Kilchberg ZH: Tschetschenische Kinder wollen zurückkommen

Aktualisiert

Kilchberg ZHTschetschenische Kinder wollen zurückkommen

Vier Kinder aus Tschetschenien, die nach Russland ausreisen mussten, wollen wieder in die Schweiz. Sie haben ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung und Familiennachzug gestellt.

1 / 4
Die tschetschenischen Mädchen Marha (rechts) und Linda (links) - hier auf einer Aufnahme von 2015 - mussten die Schweiz am 9. Juni 2016 verlassen. Ihre Freundin Melanie (Mitte) und Einwohner aus Kilchberg kämpften über Monate dafür, dass sie bleiben dürfen.

Die tschetschenischen Mädchen Marha (rechts) und Linda (links) - hier auf einer Aufnahme von 2015 - mussten die Schweiz am 9. Juni 2016 verlassen. Ihre Freundin Melanie (Mitte) und Einwohner aus Kilchberg kämpften über Monate dafür, dass sie bleiben dürfen.

Sabina Bobst
Viele Kilchberger setzten sich für die gut integrierte Familie ein - vergeblich.

Viele Kilchberger setzten sich für die gut integrierte Familie ein - vergeblich.

hierzuhause.ch
Ausser mit der Internetseite gingen die Freunde von Marha und ihren Geschwistern im Herbst 2015 auch auf der Strasse auf Unterschriftenfang.

Ausser mit der Internetseite gingen die Freunde von Marha und ihren Geschwistern im Herbst 2015 auch auf der Strasse auf Unterschriftenfang.

hierzuhause

Es habe sich gezeigt, dass sich die Integration in Russland sprachlich und kulturell äusserst schwierig gestalte, schreibt das Komitee hierzuhause.ch am Sonntag. Dieses wurde von Eltern aus Kilchberg gegründet, um sich für den Verbleib der tschetschenischen Familie und insbesondere der Kinder Anvar, Marha, Linda und Mansur einzusetzen.

In Russland lebe die Familie in ständiger Angst vor einem Zugriff durch die Behörden. Die Kinder fühlten sich fremd, könnten kein Russisch und litten an Heimweh. «Die Furcht vor dem Regime in Tschetschenien begleitet uns auf Schritt und Tritt», wird der Vater in der Mitteilung zitiert. «Wir möchten nicht, dass unsere Kinder in dieser Unsicherheit und Ungewissheit aufwachsen», sagte er weiter.

Vater sei in Tschetschenien gefoltert worden

Das Gesuch beim Zürcher Migrationsamt sei für die Schweizer Rechtsprechung einzigartig, schreibt das Komitee. Es habe nichts mit dem Asylverfahren zu tun und falle in die Zuständigkeit der Zürcher Sicherheitsdirektion. Regierungsrat Mario Fehr (SP) habe nun allen nötigen Ermessensspielraum, «um den humanitär einzig richtigen Entscheid zu fällen und das Gesuch zu bewilligen», sagte Komitee-Mitglied Ronie Bürgin.

Die Familie hatte vor fast fünf Jahren nach langer Flucht in der Schweiz mit der Begründung um Asyl gebeten, der Vater der Familie sei in Tschetschenien gefoltert worden und in seinem Heimatland latent gefährdet. Drei der Kinder gingen in Kilchberg in die Primar- oder Sekundarschule, das jüngste kam in der Schweiz zur Welt. Das Komitee bezeichnet die Familie als herzlich und hilfsbereit. Sie sei in der Gemeinde «bestens integriert» gewesen. 2014 lehnte das Bundesverwaltungsgericht das Asylgesuch der Familie letztinstanzlich ab. (sda)

Deine Meinung