Aktualisiert 07.06.2007 17:52

Tschechien überrascht von Putin-Angebot

Der tschechische Regierungschef Mirek Topolanek hat das Angebot des russischen Präsidenten Wladimir Putin an die USA, ein gemeinsames Raketenabwehrsystem in Aserbaidschan aufzubauen, mit Zurückhaltung aufgenommen.

Sollten die USA im Gegenzug auf die geplante Stationierung einer Radaranlage in Tschechien verzichten, könnte dies ein Versuch von Putin sein, Mitteleuropa als russische Einflusssphäre wiederzugewinnen, sagte er am Donnerstag in Prag. Grundsätzlich aber sei Putins Bereitschaft, mit US-Präsident George W. Bush über das umstrittene System zu verhandeln, ein Durchbruch.

Tschechiens Verteidigungsministerin Vlasta Parkanova nannte die Initiative «einen Blitz aus heiterem Himmel»: «Aber ich begrüsse die Möglichkeit einer breiteren Zusammenarbeit an diesem Projekt.»

Der aussenpolitische Sprecher der in Prag mitregierenden Grünen- Partei (SZ), Ondrej Liska, sagte, das Angebot bestätige, dass es derzeit keinen «Kalten Krieg» gebe. Es bleibe die Frage, warum NATO und EU nicht von Beginn an konsultiert worden seien. Umfragen zufolge sind zwei Drittel der Tschechen gegen die Stationierung eines US-Radars.

Putin hatte Bush den Vorschlag am Donnerstag am Rande des G8- Gipfels unterbreitet. Die USA müssten dann aus Moskauer Sicht nicht mehr das geplante Raketenabwehrsystem in Mitteleuropa aufbauen und Russland würde dann weiter darauf verzichten, seine Raketen auf konkrete Ziele in Europa zu programmieren, hatte der russische Präsident gesagt. Bush nannte das Angebot eine «interessante Idee».

(sda)

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