Verhältnisse bei Xamax: «Tschagajew macht auch den Trainingsplan»
Aktualisiert

Verhältnisse bei Xamax«Tschagajew macht auch den Trainingsplan»

Anfang September wurde der ehemalige Pressechef und Generalsekretär Marc Imwinkelried bei Xamax entlassen. Nun holt er zum Rundumschlag aus und sagt, wie es bei Xamax hinter den Kulissen abläuft.

von
pre

Anfang Saison nahm Marc Imwinkelried seine Arbeit als Pressechef bei Neuchâtel Xamax auf. Im Laufe der Umstrukturierungen, die der tschetschenische Klubbesitzer Bulat Tschagajew vornahm, wurde der ehemalige Gemeindeschreiber von St-Blaise auf den Posten des Generaldirektors gesetzt. Nur eine Woche später teilte Tschagajew Imwinkelried mit, dass er ab Ende September bei Xamax nicht mehr erwünscht sei.

Imwinkelried arbeitete bei Xamax an vorderster Front, Einblicke in die finanzielle Situation des Superligisten hatte er aber keine. «Sogar als Generaldirektor hatte ich nie Zugang zu den Konten oder anderen Schriften. Das gibt eine gewisse Vorstellung von der Undurchsichtigkeit», sagt Imwinkelried im Interview mit 20 minutes online.

Die 3,2 Millionen Franken Schulden, die Xamax offenbar noch begleichen muss, waren für ihn im Gegensatz zu Tschagajew aber keine Überraschung. «Man wusste, dass der Klub gewissen Lieferanten mehrere Millionen schuldete. Tschagajew hat naiverweise geglaubt, dass er nur die Aktiven des Vereins übernimmt. Aber so läuft das nun mal nicht.» Ein weiteres Problem sei, dass im Klub alle Angst vor Tschagajew hätten. Auch die engsten Vertrauten Satujew und Rudakow. «Diese Angst führt dazu, dass sie ihm nicht die ganze Wahrheit sagen», so Imwinkelried.

Tanzvideo bei Xamax

Tschagajew führt den Verein von Genf aus

Doch nicht nur in der Führungsetage herrschen bei Xamax chaotische Zustände, auch im sportlichen Bereich sind die Zuständigkeiten offenbar nicht klar abgegrenzt. «Tschagajew macht den Trainingsplan von Genf aus, ohne auch nur die geringsten Ruhephasen einzuberechnen. Das ist den Spielern nicht zuzumuten und einer der Gründe, der den Konflikt mit Joaquin Caparros ausgelöst hat», schildert Imwinkelried.

Doch Imwinkelrieds Kritik richtet sich nicht in erster Linie an Tschagajew, sondern vielmehr an dessen «Stellvertreter» Islam Satujew. «Wenn Xamax zugrunde geht, liegt das vor allem an ihm», sagt der ehemalige Generalsekretär. «Für Tschagajew ist es schwierig, den Klub aus Genf zu führen, aber mit Stellvertretern wie Satujew ist es gar unmöglich. Wie soll man einen Verein leiten, wenn man keine Ahnung hat?»

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