Aktualisiert 12.02.2015 13:38

Krisensitzung in Brüssel

Tsipras spricht von Kompromissen

Das Krisentreffen der Euro-Finanzminister zu Griechenland ging noch nicht mal mit einer gemeinsamen Abschlusserklärung zu Ende. Die Börsen reagieren gelassen.

Der Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hatte Ambitionen, sich mit Griechenland auf nächste Schritte zu einigen: «Aber unglücklicherweise waren wir nicht imstande, das zu tun.»

Der Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hatte Ambitionen, sich mit Griechenland auf nächste Schritte zu einigen: «Aber unglücklicherweise waren wir nicht imstande, das zu tun.»

Das Krisentreffen der Eurozonen-Finanzminister zu Griechenland ist noch nicht mal mit einer gemeinsamen Erklärung beendet worden, die Finanzmärkte reagierten darauf bis Donnerstagmittag aber gelassen. Am Montag soll weiter verhandelt werden, und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras räumte ein, dass eine Lösung nur mit Zugeständnissen beider Seiten möglich sei. Die Athener Börse machte die Verluste vom Vortag wieder wett und verzeichnete einen Kursanstieg von drei Prozent.

«Wir müssen eine Lösung finden, die die Positionen beider Seiten respektiert», sagte Tsipras. «Diese Vereinbarung muss also auf den innersten Werten Europas gründen - Demokratie und die Wahlentscheidung des Volkes - und ebenso auf der Notwendigkeit, die europäischen Regeln zu respektieren.» Beim letzten Punkt war der neuen Athener Linksregierung heftiger Gegenwind entgegengeweht. Der belgische Finanzminister Johan van Overtveldt hatte vor den Beratungen erklärt, wenn Griechenland sich nicht an die Regeln einer Währungsunion halten wolle, könne es gehen.

Varoufakis bleibt optimistisch

Obwohl das Krisentreffen ohne auch nur einer Spur der Annäherung am frühen Morgen beendet wurde, zeigte sich der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis alles andere als entmutigt. Eine Einigung beim ersten Treffen habe niemand erwartet, sagte er. «Wir hatten eine sehr konstruktive und umfangreiche Diskussion über alle Facetten der griechischen Krise und die Art und Weise, mit der die Eurogruppe den Übergang zu einer neuen Phase in der Geschichte der griechischen Sozialwirtschaft erleichtern kann», bilanzierte er. Es gehe darum, nicht nur die Schuldenkrise, sondern auch die damit verbundene humanitäre Krise der Griechen zu überbrücken.

Der Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sagte, detaillierte Vorschläge seien nicht diskutiert worden. Die Ambition sei gewesen, sich auf nächste Schritte zu einigen. «Unglücklicherweise waren wir nicht imstande, das zu tun. Deshalb werden wir unsere Gespräche am Montag fortsetzen und von dort aus weitergehen.»

Tsipras' Versprechen

Tsipras hatte im Wahlkampf versprochen, sich für Veränderungen bei den Sparmassnahmen einzusetzen. Trotz einer bescheidenen Rückkehr zum Wachstum ist die griechische Wirtschaft in der Krise um 25 Prozent geschrumpft. Armut und Arbeitslosenquote sind deutlich angestiegen. Die Staatsverschuldung steht bei 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ohne Kredite von aussen kann Athen die Schulden nicht bedienen.

Die Finanzminister wollen sich am Montag noch einmal treffen, nachdem bereits an diesem Donnerstag die europäischen Staats- und Regierungschefs zu einem EU-Gipfel in Brüssel zusammenkamen - unter ihnen auch erstmals Tsipras. Varoufakis signalisierte seine Hoffnung, dass am Montag Fortschritte erzielt werden können.

«Schwierige Gespräche»

Van Overtveldt sagte, das nächste Treffen am Montag könne jegliche Richtung einschlagen. «So wie es heute war, ging es von links nach rechts und von oben nach unten, und so ist es schwierig, einen Mittelwert daraus zu ziehen. Aber es wird weiterhin eine sehr schwierige Diskussion sein», sagte er.

Öffentliche Unterstützung erhält die griechische Regierung aus der Heimat, wo am Mittwochabend Tausende Menschen auf die Strassen gingen. Die Finanzmärkte beobachten seit zwei Wochen nervös die Lage. Am Dienstag gab es grosse Kursanstiege, am Mittwoch ging es dagegen abwärts. Die Athener Börse verzeichnete Rückgänge um die 3 Prozent. Am Donnerstagmittag war dieser Rückgang wieder ausgeglichen.

Der Chefanalyst für Kreditstrategien der LNGCapital, Gary Jenkins, sagte am Donnerstag, ein Deal der Linksregierung mit ihren Kreditgebern sei machbar. Das Ganze könnte sich aber auch zu einem Fall entwickeln, «in dem Hochmut wirklich vor dem Fall kommt». (sda)

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