11.05.2017 08:53

FBI-EntlassungTrumps härtester Sheriff als Comeys Nachfolger?

Unter den möglichen Nachfolgern für den gefeuerten FBI-Chef sind schillernde Figuren wie Sheriff David Clarke und Gouverneur Chris Christie.

von
Martin Suter
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Am 3. Mai 2017 hatte FBI-Direktor James Comey an einem Hearing im US-Senat noch keine Ahnung, dass er eine Woche später nicht mehr im Amt sein würde.

Am 3. Mai 2017 hatte FBI-Direktor James Comey an einem Hearing im US-Senat noch keine Ahnung, dass er eine Woche später nicht mehr im Amt sein würde.

epa/Shawn Thew
Unter seinen möglichen Nachfolgern wird David Clarke gehandelt, der berühmte Sheriff des Bezirks Milwaukee in Wisconsin. Er war ein Trump-Freund der ersten Stunde. (23. Februar 2017)

Unter seinen möglichen Nachfolgern wird David Clarke gehandelt, der berühmte Sheriff des Bezirks Milwaukee in Wisconsin. Er war ein Trump-Freund der ersten Stunde. (23. Februar 2017)

AFP/Chip Somodevilla
Genannt wird auch der Name von Chris Christie, dem Gouverneur von New Jersey. Christie unterstützte Trump in der Endphase des Wahlkampfs. (23. März 2017)

Genannt wird auch der Name von Chris Christie, dem Gouverneur von New Jersey. Christie unterstützte Trump in der Endphase des Wahlkampfs. (23. März 2017)

AP/Julio Cortez

Die Amtszeit eines FBI-Direktors beträgt zehn Jahre – mehr als bei anderen Amtsträgern in den USA, mit Ausnahme von Richtern. Der Hintersinn: Die Chefs der mächtigen Bundespolizei sollen politisch unabhängig bleiben.

Nach der unvermittelten Entlassung von James Comey mit seinen weniger als vier Jahren im Amt könnten jedoch politische Freunde von US-Präsident Donald Trump zum Zug kommen. Hier eine Liste möglicher Kandidaten, geordnet nach ihrer Bekanntheit, nicht nach ihren Chancen:

Sheriff David Clarke, 60

Heutiger Job: Sheriff des Bezirks Milwaukee in Wisconsin

Stärken: Clarke ist ein grosser Trump-Fan und hatte sogar einen Auftritt am republikanischen Parteikonvent im Juli. Der Präsident liebt seine harte Linie gegen Verbrecher und illegal eingereiste Ausländer. Er sieht sich mit Clarke verwandt, weil dieser auch immer sagt, was er denkt.

Schwächen: Der schwarze Sheriff mit dem Cowboyhut hat sich viele Feinde geschaffen. Im Untersuchungsgefängnis seines Bezirks starben letztes Jahr vier Häftlinge; einer von ihnen verdurstete, weil man ihm kein Wasser gab.

Chancen: Gering, man wird Clarke politische Abhängigkeit vorwerfen.

Chris Christie, 54

Heutiger Job: Gouverneur des Gliedstaats New Jersey

Stärken: Der unerschrockene Vollblutpolitiker Christie unterstützte als einer der Ersten Donald Trumps Wahlkampagne. Als früherer Staatsanwalt hat er viel Erfahrung in der Justiz und im Gesetzesvollzug.

Schwächen: Christie wird vom «Bridgegate»-Skandal belastet. Wegen der Sperrung von Fahrspuren einer Brücke bei New York wurden mehrere enge Mitarbeiter verurteilt. Christies erfolgloses Buhlen um einen Kabinettsposten unter Trump liess ihn speichelleckerisch erscheinen.

Chancen: Gering, Christie hat ein zu grosses nationales Profil.

Ray Kelly, 75

Heutiger Job: Polizeikommandant von New York im Ruhestand

Stärken: Der irischstämmige Kelly sieht mit seinem vorgereckten Kinn aus wie ein archetypischer Polizist. Er organisierte die Terrorabwehr in der grössten US-Stadt nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001. Er ist gleicher Gesinnung wie Justizminister Jeff Sessions.

Schwächen: In New York sorgte die von Kelly befürwortete Überwachung von Muslimen weitherum für Kritik. Dem Top-Cop wird auch harsche Behandlung rassischer Minderheiten vorgeworfen. Zudem ist er bereits an der oberen Altersgrenze für einen FBI-Direktor.

Chancen: Mittelmässig, Kellys Professionalität spricht für ihn.

Trey Gowdy, 52

Heutiger Job: Mitglied des Repräsentantenhauses für South Carolina

Stärken: Der scharf denkende frühere Staatsanwalt gilt als unbestechlich. Gowdy untersuchte den Skandal um den Angriff auf den US-Aussenposten in Bengazi, Libyen, unter Aussenministerin Hillary Clinton. Er kritisierte, dass Comey Clinton wegen ihres privaten E-Mail-Servers nicht angeklagt habe.

Schwächen: Als prominenter Kongressabgeordneter und Clinton-Kritiker hat Gowdy viele Gegner unter den Demokraten. Sie werden ihm nicht zutrauen, politisch neutral zu bleiben.

Chancen: Gut, weil Gowdy gegen Korruption kämpfen kann.

Andrew McCabe, 49

Heutiger Job: amtierender FBI-Direktor

Stärken: Comeys bisheriger Vizedirektor trat 1996 ins FBI ein, wo er sich Verdienste im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und gegen den Terrorismus holte. Er war an den Ermittlungen zu Clintons E-Mails und den Russen-Verbindungen beteiligt.

Schwächen: McCabe steht womöglich James Comey zu nahe. Seine Frau nahm als – erfolglose – politische Kandidatin in Virginia 2015 Geld von der demokratischen Partei und vom Clinton-Freund Terry McAuliffe entgegen.

Chancen: Mittelmässig, da den Demokraten zu nahe stehend.

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