Wahlkämpfer packen aus: Trumps Fast-Food-Orgien, Bazillen-Angst und Anfälle
Aktualisiert

Wahlkämpfer packen ausTrumps Fast-Food-Orgien, Bazillen-Angst und Anfälle

Das Buch zweier Ex-Kampagnen-Berater Donald Trumps ist keine Abrechnung mit dem US-Präsidenten. Doch es zeigt, dass es mitunter entwürdigend war, für ihn zu arbeiten.

von
gux
1 / 7
Während des Wahlkampfes um die US-Präsidentschaft 2016 kam es in Trumps Flugzeug des öfteren zu lauten und mitunter unangenehmen Szenen.

Während des Wahlkampfes um die US-Präsidentschaft 2016 kam es in Trumps Flugzeug des öfteren zu lauten und mitunter unangenehmen Szenen.

AP/Evan Vucci
Corey Lewandowski, der später von Donald Trump als Wahlkampf-Manager gefeuert wurde, und ...

Corey Lewandowski, der später von Donald Trump als Wahlkampf-Manager gefeuert wurde, und ...

AP/Carolyn Kaster
... Berater David Bossie, den Trump nach seinem Sieg bei der Besetzung in seinem Stab überging, schrieben «Lasst Trump Trump sein». Das Buch sei keine Abrechnung mit dem US-Präsidenten, schreibt die «Washington Post», eher ein «bewunderndes Porträt».

... Berater David Bossie, den Trump nach seinem Sieg bei der Besetzung in seinem Stab überging, schrieben «Lasst Trump Trump sein». Das Buch sei keine Abrechnung mit dem US-Präsidenten, schreibt die «Washington Post», eher ein «bewunderndes Porträt».

AP/Evan Vucci

«Lasst Trump Trump sein» heisst das Buch von Corey Lewandowski und David Bossie, das diesen Dienstag herauskommen wird. Der ehemalige Kampagnen-Manager und der einstige Berater wollen damit nicht mit dem US-Präsidenten abrechnen, obwohl Donald Trump Lewandowski gefeuert und Bossie nach seinem Sieg übergangen hat. Vielmehr zeichne das Buch ein «bewunderndes Portrait» des US-Präsidenten, wie die «Washington Post» schreibt, die an einen Vorabdruck gekommen ist.

Obgleich also keine Abrechnung, werden mitunter entwürdigende und skurrile Szenen beschrieben, und es wird deutlich, wieso sich die Autoren in ihrer Zeit als Trump-Mitarbeiter mitunter fragten, warum sie den Job je angenommen hatten: «Sein Zorn sollte nicht persönlich genommen werden, aber es fällt manchmal schwer, das nicht zu tun. Die Art, in die er verfällt, wenn etwas nicht nach seinen Wünschen geht, fühlt sich an wie ein Frontalangriff; er zerbricht die härtesten Männer und Frauen in kleine Stücke», schreiben die Autoren.

Überall halbvolle Packungen

Sie beschreiben etwa, was sich im Wahlkampf an Bord des Trump-Fliegers abspielte: Trump schrie Mitarbeiter an, Tiraden, in denen er drohte, ihnen «das Gesicht abzureissen». Die Musik von Elton John sei so laut gewesen, dass man kaum habe denken können. Die Pressesekretärin Hope Hicks, ehemalige Sportlerin und Modell, machte sich mit einer Bügelpresse am Anzug Trumps zu schaffen – während er diesen noch trug: Erst glättete sie sein Jacket, dann sass sie in einem Stuhl vor ihm, um seine Hosen knitterfrei zu kriegen.

Dann war da der unermessliche Appetit des Präsidentschafts-Kandidaten auf Junkfood: «Es gab an Bord vier Nahrungsgruppen: McDonald's, Kentucky Fried Chicken, Pizza und Diet Coke und Oreo Cookie's bereitstehen. Überall seien halbvolle Packungen herumgelegen, denn Trump, ein Mysophobiker, habe sich mit seiner übersteigerten und krankhaften Angst vor Kontakt mit Schmutz oder der Ansteckung durch Bakterien geweigert, einmal angebrochene Packungen zu leeren.

Wichtiges Mahlzeiten-Timing

Während der Wahlkampf-Reisen sei das Timing der Mahlzeiten für Trump von grosser Wichtigkeit gewesen. Die Mitarbeiter hätten einen riesigen Aufwand betrieben, um heissen Fastfood zu beschaffen. Trump legte dabei einen enormen Appetit an den Tag: er verdrückte zwei Big Mac's, zwei Fischburger und einen Malz-Schokoladen-Shake.

Die Autoren schreiben, es habe Momente gegeben, in denen sie sich wünschten, «aus dem Wahlkampf-Flieger zu springen». Ein solcher Moment war wohl auch, als Trump erfuhr, dass sein damaliger Wahlkampfberater Paul Manafort – gegen ihn wird mittlerweile wegen möglicher Kollusion mit russischen Stellen im Rahmen dieses Wahlkampfs ermittelt – gesagt habe, dass besser er statt Trump im TV auftreten solle.

«... mit deinem Haar und deiner Haut!»

Trump sei so wütend geworden wie nie zuvor. Er habe angeordnet, dass der Helikopter, in dem er gerade unterwegs war, tiefer fliegen solle, damit er telefonieren könne. Dann habe er Manafort angerufen: «Hast du gesagt, ich solle nicht mehr im TV auftreten? Ich gehe ins Studio, wann auch immer ich verdammt nochmal f***ing will und du wirst nie mehr irgendein f***ing Wort über mich verlieren!», habe er geschrien. «Du willst ein politischer Profi sein? Lass mich dir etwas sagen: Ich bin ein Profi was das Leben angeht. Ich bin schon etwas länger hier. Ich kenne Typen wie dich, mit deinem Haar und deiner Haut!»

Beschreiben wird auch die Panik, die sich Anfang Oktober breitmachte, als das Video publik wurde, in dem man Trump sagen hört, wie er «jede Frau an der P***y packen» könne.

«Werde ich euch alle mit mir in die Tiefe reissen»

Paul Reibus, damals Vorsitzender des Republican National Committee, habe angerufen und darüber informiert, dass viele Republikaner ihre Unterstützung Trumps aufkünden wollten und «wie Fliegen» von ihm abfallen würden. Es gäbe zwei Möglichkeiten: entweder, dass werde das grösste Wahldebakel in der US-Geschichte» oder Trump solle aus dem Wahlkampf ausscheiden.

Daraufhin habe Trump gesagt: «Zum einen werde ich gewinnen. Und, falls sich die republikanische Partei von mir abwendet, werde ich euch alle mit mir in die Tiefe reissen. Aber ich werde nicht verlieren.»

Deine Meinung