Presseschau : «Tsipras bleibt jetzt nur noch Kleinkunst»
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Presseschau «Tsipras bleibt jetzt nur noch Kleinkunst»

Die Griechen haben Alexis Tsipras erneut ihr Vertrauen ausgesprochen. Was wird er mit diesem Sieg machen? Die internationale Presse kommentiert vorsichtig optimistisch.

von
mlr
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«Spiegel online» versucht die positiven Seiten der Griechenland-Wahl zu sehen: «Wenn Politik die Kunst des Möglichen ist, dann bleibt Tsipras jetzt nur noch Kleinkunst. Schön ist das nicht. Fremdbestimmung gefährdet die Demokratie, die extrem niedrige Wahlbeteiligung vom Sonntag ist ein erstes Anzeichen dafür. Doch in Tsipras' begrenzten Möglichkeiten steckt auch eine Chance: Er kann jetzt eine eigene Handschrift für die Reformen zu Hause entwickeln, statt weiter den Kurs der gesamten europäischen Politik verändern wollen zu müssen.»

«Spiegel online» versucht die positiven Seiten der Griechenland-Wahl zu sehen: «Wenn Politik die Kunst des Möglichen ist, dann bleibt Tsipras jetzt nur noch Kleinkunst. Schön ist das nicht. Fremdbestimmung gefährdet die Demokratie, die extrem niedrige Wahlbeteiligung vom Sonntag ist ein erstes Anzeichen dafür. Doch in Tsipras' begrenzten Möglichkeiten steckt auch eine Chance: Er kann jetzt eine eigene Handschrift für die Reformen zu Hause entwickeln, statt weiter den Kurs der gesamten europäischen Politik verändern wollen zu müssen.»

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Das «Handelsblatt» sieht Tsipras' Partei in Gefahr: «Die griechischen Wähler haben Tsipras ein klares Regierungsmandat gegeben. Sie verweigerten ihm aber die absolute Mehrheit, um die er gekämpft hatte. Das ist gut so. Denn keine Partei kann Griechenlands Probleme allein lösen. Schon gar nicht das zerrissene Linksbündnis Syriza, das am Streit über das neue Spar- und Reformprogramm zu zerbrechen droht. (...) Ihr Zusammenhalt könnte schon bald auf eine kritische Probe gestellt werden – wenn nämlich in den nächsten Wochen die Verabschiedung weiterer unpopulärer Reform- und Sparmassnahmen ansteht.»

Das «Handelsblatt» sieht Tsipras' Partei in Gefahr: «Die griechischen Wähler haben Tsipras ein klares Regierungsmandat gegeben. Sie verweigerten ihm aber die absolute Mehrheit, um die er gekämpft hatte. Das ist gut so. Denn keine Partei kann Griechenlands Probleme allein lösen. Schon gar nicht das zerrissene Linksbündnis Syriza, das am Streit über das neue Spar- und Reformprogramm zu zerbrechen droht. (...) Ihr Zusammenhalt könnte schon bald auf eine kritische Probe gestellt werden – wenn nämlich in den nächsten Wochen die Verabschiedung weiterer unpopulärer Reform- und Sparmassnahmen ansteht.»

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Der «Guardian» konstatiert: «Das Ergebnis der zweiten Griechenland-Wahl in diesem Jahr deutet darauf hin, dass Premierminister Alexis Tsipras eine politische Langlebigkeit besitzt, die nur wenige hätten voraussagen können – und dass ein Grossteil der griechischen Gesellschaft bereit ist, ausserordentlich geduldig mit ihm zu sein.»

Der «Guardian» konstatiert: «Das Ergebnis der zweiten Griechenland-Wahl in diesem Jahr deutet darauf hin, dass Premierminister Alexis Tsipras eine politische Langlebigkeit besitzt, die nur wenige hätten voraussagen können – und dass ein Grossteil der griechischen Gesellschaft bereit ist, ausserordentlich geduldig mit ihm zu sein.»

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Nach dem überraschend klaren Sieg der linken Syriza-Partei soll die Regierungsbildung in Athen schnell vonstattengehen. Bereits einen Tag nach der Wahl soll Syriza-Chef Alexis Tsipras der Auftrag dafür übertragen werden. Tsipras hatte bereits am Sonntagabend ein Bündnis mit seinem bisherigen Koalitionspartner angekündigt, den Unabhängigen Griechen (Anel). Die rechtspopulistische Partei erklärte sich dazu bereit. Die internationale Presse sieht Tsipras unter Druck.

Die konservative Pariser Zeitung «Le Figaro» kommentiert den Sieg der Syriza-Partei: «Die Frage ist, was Alexis Tsipras mit diesem Sieg machen will. Seine Kapitulation vor den Gläubigern hat ihn nicht daran gehindert, sich als charismatischer Führer durchzusetzen, der nahezu eine nationale Einheit hinter einem Rettungsplan vereinen konnte, der ohne jeden Spielraum verhandelt wurde. Da er versprochen hat, ihn zu respektieren – wenn er auch, um etwas Raum für Träume zu lassen, von einigen Grauzonen spricht –, wäre es beruhigend, wenn er die stabilstmögliche Koalition eingeht. Unser Interesse an dem, was in Griechenland passiert, ist alles andere als abstrakt: Es lässt sich in Milliarden zählen – den 86 Milliarden Euro, die bis 2018 versprochen wurden, zusätzlich zu den 260 Milliarden Euro, die seit 2010 ausgezahlt wurden.»

Die deutsche «Tageszeitung» fragt: «War das Scheitern der Regierung nicht geradezu zwangsläufig angelegt? Alexis Tspiras hat viele Fehler gemacht. Das Referendum gegen die EU-Sparauflagen war so erfolgreich wie fruchtlos. Das Steuersystem ist immer noch ungerecht. Tatsache ist aber auch, dass die Elite innerhalb der EU zu keiner Zeit dazu bereit war, die griechischen Forderungen nach einem Ende der Spirale des Sparens bis ins Elend auch nur ernsthaft zu diskutieren. So blieb einer linken Regierung nur, die alten Rezepte fortzuführen, deren Abschaffung sie sich selbst zum Ziel gesetzt hatte, und die den Patienten noch siecher machen wird, als er ohnehin schon ist. Dass Tsipras am Ende diese durchaus falsche Politik exekutiert hat, ist ihm hoch anzurechnen. Denn die Alternative – eine Rückkehr zur Drachme – hätte für das Land in einem noch furchtbareren Desaster geendet.»

Lesen Sie weitere Kommentare aus der internationalen Presse in der Bildstrecke. (mlr/afp)

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