Aktualisiert 17.09.2007 15:57

Tschernobyl: Neuer Sarg für Todesreaktor

Über Jahrzehnte nach der verheerenden Atomkatastrophe von Tschernobyl erhält der Unglücksreaktor in der Ukraine eine neue Schutzhülle. Unter dem riesigen Betonsarkophag hätte ein Fussballstadion Platz.

Bauen soll ihn die französische Baufirma Novarka. «Wir haben heute den ersten Stein für den Bau eines sicheren Sarkophags gelegt», sagte Präsident Viktor Juschtschenko am Montag nach Angaben der Agentur Interfax bei der Vertragsunterzeichnung.

Der Schutzmantel soll nach der schlimmsten Katastrophe in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie vor 21 Jahren verhindern, dass radioaktive Partikel aus den Überresten des Reaktors austreten.

200 Tonnen radioaktives Material

Die alte, nach der Reaktorexplosion im April 1986 provisorisch gegossene Schutzhülle ist durch die Witterung mittlerweile durchlässig geworden. Unter ihr lagern nach Expertenschätzungen 200 Tonnen radioaktives Material.

Kosten soll der neue Sarkophag 505 Millionen Dollar (601 Mio. Franken). Finanziert wird er von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE). Sie rechnet insgesamt mit Kosten von 1,39 Milliarden Dollar (1,65 Mrd. Fr.), um die Folgen des Unfalls zu bewältigen.

Dazu gehört auch ein Lager für abgebrannte Brennelemente der übrigen drei Reaktoren von Tschernobyl, das die US-Firma Holtec International bauen soll. Der letzte Block ging im Dezember 2000, 16 Jahre nach der Katastrophe, vom Netz.

Sarkophag auf Schienen

Die neue Schutzhülle ist nach Angaben der EBWE 105 Meter hoch und 150 Meter lang. Sie wiegt 18 000 Tonnen. Sie könne 100 Jahre halten.

Aus Sicherheitsgründen wird die Hülle ausserhalb der kontaminierten Zone gebaut, um dann über Schienen über den Sarkophag geschoben zu werden. Die Bauarbeiten sollen Ende des Jahres beginnen und viereinhalb Jahre dauern.

Im Atomkraftwerk Tschernobyl, 100 Kilometer nördlich von Kiew, war am 26. April 1986 der vierte Reaktorblock nach einem fehlgeschlagenen Experiment explodiert. Die Katastrophe forderte nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation zwischen 14 000 und 17 000 Menschenleben.

Die radioaktive Wolke traf Millionen Menschen in Nord- und Osteuropa, auch in der Schweiz wurde erhöhte Strahlung gemessen. In der Grenzregion zwischen der Ukraine und Weissrussland leiden bis heute viele Menschen an den Folgen des Gaus. (sda)

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