11.05.2017 11:26

Truppen-AufstockungTrump will Taliban zu Verhandlungen zwingen

Trumps Generäle wollen die Taliban mit 3000 weiteren Soldaten an den Verhandlungstisch zwingen. Das schlug in Afghanistan schon früher fehl.

von
sut
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Die rund 8400 US-Truppen in Afghanistan sollen bald durch mindestens 3000 neue Soldaten ergänzt werden. Bild: Brigadier Larry Nicholson von den US-Marines spricht am 9. Februar vor Soldaten ausserhalb von Marjah in der Provinz Helmand von Afghanistan.

Die rund 8400 US-Truppen in Afghanistan sollen bald durch mindestens 3000 neue Soldaten ergänzt werden. Bild: Brigadier Larry Nicholson von den US-Marines spricht am 9. Februar vor Soldaten ausserhalb von Marjah in der Provinz Helmand von Afghanistan.

AP/David Guttenfelder
Der von den US-Militärs ausgedachte Plan sieht vor, dass die US-Soldaten die von den Taliban und Terrorgruppen bedrängte nationale Armee Afghanistans unterstützen sollen. Bild: afghanische Soldaten am 13. Juni 2013 in der Provinz Kandahar.

Der von den US-Militärs ausgedachte Plan sieht vor, dass die US-Soldaten die von den Taliban und Terrorgruppen bedrängte nationale Armee Afghanistans unterstützen sollen. Bild: afghanische Soldaten am 13. Juni 2013 in der Provinz Kandahar.

AP/Allauddin Khan
Seit am 22. Mai 2016 der Taliban-Mullah Mohammad Akhtar Mansour durch einen US-Luftangriff getötet wurde, gibt es kaum Fortschritte in Afghanistan. Bild: Mansours zerstörtes Fahrzeug in der Provinz Balutschistan.

Seit am 22. Mai 2016 der Taliban-Mullah Mohammad Akhtar Mansour durch einen US-Luftangriff getötet wurde, gibt es kaum Fortschritte in Afghanistan. Bild: Mansours zerstörtes Fahrzeug in der Provinz Balutschistan.

AP/Abdul Salam Khan

Donald Trump verschärft Amerikas längsten Krieg. Für den seit fast 16 Jahren dauernden Konflikt in Afghanistan verlangen die Generäle 3000 zusätzliche Soldaten. Gemäss einem Bericht der «Washington Post» will Trump den Eskalationsplan noch vor dem Nato-Treffen am 25. Mai absegnen. Mit dem Kriegsplan soll die sich verschlechternde militärische Lage in Afghanistan verbessert werden. Trump geht es laut «Post» darum, endlich «wieder zu gewinnen».

Der Plan wurde von den obersten Militärs ausgedacht und wird von den zuständigen Kabinettsministern und führenden Geheimdienstchefs unterstützt. Er entspricht in etwa den Ideen, die der US-Kommandant in Afghanistan, General John Nicholson, im Februar vor dem Kongress skizzierte.

Andere Nato-Mitglieder auch gefordert

In Afghanistan sind derzeit 8400 amerikanische Soldaten stationiert. Hinzu kommen laut der Armeezeitung «Stars and Stripes» 4900 Truppen aus verbündeten Nato-Staaten. Laut dem Vorhaben sollen mindestens 3000 neue Mitglieder der US-Streitkräfte in den Hindukusch entsandt werden. Eine entsprechende Zahl von Soldaten aus alliierten Nato-Staaten soll die US-Zusatztruppe ergänzen. Über die genaue Truppenzahl soll das Pentagon befinden, nicht das Weisse Haus.

Der Plan ziele nicht darauf ab, «ein für allemal einen Sieg zu erzielen», sagte der Afghanistan-Experte Andrew Wilder vom US-Friedensinstitut zur «Post». «Stattdessen sollen Verhandlungen zu einem Ende des Konflikts führen.»

Afghanische Armee verletzlich

Die Rede ist davon, dass vor allem amerikanische Berater die mit grossen Schwierigkeiten kämpfende afghanische Armee unterstützen und ausbilden sollen. Deren grosse Verletzlichkeit unterstrich letzten Monat ein Taliban-Anschlag auf einen Stützpunkt im Norden des Landes, bei dem 140 Soldaten starben.

Den strategischen Hintergrund für das Vorhaben liefert das gefährdete Patt zwischen den Taliban und den Streitkräften der Regierung in Kabul. Seit Trumps Vorgänger Barack Obama die Zahl der US-Truppen auf wenige Tausend reduzierte, konnten die Taliban überall im Land Boden gutmachen. Ihr Vorstoss in ehemals von der Regierung beherrschte Gebiete zwang Obama dazu, sein Endziel von bloss 1000 US-Soldaten fallen zu lassen.

Selbst 100'000 Soldaten fruchteten nicht

Die grosse Frage ist, ob die zusätzlichen Soldaten nun den Aufständischen mehr Verhandlungsbereitschaft abnötigen können. Unter Obama betrug die Truppenzahl zeitweise 100'000 US-Soldaten, ohne dass die Taliban zu wesentlichen Konzessionen gezwungen werden konnten. Seit dem Tod des Taliban-Führers Akhtar Mohammed Mansour durch einen US-Luftangriff im vergangenen Jahr kam es laut «Post» zu keinen Verhandlungsfortschritten mehr.

Wenig Zuversicht

Wie die Zeitung berichtet, gibt es auch Gegner des Plans in der Trump-Regierung. Sie fürchten, dass die zusätzlichen Truppen – gleich wie frühere militärische Ausweitungen in Afghanistan – bloss zu vorübergehenden Verbesserungen führen werden. Der wichtigste Fürsprecher des Plans im Weissen Haus ist General H. R. McMaster, Trumps Sicherheitsberater.

Wie der Präsident entscheiden wird, ist noch nicht klar. Im Wahlkampf hatte Afghanistan bloss eine untergeordnete Rolle gespielt, schreibt die «New York Times». Doch Trump verfolgt das Ziel, hart gegen den Terrorismus vorzugehen. Ohne zusätzliche Truppen riskiert er laut «Times», dass die Taliban und der afghanische Flügel des Islamischen Staats weiter an Boden gewinnen.

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