Ehrenpräsident Facchinetti: «Tschagajew muss Geld in die Hand nehmen»
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Ehrenpräsident Facchinetti«Tschagajew muss Geld in die Hand nehmen»

Der langjährige Präsident Gilbert Facchinetti macht sich grosse Sorgen um Xamax. Im Notfall will er selbst einschreiten – erstmal soll aber Bulat Tschagajew zu seiner Verantwortung stehen.

von
ete

Xamax steht tief in der Kreide. Zumindest vermeldete das «Le Matin dimanche» in seiner letzten Ausgabe. Die Ausstände der Neuenburger belaufen sich auf rund 3,2 Millionen Franken. Auf dem Auszug des Betreibungsregisters sollen 25 Gläubiger, darunter lokale Unternehmen, das Bundesamt für Finanzen und die kantonale Arbeitslosenkasse, stehen. Ausserdem warten Spieler und Trainer, die unlängst entlassen worden waren, noch immer auf ihre Gelder. Laut diesen Zahlen ist der Klub derart überschuldet, dass er die Bilanzen deponieren müsste.

Tschagajew soll zu seiner Verantwortung stehen

Das will Gilbert Facchineti verhindern. «Xamax darf nicht Konkurs gehen. Der neue Eigentümer hat mit der Übernahme alle Aktiven und auch Passiven übernommen und muss nun zu seiner Verantwortung stehen», so der langjährige Xamax-Präsi zu 20 Minuten Online. «Ich kenne die Bilanzen nicht. Aber das ist normales Geschäftsgebaren, wie in jedem anderen Unternehmen auch.» Und wenn, wie «Le Matin» weiter berichtet, die meisten Betreibungen aus der Zeit nach der Übernahme des neuen Besitzers Bulat Tschagajew stammen sollen, sowieso.

«Ich werde Xamax nicht im Stich lassen», betont der 75-Jährige. «Aber erst ist es an Herrn Tschagajew zu zeigen, dass er das Geld hat. Er muss die von der Liga gewünschten Bankgarantien hinterlegen, da kommt er nicht drum herum.» Die tschetschenische Führung ignoriere zwar seit ihrer Übernahme die Sitzungen des SFL-Komitees, aber an die Vorgaben der Swiss Football League muss sich auch Tschagajew halten, ansonsten ist die Lizenz in Gefahr. Drohungen wie zuletzt vor dem Spiel gegen GC, dass Tschagajew den Klub nach einer Niederlage einfach auflösen würde, möchte Facchinetti aus der Distanz nicht beurteilen und sagt nur: «So einfach wie Herr Tschagajew sich das vorstellt, geht das nun auch wieder nicht.»

Bernasconi habe Xamax Tschagajew eingebrockt

Facchinetti ist traurig, dass es mit Xamax überhaupt so weit gekommen ist. 1979 wurde der Bauunternehmer zum Präsidenten gewählt und führte Xamax wie ein grosses Familienunternehmen. Er investierte viel Geld, Zeit und vor allem Leidenschaft in den Klub. Vor sechs Jahren übergab er die Klubleitung an Sylvio Bernasconi, der sich aber nie die Akzeptanz in der Region verschaffen konnte. Mit dem Verkauf des Vereins an die Tschetschenen zog sich Bernasconi aus der Affäre. «Wo ist Sylvio Bernasconi jetzt», fragt Facchinetti rhetorisch. Sein ungeliebter Nachfolger habe Xamax die Übernahme durch Tschagajew überhaupt erst eingebrockt und nun liesse er sich nie mehr im Umfeld der Neuenburger blicken.

Zusätzlich sehr beunruhigend findet Facchinetti auch den Umstand, dass sich Tschagajew mit dem tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow überworfen hat. Der Machthaber wirft Tschagajew vor, dass er seinen Verpflichtungen bei Terek Grosny nicht nachgekommen sei, für die er auch von Kadyrow Geld erhalten habe. Tschagajew habe «sein Geld gefressen», behauptete der Machthaber im Staatsfernsehen. Bei der Super League hat Tschagajew nun bis Ende Jahr Zeit vorzuweisen, ob er das Geld wirklich hat, Xamax am Leben zu erhalten.

«Monsieur Xamax» will handeln

Doch darauf verlässt sich Facchinetti zusammen mit anderen Neuenburgern nicht mehr. «Monsier Xamax» und lokale Unternehmer denken bereits über Wege nach, Xamax zurückzukaufen. Facchinetti erklärt: «Das könnte passieren. Wir sind mit anderen Leuten dran nach Möglichkeiten zu suchen. Noch ist nichts spruchreif, aber ich bin sehr zuversichtlich.»

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