Tschad droht mit Einmarsch in Sudan

Aktualisiert

Tschad droht mit Einmarsch in Sudan

Regierungstruppen im Tschad haben einen Rebellenangriff auf die Hauptstadt N'Djamena nach Angaben der politischen Führung des Landes zurückgeschlagen - und drohen mit dem Einmarsch ins Nachbarland, woher die Rebellen angeblich Unterstüzung erhalten.

Aussenminister Ahmat Allam-Mi erklärte die Kämpfe um N'Djamena am Montag im französischen Auslandssender RFI für beendet. Die Rebellen erklärten dagegen, sie hätten sich nach ihrem Vorstoss am Wochenende lediglich vorübergehend an den Stadtrand zurückgezogen, um der Zivilbevölkerung die Flucht zu ermöglichen.

Die Regierung drohte unterdessen mit einem Einmarsch in den Sudan. «Wir werden in den Sudan gehen, wenn das für die Sicherheit des Tschads nötig ist», sagte Aussenminister Allam-Mi. Die Regierung wirft dem Nachbarland vor, die Rebellen bei ihrer Offensive unterstützt zu haben.

Helikopter aus dem Sudan hätten die Rebellen bei Angriffen auf die osttschadische Stadt Adré direkt unterstützt. Der Sudan weist die Vorwürfe zurück. Die französischen Streitkräfte erklärten, sie hätten keine solchen Einsätze beobachtet.

Bei den Kämpfen am Wochenende hatte es hunderte Verletzte unter der Zivilbevölkerung gegeben. Tausende Einwohner waren nach Angaben des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge über die Grenze nach Kamerun geflohen. Der UNO-Sicherheitsrat konnte sich am Sonntagabend (Ortszeit) noch nicht auf eine Haltung zu dem Konflikt einigen.

EU hält an Plänen für Tschad-Einsatz fest

Die EU hält auch nach den jüngsten Gefechten im Tschad an den Plänen zur Entsendung einer Friedenstruppe in den Osten des Landes fest. «Mein Wunsch ist es, an der Operation festzuhalten», erklärte der EU-Aussenbeauftragte Javier Solana am Montag vor Journalisten in Brüssel. Die Verlegung von Soldaten der EUFOR-Truppe in den Tschad hatte sich am Freitag wegen einer Rebellen-Offensive verzögert.

Solana verwies darauf, dass die 27 EU-Staaten erst am vergangenen Montag einstimmig den Startschuss für die Mission gegeben hatten: «Wir haben die Entscheidung für einen Einsatz im Tschad getroffen, weil wir wissen, dass dieses Land für die Stabilität der Region wichtig ist.»

Auch die slowenische EU-Ratspräsidentschaft bekräftigte am Montag «die Entschlossenheit der Europäischen Union ... mit der Stationierung der Truppen fortzufahren, sobald die Umstände dies erlauben». (sda)

IKRK in N'Djamena blockiert

Die Delegierten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sind in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena wegen der Kämpfe blockiert, wie eine Sprecherin sagte. Sie warteten auf eine Beruhigung der Lage.

«Unsere Delegierten wurden nicht evakuiert. Aber sie konnten ihr Haus wegen der intensiven Kämpfe nicht verlassen, sagte die Sprecherin in Genf weiter. «Wir sind bereit, in den Spitälern Hilfe zu leisten.»

Das IKRK verfügt im Tschad über 50 ausländische und 280 einheimische Angestellte. Die meisten von ihnen befinden sich in N'Djamena.

(sda)

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