Hausdurchsuchung: Tschagajew-Dokumente beschlagnahmt
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HausdurchsuchungTschagajew-Dokumente beschlagnahmt

Das dubiose Bankdokument von Xamax-Boss Bulat Tschagajew hat die Staatsanwaltschaft in Genf auf den Plan gerufen. Sie liess die Firmen des Tschetschenen durchsuchen.

von
mon

Die beiden Genfer Staatsanwälte Jean-Bernard Schmid und Yves Bertossa haben eine Untersuchung gegen Bulat Tschagajew eingeleitet. Aktiv wurden sie aufgrund von Enthüllungen rund um ein zweifelhaftes Zertifikat der Bank of America, das dem Xamax-Besitzer den Besitz von 35 Millionen US-Dollar bescheinigen soll. Dies geschah offenbar unabhängig von der Strafanzeige, die Anwalt Vincent Solari wegen «Betrug und Fälschung vor Gericht» gegen Tschagajew in Neuenburg eingereicht hatte (20 Minuten Online berichtete), berichtet «Le Temps».

Die Staatsanwälte liessen am Montag bei Tschagajews Firmen an der Genfer Rue de Commerce Hausdurchsuchungen durchführen. Konkret handelt es sich dabei um die Dagmara Trading SA, die Envergure Holding SA, die Envergure Management SA und die Envergure Real Estate SA.

«Wenn die Presse solche Informationen veröffentlicht, müssen wir schnell handeln», sagte Staatsanwalt Jean-Bernard Schmid gegenüber «Le Temps». «Wir haben als Vorsichtsmassnahme einige Dokumente sichergestellt.» Um welche Unterlagen es sich dabei handelt, wollte Schmid nicht bekanntgeben.

Weder Bulat Tschagajew noch sein Anwalt François Canonica wollten sich gegenüber dem Blatt zu den Hausdurchsuchungen äussern. Die Direktorin der Firmen liess lediglich ausrichten, dass sie nicht autorisiert sei, Fragen zu beantworten.

Strafverfahren auch in Neuenburg?

Wie seine Kollegen in Genf war auch der Neuenburger Staatsanwalt Pierre Aubert am Montag nicht untätig. Er liess sich vom Zivilgericht das in den Medien angezweifelte Dokument der Bank of America aushändigen, wie der Lokal-TV-Sender «Canal Alpha» berichtete. Aubert wird am Dienstag entscheiden, ob auch er ein Verfahren gegen Tschagajew eröffnet.

Die Strafjustiz zeigt sich also gleich in zwei Kantonen höchstgradig interessiert an Tschagajews zweifelhafter Bescheinigung. Bei der Entscheidung des Zivilgerichts Neuenburg, das letzte Woche einen Konkursantrag gegen Xamax ablehnte, schien das Dokument allerdings keine Rolle gespielt zu haben. Wie «Le Temps» schreibt, tauche in der achtseitigen Begründung von Richter Bastien Sandoz kein Verweis auf die angezweifelte Bescheinigung auf. Das Urteil wurde aus anderen Gründen gefällt. Vor der Pleite gerettet hatte die Neuenburger das Auszahlen der Löhne, die Regelung der Forderungen der 35 Gläubiger und vor allem das Auftauchen von 1,3 Millionen Franken auf dem Konto des Vereins.

Demnach hatte Tschagajew am 27. Oktober, zwei Tage nach der Anhörung, einmal mehr im letzten Moment die Sache geregelt. Der Richter hielt allerdings trotz Nichteintreten auf den Konkursantrag fest, dass «die Finanzlage des Vereins prekär bleibt».

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