Neustart-Versuch: Trumps drei Punkte im Kampf gegen den IS
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Neustart-VersuchTrumps drei Punkte im Kampf gegen den IS

In Umfragen abgehängt, entwirft Trump einen entschlossenen Kurs gegen den «Islamischen Staat». Viele Details blieb er jedoch schuldig.

von
sut
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Mit einer Rede über den Kampf gegen den Terrorismus versuchte Donald Trump am 15. August 2016 in Youngstown, Ohio, seine lahmende Präsidentschaftskampagne wiederzubeleben.

Mit einer Rede über den Kampf gegen den Terrorismus versuchte Donald Trump am 15. August 2016 in Youngstown, Ohio, seine lahmende Präsidentschaftskampagne wiederzubeleben.

AP/Gerald Herbert
Trumps drei Punkte wurden heftig applaudiert, was den Redner freute. Er schlug vor, alle Länder als Bundesgenossen zu akzeptieren, die beim Kampf gegen den IS mitmachen - auch Russland.

Trumps drei Punkte wurden heftig applaudiert, was den Redner freute. Er schlug vor, alle Länder als Bundesgenossen zu akzeptieren, die beim Kampf gegen den IS mitmachen - auch Russland.

AP/Gerald Herbert
Zudem will er die Einwanderung aus Regionen mit Terrorismusneigung abstoppen und Immigranten mit einer «extremen Prüfung» auf ihre Gesinnung untersuchen.

Zudem will er die Einwanderung aus Regionen mit Terrorismusneigung abstoppen und Immigranten mit einer «extremen Prüfung» auf ihre Gesinnung untersuchen.

AP/Gerald Herbert

Der landesweit und in wichtigen Gliedstaaten arg bedrängte Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat am Montag in Youngstown, Ohio, seine lahmende Kampagne mit einer Rede gegen den islamistischen Terrorismus und speziell gegen die Terror-Miliz Islamischer Staat wiederzubeleben versucht.

Gleich zu Beginn zeichnete Trump ein Schreckensbild des islamistischen Terrors. Er listete die Angriffe der letzten Jahre in den USA, in Europa und im Nahen Osten auf und sagte: «Wir können dieses Böse nicht weitergehen lassen».

Abtempierte Kritik an Obama und Clinton

Schuld an dem Debakel sei US-Präsident Barack Obama, den er als «naiv» und «inkompetent» bezeichnete. Der Aufstieg des IS sei die direkte Konsequenz politischer Entscheidungen von Barack Obama und Aussenministerin Hillary Clinton, behauptete Trump. Die kontroverse Formulierung von letzter Woche, Obama und Clinton seien die «Gründer» des Islamischen Staats, wiederholte er jedoch nicht.

Dann versprach er «schnelle und entschlossene Abhilfe» durch einen neuen Zugang zum Konflikt. Sie lässt sich in drei Hauptpunkte ordnen:

1. Wer gegen den radikalen Islam vorgeht, kann Partner sein

Kein Land sei von einer Partnerschaft mit den USA ausgeschlossen, wenn es sich ebenfalls dem Kampf gegen den IS und den radikalen islamischen Terrorismus verpflichtet. Zu den möglichen Partnerstaaten im Anti-Terror-Kampf zählte Trump konkret auch Russland auf. Dieses Land sei ebenso von islamistischem Terrorismus betroffen. Trump will allerdings – anders als er in früheren Reden andeutete – die Nato als Instrument im Kampf gegen den Islamismus nutzen.

2. Nur Einwanderer werden akzeptiert, die Werte teilen

Trump schlägt eine «extreme Prüfung» von möglichen Immigranten in den USA vor. Wie er ausführte, gehört dazu erstens ein Test der Einstellungen möglicher Einwanderer. Um aufgenommen zu werden, müssen Immigranten die Verfassung der USA hochhalten und ihre Werte teilen.

Zweitens sollen Einwanderer aus Regionen mit einer Neigung zum Terrorismus ausgeschlossen werden. Trump will das Aussenministerium und das Pentagon damit beauftragen, eine Liste der gefährlichen Herkunftsländer zusammenzustellen. Ein religiöser Test oder ein Ausschluss von Muslimen von der Auswanderung kam in der Rede nicht vor.

3. Der Kampf wird auch auf ideologischer Ebene geführt

Trump will eine Kommission über den radikalen Islam zusammenstellen, um Kennzeichen für eine Radikalisierung zu formulieren und die Bevölkerung vor diesbezüglichen Anzeichen zu warnen. «Wir müssen erklären, dass der radikale Islam existiert.» Nur wer die Ideologie als solche erkenne, könne sie bekämpfen, sagte Trump und verglich die Situation mit jener im Kampf gegen den Kommunismus im Kalten Krieg. Unter anderem wolle er Terroristen den Zugang zum Internet erschweren, sagte er.

Am Schluss fügt Trump noch an, die USA könnten die Terror-Miliz IS nur besiegen, wenn sie die Vorzüge der eigenen Lebensart und der eigenen Werte hochhielten. Er fügte eine kräftige Prise Patriotismus und ein persönliches Versprechen hinzu. «Ich werde euer grösster Fürsprecher sein», sagte er. «Ich werde dafür sorgen, dass alle gleich und alle ehrenhaft behandelt werden.»

Ob der Kandidat mit seiner vom Teleprompter abgelesenen Rede das Steuer herumreissen und Popularität hinzugewinnen kann, muss sich erst zeigen. Nach früheren ernst gemeinten Reden schaffte es Trump immer wieder, mit verbalen Entgleisungen negative Schlagzeilen zu machen.

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