Emotionaler Appell in Italien – «Tschüss Mama» – das hinterlassen Covid-Tote auf den Intensivstationen
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Emotionaler Appell in Italien«Tschüss Mama» – das hinterlassen Covid-Tote auf den Intensivstationen

Das Gesundheitsamt von Piacenza in Italien hat Hunderte von persönlichen Gegenständen von Covid-Erkrankten, die nach deren Zeit auf den Intensivstationen liegen blieben, gesammelt. Nun werden die Hinterbliebenen gesucht.

von
Karin Leuthold
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«Tschüss Mama, pass auf dich auf, bis bald» – diesen Brief zusammen mit einem Foto fand das Pflegepersonal einer Intensivstation in Piacenza. Wer hat diesen Abschiedsbrief geschrieben? Das versucht die lokale Gesundheitsdirektion nun herauszufinden.

«Tschüss Mama, pass auf dich auf, bis bald» – diesen Brief zusammen mit einem Foto fand das Pflegepersonal einer Intensivstation in Piacenza. Wer hat diesen Abschiedsbrief geschrieben? Das versucht die lokale Gesundheitsdirektion nun herauszufinden.

Facebook/AuslPc
Die goldenen Eheringe von Giovanni und Pasqualina. Darauf sind die Namen und dasselbe Datum eingraviert. Sie waren auf einer Intensivstation gefunden worden, das Paar muss zur selben Zeit eingeliefert worden sein.

Die goldenen Eheringe von Giovanni und Pasqualina. Darauf sind die Namen und dasselbe Datum eingraviert. Sie waren auf einer Intensivstation gefunden worden, das Paar muss zur selben Zeit eingeliefert worden sein.

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Eine kleine Kartonbox mit einem Schmuckstück. Wer hat einen Verwandten an Covid-19 verloren, dem dies gehörte?

Eine kleine Kartonbox mit einem Schmuckstück. Wer hat einen Verwandten an Covid-19 verloren, dem dies gehörte?

Facebook/AuslPc

Darum gehts

  • Hunderte von persönlichen Gegenständen, die einst einem Corona-Patienten oder einer -Patientin gehörten, warten darauf, abgeholt zu werden.

  • Die Gesundheitsdirektion von Piacenza in Italien hat nun einen Appell auf Facebook gemacht.

  • Die Objekte haben für die Hinterbliebenen einen sehr hohen emotionalen Wert.

938 Menschen starben zwischen Februar und Juni dieses Jahres an Covid-19 auf den Intensivstationen von Spitälern im italienischen Piacenza. Das Pflegepersonal ist nach dem Tod eines Patienten oder einer Patientin angewiesen, die persönlichen Gegenstände des Verstorbenen an die Angehörigen weiterzugeben. Eine Brille, Schuhe und Kleider, ein Brief, das Handy, Fotos, ein Portemonnaie oder ein Necessaire. Alles wird in Säcke eingepackt und bei der Gesundheitsdirektion abgegeben, damit Verwandte die Gegenstände abholen können.

500 Säcke wurden im Laufe des vergangenen Frühlings gesammelt. Wie «Corriere della Sera» berichtet, seien rund 70 Prozent der emotionalen Wertgegenstände von Angehörigen identifiziert und abgeholt worden. Doch 60 Säcke liegen noch in den Büros der Gesundheitsdirektion von Piacenza, ohne dass jemand die persönlichen Gegenstände reklamiert.

Wer waren Giovanni und Pasqualina?

Nun hat die Behörde einen emotionalen Appell auf Facebook lanciert und Fotos einiger Objekte veröffentlicht. Da finden sich etwa die goldenen Eheringe von Giovanni und Pasqualina. Die Goldringe haben die Namen und dasselbe Datum eingraviert. Der Schmuck war auf einer Intensivstation gefunden worden, das Paar muss zur selben Zeit eingeliefert worden sein.

«Wir haben versucht, alle Personen mit diesen Namen ausfindig zu machen, die während der Corona-Notlage in die Spitälern eingeliefert worden waren. Aber als wir einige Verwandte kontaktierten, konnten wir kein Paar finden, das in jenem Jahr geheiratet hatte», sagt Elisabetta Tinelli von der Rechtsabteilung. Tinelli vermutet, dass es sich vielleicht um einen verstorbenen Patienten oder einer Patientin handeln könnte, der die Ringe seiner Eltern mitbrachte, als er eingeliefert wurde. «Es bleibt ein Rätsel», so die Anwältin.

«Tschüss Mama, pass auf dich auf»

Wer einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf hat und um sein Leben kämpfen muss, hat oftmals keine Zeit, um sich von seiner Familie zu verabschieden. Patienten und Patientinnen müssen oft ins Koma versetzt werden, um intubiert zu werden, ohne dass sie ihre Liebsten umarmen können. Wenn Spitalbesuche nicht erlaubt sind, ist eine schriftliche Mitteilung die einzige Möglichkeit, etwas für die besorgten Angehörigen zu hinterlassen.

Unter den herrenlosen Gegenständen hat das Pflegepersonal ein Foto gefunden, auf dem drei Personen zu sehen sind. Dazu ein Brief: «Tschüss Mama, pass auf dich auf, bis bald.» Bis heute ist unklar, ob der Patient oder die Patientin genesen und aus dem Spital entlassen wurde. «Es wäre so oder so wichtig, einen Verwandten ausfindig zu machen, um ihm oder ihr das Foto zu geben, das sicherlich Symbol für einen sehr bedeutsamen Moment ist», sagt die Juristin des Gesundheitsamtes.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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