Ex-Diplomat: «Trump will sich vor der Alpenkulisse inszenieren»
Aktualisiert

Ex-Diplomat«Trump will sich vor der Alpenkulisse inszenieren»

Donald Trump kommt ans WEF und könnte dort Alain Berset treffen. Für SP-Nationalrat Tim Guldimann ist klar, dass davon «wenig bis nichts» zu erwarten ist.

von
P. Michel
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US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, ans diesjährige World Economic Forum in Davos zu reisen. Dort könnte es auch zu einem bilateralen Gespräch mit Bundespräsident Alain Berset kommen.

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, ans diesjährige World Economic Forum in Davos zu reisen. Dort könnte es auch zu einem bilateralen Gespräch mit Bundespräsident Alain Berset kommen.

AP/Thibault Camus
SP-Nationalrat Tim Guldimann erwartet von einem solchen Gespräch wenig: «Für Trump ist Davos eine Bühne, um sich in den globalen Medien zu inszenieren.»

SP-Nationalrat Tim Guldimann erwartet von einem solchen Gespräch wenig: «Für Trump ist Davos eine Bühne, um sich in den globalen Medien zu inszenieren.»

Keystone/Peter Schneider
Es gehe Trump darum, seine Politik international zu verkaufen. «Das kann er gut damit erreichen, sich in imposanter Pose vor der Alpenkulisse im verschneiten Davos den Kameras zu stellen.»

Es gehe Trump darum, seine Politik international zu verkaufen. «Das kann er gut damit erreichen, sich in imposanter Pose vor der Alpenkulisse im verschneiten Davos den Kameras zu stellen.»

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Herr Guldimann, was ist von einem Treffen von Alain Berset und Donald Trump zu erwarten?

In der Substanz wenig bis nichts. Für Trump ist Davos eine Bühne, um sich in den globalen Medien zu inszenieren, damit ist er nicht allein unter den ausländischen Gästen. Aber die Symbolik seines Auftritts nützt der Schweiz. Das gibt schöne Bilder, auch mit unserem Bundespräsidenten. Nur dürfen wir nicht erwarten, dass Alain Berset in einem vielleicht sehr kurzen Treffen konkrete Anliegen aufbringen, geschweige denn lösen kann. Es werden wohl nur Freundlichkeiten ausgetauscht, aber auch die sind gut für uns, wenn er sie zusammen mit einem sympathischen Eindruck von unserem Land nach Hause trägt.

Warum nutzt er für die Inszenierung das WEF?

Es wird ihm darum gehen, sich und seine Politik international zu verkaufen. Das kann er gut damit erreichen, sich in imposanter Pose vor der Alpenkulisse im verschneiten Davos den Kameras zu stellen. Es geht ihm um Bilder und um seine Tweets dazu. Politik ist ja immer eine Art Theater. Und am WEF passt die Bühne.

Sie begrüssen den Besuch Trumps trotzdem. Warum?

Ja, Trump ist in der Schweiz, er wird keine bösen Worte über unser Land verlieren. Seine Freundlichkeit ist nur gut für unser Land, und wir erhalten internationale Aufmerksamkeit.

Welchen diplomatischen Tipp geben Sie Alain Berset?

Ich gebe keine Tipps und bin sicher, die Peinlichkeit bleibt uns erspart, über die Medien wieder einmal vom schweizerischen Angebot Guter Dienste für die Lösung der Weltprobleme zu hören.

Trump provozierte immer wieder mit Kriegsrhetorik, er prahlte etwa damit, den grösseren Atomknopf als Nordkorea zu haben. Warum soll die Schweiz jemanden am WEF dulden, der laut Kritikern eine Gefahr für die Welt darstellt?

Ich finde es gut, dass er kommt. Er ist der demokratisch gewählte Präsident eines befreundeten Staates. Er wird viele Gespräche führen, die schaden nichts, vielleicht hört er zu. Es ist auch nicht der geeignete Anlass, ihm gegenüber das zu wiederholen, was die meisten über ihn denken und schreiben.

Tim Guldimann ist SP-Nationalrat und ehemaliger Schweizer Botschafter in Berlin.

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