanna ankam, hielten sich die kubanischen Behörden nicht an ihre Zusage und verweigerten die Landung. Das Schiff steuerte nun die amerikanische Küste an, wurde aber von der Küstenwache vertrieben. Als Grund dafür gab Präsident Roosevelt den Immigration Act an.

In seiner Verzweiflung wollte Kapitän Gustav Schröder das Schiff vor der englischen Küste auf Grund setzen und so eine Rettung der Passagiere erzwingen. Doch im letzten Moment erklärten sich Frankreich, Grossbritannien, die Niederlande und Belgien bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen. In Antwerpen durften sie an Land gehen. 254 von ihnen nützte auch das nichts: Nachdem ihre Zufluchtsländer 1940 von den Nazis überrannt worden waren, starben sie in Vernichtungslagern.

Der Immigration Act wurde erst 1965 vollständig aufgehoben.

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