22.06.2020 13:42

USA 2020

Trumps Tulsa-Schock

Der Auftritt in Tulsa, Oklahoma, sollte für Donald Trump ein triumphaler Auftakt werden im wegen der Corona-Epidemie unterbrochenen Rennen um die Präsidentschaft. Stattdessen kam es im erzkonservativen Bundesstaat zu einem mittleren Desaster.

von
Ann Guenter
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Der Neustart seines Wahlkampfs ist für US-Präsident Donald Trump bei der ersten Massenkundgebung seit Beginn der Corona-Krise enttäuschend verlaufen.

Der Neustart seines Wahlkampfs ist für US-Präsident Donald Trump bei der ersten Massenkundgebung seit Beginn der Corona-Krise enttäuschend verlaufen.

Keystone-sda.ch
Bei der Veranstaltung in einer Arena in Tulsa (Oklahoma) blieben am Samstagabend zahlreiche der gut rund 19’200 Plätze leer.

Bei der Veranstaltung in einer Arena in Tulsa (Oklahoma) blieben am Samstagabend zahlreiche der gut rund 19’200 Plätze leer.

Keystone-sda.ch
 Ein Feuerwehrsprecher in Tulsa sagte der Zeitung «The Hill», weniger als 6200 Besucher seien bei der Veranstaltung gewesen – die Zahl beziehe sich auf gescannte Tickets.

Ein Feuerwehrsprecher in Tulsa sagte der Zeitung «The Hill», weniger als 6200 Besucher seien bei der Veranstaltung gewesen – die Zahl beziehe sich auf gescannte Tickets.

REUTERS

Darum gehts

  • Zum ersten Wahlkampfauftritt von Donald Trump seit März kamen weit weniger Leute als erwartet und angekündigt.
  • «Radikale Demonstranten» und «die Medien» seien daran schuld, so das Trump-Team. Dafür gibt es keine Belege.
  • Tatsächlich dürfte es andere Gründe für die geringe Zuschauerzahl geben.
  • Der Event war ein «Desaster» – abschreiben darf man Trump deswegen aber nicht.

Statt der erwarteten einen Million Anhänger waren nur 6000 Anhänger nach Tulsa gekommen. Ein Schlag ins Gesicht für Donald Trump, der noch kurz vor seinem Abflug ins erzkonservative Oklahoma geprahlt hatte: «Der Andrang ist unglaublich.» Vor Ort holte ihn und sein Team die Realität ein: Tausende leere Plätze erwarteten den US-Präsidenten, der sich laut «New York Times» schon seit Tagen auf diese erste Massenkundgebung seit Beginn der Corona-Krise gefreut hatte.

Berater hätten Trump an Bord der Air Force One auf die tiefen Besucherzahlen vorzubereiten versucht, so die Zeitung weiter. Nach der Ankunft sei dieser fassungslos gewesen und habe hinter der Bühne seine Mitarbeiter angeschrien. So gross sei die Wut des 74-Jährigen gewesen, dass mancher Beobachter bereits das Ende von Trumps Kampagnen-Chef Brad Parscale voraussagen.

Tiktok-Teenager gegen Trump

Der Kommunikationsdirektor von Trumps Wahlkampfteam, Tim Murtaugh, warf «radikalen Demonstranten» und Medien vor, Sympathisanten vom Besuch der Kundgebung abgehalten zu haben. Tatsächlich war es am Rande von Trumps Auftritt zu Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt gekommen, sie blieben der Polizei zufolge aber friedlich. Auch der Vorwurf, «die Medien» hätten Angst vor dem Coronavirus geschürt und so Leute vom Erscheinen in Tulsa abgehalten, verfing nicht wirklich – immerhin wurden vor der Kundgebung sechs Mitarbeiter von Trumps Wahlkampfteam positiv auf das Coronavirus getestet, was gerade ältere Trump-Fans von einem Besuch abgehalten haben dürfte.

Dass Erwartungen und Realität in Tulsa so weit auseinanderklafften, könnte auch auf Nutzer des sozialen Netzwerks Tiktok zurückzuführen sein. So berichteten Medien am Sonntag, auf dem meist von Kindern und Jugendlichen genutzten Netzwerk habe es koordinierte Bemühungen gegeben, sich kostenlos für ein Ticket zu registrieren, dann aber nicht zu der Veranstaltung im Bundesstaat Oklahoma zu erscheinen. Sprich: In Tulsa scheint es zu einem Aufstand der Teenager gegen Trump gekommen zu sein. Das ist umso bemerkenswerter, als viele von ihnen unter 18 Jahre alt sein und noch nicht wählen dürften.

«Desaster» statt Neubelebung

Trump habe die Arena nach seiner Rede geknickt verlassen, schreibt die «New York Times»: «Die Kampfeslust schien ihn zumindest temporär verlassen zu haben. Er schrie nicht, als er die Arena verliess. Er war grösstenteils verstummt.» Ein Foto, das Trump bei seiner Rückkehr nach Washington zeigt, stützt diese Beobachtung: Trump wirkt geknickt, seine Mundwinkel hängen ebenso herab wie die Enden seiner ungebundenen Krawatte (siehe Bildstrecke).

Mehrere Mitarbeiter des Präsidenten nannten den Wahlkampfauftritt ein «Desaster» – freilich ohne namentlich genannt zu werden. Sie gehen davon aus, dass Tulsa nur der Beginn einer Reihe schlecht besuchter Auftritte in diesem Sommer sein dürfte. Dabei hätte gerade Tulsa den Wahlkampf des Republikaners neu beleben sollen, erst recht vor dem Hintergrund von Trumps schwachen Umfragewerte.

«Trump wird wütender zurückkommen»

Wahlkampfmanager wie Brad Parscale hatten sich überzeugt gegeben, dass es eine «angestaute Nachfrage» nach Auftritten des US-Präsidenten gebe. Tulsa sollte dies beweisen. Stattdessen endete der Event damit, dass republikanische Wahlkampfspender sich nervös beim Wahlkampfteam erkundigten, ob die tiefen Zuschauerzahlen von Tulsa vier Monate vor der Präsidentschaftswahl auf fundamentale Probleme in Trumps Kampagne hinweisen würden.

Bei seinem bizarren Auftritt in Tulsa sprach Trump unter anderem über seine Schuhe und seine Krawatte.

Video: Tamedia

Doch der ernüchternde erste Wahlkampfauftritt seit März sei noch kein Anlass, Trump abzuschreiben, meinen Analysten: Trump «ist zäh, er wird wütender zurückkommen», schreibt etwa die «Süddeutsche Zeitung». So plant er denn auch schon die nächsten Wahlkampfauftritte in Arizona, Florida und North Carolina – ungeachtet der Tatsache, dass in einer Reihe von Bundesstaaten die Corona-Infektionszahlen derzeit nach oben schnellen.

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160 Kommentare
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Doppelbürger

23.06.2020, 10:02

Totgesagte leben länger! Und es ist kein Geheimnis, dass die grosse Mehrheit der Presse nichts unterlässt um gegen Trump zu schreiben. Erfolge werden verschwiegen oder kleingeredet. Ich bin mir sicher, dass er wiedergewählt wird. Denn die Demokraten haben ausser Trumpbashing in den letzten Jahren nichts, rein gar nichts, vorzuweisen; und das nicht mal mir Erfolg. Und Biden ist ja auch nicht ohne; als Frauenbetatscher und Umarmer hat er einen legendären Ruf.

Phil

23.06.2020, 07:33

Komisch das an diesem Mann kein gutes Haar gelassen wird. Natürlich ist er ein Grossk*tz, gänzlich undiplomatisch, ein Egozentriker wie aus dem Bilderbuch. Aber er ist weder ein Kriegstreiber, noch einer dem das "Establishment" Befehle geben kann wohin seine Politik steuern soll, ganz anders als die übrigen Politdarsteller auf dem internationalen und nationalen Parkett.

Phil

23.06.2020, 07:33

Komisch das an diesem Mann kein gutes Haar gelassen wird. Natürlich ist er ein Grossk*tz, gänzlich undiplomatisch, ein Egozentriker wie aus dem Bilderbuch. Aber er ist weder ein Kriegstreiber, noch einer dem das "Establishment" Befehle geben kann wohin seine Politik steuern soll, ganz anders als die übrigen Politdarsteller auf dem internationalen und nationalen Parkett.