Aktualisiert 21.05.2020 17:03

Lieber keine Videokonferenz

Trump will persönliches G7-Treffen im Juni – ist das eine gute Idee?

Der US-Präsident hat den Regierungschefs der sieben führenden Wirtschaftsnationen vorgeschlagen, das anstehende G7-Gipfeltreffen nicht via Videositzung abzuhalten. Er will sie wie zu Prä-Corona-Zeiten von Angesicht zu Angesicht in Camp David treffen.

von
Ann Guenter
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US-Präsident Donald Trump will den G7-Gipfel offenbar als reales Treffen abhalten. Dies wäre ein grossartiges Signal der Normalisierung, erklärte er auf Twitter. Andere Regierungschefs wie …

US-Präsident Donald Trump will den G7-Gipfel offenbar als reales Treffen abhalten. Dies wäre ein grossartiges Signal der Normalisierung, erklärte er auf Twitter. Andere Regierungschefs wie …

keystone-sda.ch
… wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sind gewillt, nach Camp David zu reisen, falls die Gesundheitsbedingungen es erlauben. Kreise des Pariser Élyséepalastes hoben dazu die «Bedeutung der G7 bei der Antwort auf die Krise» hervor.

… wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sind gewillt, nach Camp David zu reisen, falls die Gesundheitsbedingungen es erlauben. Kreise des Pariser Élyséepalastes hoben dazu die «Bedeutung der G7 bei der Antwort auf die Krise» hervor.

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Auch Kanadas Premier Justin Trudeau zeigte sich offen für eine Diskussion über ein persönliches Treffen in den USA, ebenso wie …

Auch Kanadas Premier Justin Trudeau zeigte sich offen für eine Diskussion über ein persönliches Treffen in den USA, ebenso wie …

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Darum gehts

  • US-Präsident Donald Trump erwägt, den diesjährigen G7-Gipfel nun doch als reales Treffen und nicht per Video abzuhalten.
  • Die Reaktion der Regierungschefs der sieben führenden Wirtschaftsnationen auf den Vorschlag fällt gemischt aus.
  • Nicht nur die strenge Reisebeschränkungen zwischen den USA und Europa stellen die Machbarkeit eines baldigen persönlichen Gipfeltreffens in Frage.

US-Präsident Donald Trump erwägt, den G7-Gipfel nun doch als reales Treffen abzuhalten – und nicht wie noch im März geplant per Video. Er twitterte: «Jetzt, wo unser Land auf dem Weg der ‚Transition zurück zur Grossartigkeit‘‚ ist, erwäge ich, den G7-Gipfel, zum selben oder an einem ähnlichen Termin, von Washington, D.C., in das legendäre Camp David zu verlegen. Die anderen Mitglieder beginnen auch mit ihrem Comeback. Das wäre ein gutes Signal für alle – Normalisierung!»

Im März hatte die US-Regierung das geplante Gipfeltreffen der sieben führenden Wirtschaftsnationen wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt und stattdessen eine Videokonferenz angesetzt. Den ursprünglichen Plänen nach hätte der Gipfel vom 10. bis 12. Juni in Camp David, dem traditionellen Landsitz der US-Präsidenten, stattfinden sollen. Was nun aus der Zusammenkunft wird, ist nach Trumps Tweet offen.

Fast alle Regierungschefs aufgeschlossen

Der US-Präsident ist 2020 Gastgeber des G7-Gipfels und kann damit den Ort auswählen. Zu der «Gruppe der Sieben» gehören neben den USA Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Kanada und Japan.

Die Staats- und Regierungschefs nahmen den Vorschlag des US-Präsidenten gemischt auf. So sollen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Kanadas Premier Justin Trudeau oder EU-Ratschef Charles Michel willens sein, nach Camp David zu reisen, falls die Gesundheitsbedingungen es zulassen.

Die deutsche Kanzlerin hingegen liess offen, ob sie einer Einladung Trumps folgen würde. In welcher Form auch immer dieses Treffen stattfinde, «ob als Videokonferenz oder anders, ich werde auf jeden Fall für den Multilateralismus kämpfen. Das ist ganz klar. Sowohl bei G7 als auch bei G20», sagte sie in Berlin. Auf die Nachfrage, ob sie bei einer Einladung Trumps in die USA reisen würde, entgegnete Merkel: «Ich wollte das sagen, was ich gesagt habe. Das Weitere warten wir einfach mal ab. Ich habe meine Worte mit Bedacht gewählt.»

Wie realistisch ist Trumps Vorschlag?

Wenn der Gipfel wie vorgesehen in ein paar Wochen stattfinden soll, stellt sich ohnehin die Frage, wie realistisch Trumps Vorschlag für ein persönliches Treffen in Zeiten von Corona ist. Gipfeltreffen wie der G7 ein gewaltiger logistischer Kraftakt. Ob es möglich wäre, in so kurzer Zeit nun doch eine persönliche Zusammenkunft grosser Delegationen aus den G7-Staaten auf die Beine zu stellen, ist fraglich.

Noch dazu gelten strenge Reisebeschränkungen zwischen den USA und Europa: Angesichts der schwerwiegenden Auswirkungen der Pandemie in mehreren europäischen Staaten hatte Trump Mitte März einen Einreisestopp für Ausländer aus dem Schengenraum, Grossbritannien und Irland verhängt. Die Europäische Union hatte Mitte März ihrerseits ebenfalls Einreisebeschränkungen für Bürger der allermeisten Nicht-EU-Staaten eingeführt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Krise weder in USA noch Europa überstanden

Trump versucht seit Wochen, in der Corona-Pandemie Zuversicht zu versprühen und verspricht eine schnelle Erholung von der Krise. Doch die USA sind von der Corona-Pandemie schwer getroffen – in absoluten Zahlen sogar weltweit am stärksten, mit mehr als 1,5 Millionen bekannten Infektionen und mehr als 92’000 Toten. Infolge der rasanten Ausbreitung des Pandemie hatten die meisten US-Bundesstaaten strikte Ausgangsbeschränkungen verhängt. Das öffentliche Leben kam so in weiten Teilen zum Erliegen und stürzte die Wirtschaft in eine schwere Krise.

Inzwischen haben die US-Bundesstaaten diverse Lockerungen der Corona-Beschränkungen auf den Weg gebracht. Experten zufolge ist die Krise in den Vereinigten Staaten aber keineswegs überstanden. Auch europäische Länder sind trotz erster Lockerungen noch weit von einer kompletten Rückkehr zur Normalität entfernt.

Camp David

Camp David (auch «Camp 3») im Bundesstaat Maryland ist der traditionelle Landsitz der US-Präsidenten. Hier entspannt die jeweilige First Family am Rande der Blue Ridge Mountains. Die Erholungsanlage wird oft auch als Ort für formelle und informelle Gespräche zwischen den USA und Regierungschefs anderer Staaten genutzt.

So kam es in Camp David etwa zum Friedensabkommen «Camp David I» zwischen Anwar as-Sadat und Menachem Begin, welches 1979 unter Vermittlung der USA zum Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel führte. Hier scheiterten im Jahr 2000 aber auch die Gespräche zur Lösung des israelisch-palästinensischen Konfliktes auf dem Gipfel zwischen Bill Clinton, PLO-Führer Jassir Arafat und dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak.

(SDA, REUTERS)
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20 Kommentare
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Cornelius M.

22.05.2020, 08:38

Ist doch kein Problem. Die kommen eh alle mit ihrem Regierungsjet, werden einzeln in Limousinen gefahren und habe einzelne Suiten. Für sieben Personen sicher sitzen zu lassen, braucht es ja nicht allzuviel Platz. Das Beigemüse kann ja irgendwo am Bildschirm sitzen.

Sam

22.05.2020, 08:09

Da er diesmal Gastgeber ist, darf er bestimmen. Alle geladenen Teilnehmer sind gesund. Was bitte spricht dagegen? Ah ja, es ist ja Trumps Idee..... Da darf man ja alles grundsätzlich als dumm empfinden. Der Coronavirus wird noch etwas bleiben, während die Welt sich weiter dreht.....

auf nach Trumpistan

21.05.2020, 19:42

Eine Reise nach Trumpistan wäre jetzt schlicht ein Witz !