G7-Gipfel: Trump will in eine, der Rest in andere Richtung
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G7-GipfelTrump will in eine, der Rest in andere Richtung

Ob Klima, Handel oder Flüchtlinge: Der G7-Gipfel auf Sizilien steht unter keinem guten Stern. Schuld ist für die Kritiker mal wieder Donald Trump.

von
mlr
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Die G7-Teilnehmer Emmanuel Macron, Donald Tusk, Jean-Claude Juncker, Theresa May, Angela Merkel und Shinzo Abe blicken interessiert in eine Richtung – nur Donald Trump scheint woanders zu sein.

Die G7-Teilnehmer Emmanuel Macron, Donald Tusk, Jean-Claude Juncker, Theresa May, Angela Merkel und Shinzo Abe blicken interessiert in eine Richtung – nur Donald Trump scheint woanders zu sein.

AP/Luca Bruno
Doch was sehen die Staatschefs denn da am Himmel?

Doch was sehen die Staatschefs denn da am Himmel?

AFP/Stephane de Sakutin
Ach, doch keine Lösung für die drängenden Probleme der Welt, sondern eine italienische Fliegerstaffel.

Ach, doch keine Lösung für die drängenden Probleme der Welt, sondern eine italienische Fliegerstaffel.

AFP/Stephane de Sakutin

Das Gruppenfoto vom G7-Gipfel auf Sizilien ist symptomatisch: Während die übrigen Teilnehmer in eine Richtung blicken und halbwegs an einem Strang ziehen, boykottiert US-Präsident Donald Trump die meisten Vorhaben. EU-Ratspräsident Donald Tusk sprach daher unmittelbar vor Beginn des Treffens von «einem der herausforderndsten G7-Gipfel seit Jahren». Er mahnte die grossen Industriestaaten zur Einigkeit – anderenfalls könne «die Lage der Welt wirklich ausser Kontrolle geraten», warnte er.

G7-Gipfel in Italien hat begonnen

Nach dem Anschlag in Manchester soll zunächst der Kampf gegen den Terror im Mittelpunkt der G7-Beratungen stehen. (Video: Tamedia/AFP)

Die G7-Gruppe der wichtigsten Industrieländer steht vor einer ernsten Belastungsprobe. Bei dem Treffen in Taormina am Freitag und am Samstag zeichnen sich kaum Lösungen ab. Das gilt sowohl in der Klima- und Handelspolitik als auch bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise.

Blockadepolitik der USA

Befürchtet wird, dass sich die G7-Länder USA, Japan, Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Kanada sowie Gastgeber Italien nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigen können oder die Abschlusserklärung sogar hinter bisherige Vereinbarungen zurückfällt.

Verantwortlich gemacht wird dafür vor allem die Blockadepolitik der US-Regierung unter Donald Trump, der den Bündnispartnern am Donnerstag auf dem Nato-Gipfel in Brüssel schon Zugeständnisse abgerungen hatte. Auch beim ersten Treffen Trumps mit der EU-Spitze waren am Donnerstag die unterschiedlichen Ansichten zu Klimawandel, Handelspolitik und Russland deutlich zu Tage getreten.

Immer dünnere Agenda

Wegen Trumps Widerstand aber auch Differenzen mit anderen G7-Staaten musste Gastgeber Italien heftige Abstriche an seiner Agenda machen. Der Wunsch, eine positive Erklärung zur Migration und den Chancen der Mobilität von Menschen zu verabschieden, stiess auf den Widerstand der neuen US-Regierung, wie informierte Kreise berichteten. Trump betone allein Sicherheitsbedenken.

Von einer ursprünglich geplanten Ernährungsinitiative war gar nicht mehr die Rede, da nur Italien neue Finanzzusagen machen wollte. Entwicklungsorganisationen drängten die G7-Staaten, zumindest im Kampf gegen die akuten Hungersnöte ihre Zusagen zu erfüllen. Die Staats- und Regierungschefs sollen in Taormina mehr Geld für einen UNO-Appell von 6,9 Milliarden US-Dollar bereitstellen, für den bisher nur Zusagen in Höhe von 30 Prozent vorliegen.

Merkel als Anführerin

Doch nicht nur Trump ist G7-Neuling, sondern auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die britische Premierministerin Theresa May sowie Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni. May will wegen der Terrorgefahren in Grossbritannien den Gipfel am Freitagabend ohnehin vorzeitig verlassen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ist das dienstälteste Mitglied der Runde. «Alle Augen richten sich auf Merkel», sagte Tristen Naylor, Politikexperte der Oxford-Universität. «Sie ist die Anführerin der Gruppe.» Auch Spitzen der EU nehmen an dem Treffen teil.

Regierungsunabhängige Organisationen warnten die G7 vor Rückschritten in der Klima-, Handels- und Entwicklungspolitik. Es war von einem «Tiefpunkt» der G7-Gruppe die Rede. Auch wurde vor einem «Reinfall» des Gipfels gewarnt. Scharfe Kritik erntete Trump, der alle Hinweise der Gruppe auf multilaterales Handeln ablehne, was ein gemeinsames Vorgehen erschwere und den bisherigen Konsens in Frage stelle. (mlr/sda/afp)

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