Aktualisiert 24.01.2008 13:06

Tsonga streckt Nadal nieder

Jo-Wilfried Tsonga sorgt mit einer Gala-Vorstellung gegen Rafael Nadal für eine grosse Überraschung. Der Franzose deklassiert Nadal in 1:57 Stunden. Damit hilft er auch Federer längerfristig.

Tsongomania im Melbourne Park: Der 22-jährige Jo-Wilfried Tsonga (Fr/ATP 38) entzückte im Australian-Open-Halbfinal erneut. Mit einer schier unglaublichen Leistung deklassierte er Rafael Nadal 6:2, 6:3, 6:2.

Rafael Nadal spielte nicht einmal schlecht. In den ersten zwei Sätzen unterliefen ihm bloss vier unerzwungene Fehler. Am Ende, nach weniger als zwei Stunden (1:57), totalisierte er zwölf unforced errors. Aber Jo-Wilfried Tsonga entpuppte sich wie schon zuvor gegen Andrew Murray (1. Runde), Richard Gasquet (Achtelfinal) und Michail Juschni (Viertelfinal) als unwiderstehlicher Kraftmeier. Tsonga fegte Nadal vom Platz. Der Kraftprotz fügte dem ein Jahr jüngeren, aber viel routinierteren Gegner die klarste Niederlage an einem Grand-Slam-Turnier zu. Er tat dies mit 17 Aufschlag-Assen und total 49 Gewinnschlägen. Ausserdem bewegt sich Tsonga für seine Grösse (1,87 m) und sein Gewicht (90 kg) erstaunlich gut.

«Ein enormes Spiel»

«Mir gelang in jeder Beziehung ein enormes Spiel», resümierte Tsonga. «Heute hätten mich nicht viele aufhalten können.» Tsonga begann unwiderstehlich und zog sogleich auf 3:0 davon. Im zweiten Satz gelang ihm das einzige Break zum 5:3. Rafael Nadal besass seine einzige kleine Chance im ganzen Spiel zu Beginn des dritten Satzes, als er sich drei Breakmöglichkeiten für eine 2:0-Führung erspielte. Tsonga wehrte diese aber mit starken Aufschlägen ab und realisierte daraufhin die entscheidenden Servicedurchbrüche zum 2:1 und 5:2.

Dem Übernamen «Ali» machte Tsonga nicht nur wegen der offensichtlichen Ähnlichkeit mit Cassius Clay alle Ehre. Beim Stand von 2:1 im zweiten Satz stierte er Nadal beim Seitenwechsel im Stil der grossen Boxer in die Augen. Schon vor dem Spiel hatte Tsonga in die Psycho-Kiste gegriffen. Als sich Nadal in der Garderobe aufwärmte, warnte er ihn: «Coco, pass auf, dass du dich nicht zu sehr verausgabst, denn heute bin ich in Form.»

Solche Geschichten und derartigen Wagemut mögen die Australier. Und «Ali» Tsonga geniesst die grosse Aufmerksamkeit, die ihm in Melbourne seit dem ersten Spieltag und dem unerwarteten Sieg gegen den Weltranglisten-Neunten Andy Murray zuteil wird. Er geniesst den Support der Fans, denn «ich bin ein junger Spieler und habe das vorher noch nicht erlebt. Viele wären sicher gerne da, wo ich jetzt stehe.»

Melbourne: Turnier der Überraschungen

Tsonga, die Weltnummer 38, steht zum ersten Mal im Final eines grossen Turniers. Gegen Federer oder Djokovic spielte er noch nie. Erstmals machte er im letzten Sommer auf sich aufmerksam, als er in Queens Titelverteidiger Lleyton Hewitt auf Rasen in der zweiten Runde ausschaltete.

Jo-Wilfried Tsonga setzt die Liste der Überraschungs-Finalisten am Australian Open nahtlos fort. Er ist bereits der achte in den letzten zehn Jahren nach Thomas Enqvist (1999), Arnaud Clément (2001), Thomas Johansson (2002), Rainer Schüttler (2003), Marcos Baghdatis (2006) und Fernando Gonzalez (2007). Nur Thomas Johansson vor sechs Jahren vermochte auch noch den Final zu gewinnen. Tsonga gibt sich für das Endspiel aber zuversichtlich: «Egal, ob der Gegner Federer oder Djokovic heissen wird - er hat auch nur zwei Hände und zwei Beine wie ich.»

Federers Nummer 1 für länger gesichert

Durch das Ausscheiden von Nadal im Halbfinal, kann Roger Federer bis auf weiteres nicht von der Weltranglisten-Spitze verdrängt werden - egal was an den Turnieren bis zum 10. März in Rotterdam oder Dubai geschieht. Danach hat Nadal in Indian Wells und Key Biscane sowieso 625 Punkte zu verteidigen, während Federer nur deren 80 Punkte aus diesen zwei Turnieren verteidigen muss. Kurz: Federers Position an der ATP-Spitze ist - wenn alles normal läuft - bis nach dem French Open gesichert.

Australian Open, Halbfinal

Rafael Nadal - Jo-Wilfried Tsonga 2:6, 3:6, 2:6

LIVE-TICKER

- Tsonga wirft Nadal mit einem letzten Ass aus dem Turnier!

- 40:15. Die ersten zwei Matchbälle für den Franzosen.

- 30:15.

- 30:0. Nadal chancenlos.

- 15:0 für Tsonga.

- Break für Tsonga. Was kann jetzt noch schief gehen für den Aussenseiter? Er kann zum Sieg aufschlagen.

- 15:40 aus Sicht Nadals. Tsonga mit den nächsten Breakchancen.

- Tsonga zeigt keine Nerven. Er hält seinen Aufschlag mühelos zum 4:2.

- Nadal bleibt dran. Er verkürzt auf 2:3.

- Tsonga hält seinen Service mit dem nächsten zu-Null-Game.

- Break für Tsonga. Nadal spielt die Vorhand ins Aus.

- Jetzt ist Nadal unter Druck: 15:40 bei eigenem Aufschlag.

- Tsonga zieht den Kopf aus der Schlinge und gleicht zum 1:1 aus.

- Tsonga rächt sich am Fehlentscheid des Schiedsrichters mit einem Ass zum Deuce und liefert noch ein zweites hinterher: Vorteil Tsonga.

- Tsonga mit einem Ass, aber der Schiedsrichter überstimmt den Linienrichter und gibt den Ball aus. Zweiter Aufschlag.

- Nadal kann aber auf Deuce stellen und holt sich danach seinen dritten Breakball mit einem herrlichen Longline-Schlag.

- Vorteil Tsonga.

- Deuce. Ein Service-Winner und Tsonga macht auch die zweite Möglichkeit Nadals zunichte.

- Nadal schiesst Tsonga am Netz ab, dieser trifft den Ball mit dem Rahmen und bringt den Ball noch ins Feld - erster Breakball abgewehrt. Unglaublicher Ballwechsel!

- Erste Breakbälle für Nadal beim Stand von 15:40.

- Nadal hält sein erstes Aufschlagspiel im dritten Satz und geht 1:0 in Führung.

- Tsonga nutzt seine erste Chance zum zweiten Satzgewinn. Der Franzose entzaubert Nadal. Der Spanier hatte bisher keine Chance gegen den Überraschungsmann, welcher das Publikum und wohl auch sich selbst ins Staunen bringt.

- 40:0. Das zwölfte Ass bringt drei Satzbälle.

- 30:0 - das elfte Ass.

- 15:0 für den Franzosen - mit dem zehnten Ass.

- Break für Tsonga. Der Franzose nutzt seinen nächsten Breakball zum 5:3 und schlägt jetzt zum Satzgewinn auf.

- Breakball für Tsonga - und wieder ein Traumball.

- 4:3. Tsonga beim eigenen Service zu stark: Nadal kam bisher nur einmal in die Nähe eines Breakballs.

- Nadal bringt das nächste Zitter-Game nach Hause: 3:3.

- Aber Tsonga demonstriert weiterhin seine Aufschlagstärke: 3:2.

- Nadal hält seinen Aufschlag erneut. Der Spanier scheint langsam im Spiel angekommen zu sein.

- Nadal ist zum ersten Mal an einem ersten Breakball dran. Er kann zweimal auf Deuce stellen beim Aufschlag des Franzosen, doch für den Game-Gewinn reicht es nicht.

- Nadal hält seinen Aufschlag und gleicht zum 1:1 aus.

- Nadal holt sich seinen zweiten Spielball.

- Wieder Deuce. Bereits zum dritten Mal.

- Vorteil Nadal. Ein unnötiger Fehler des Franzosen mit der Rückhand.

- Nadal kann auch diese Möglichkeit zum Servicedurchbruch abwehren.

- Ein schöner Netzangriff des Franzosen und schon hat er seinen nächsten Breakball.

- Tsongas Ball im Aus. Nadal stellt auf Deuce.

- Nächster Breakball für Tsonga.

- Tsonga macht im zweiten Satz dort weiter, wo er im ersten aufgehört hat: Er gewinnt sein Aufschlagspiel zu Null und geht mit 1:0 in Führung.

- Unglaublich! Tsonga nimmt Nadal das letzte Game zu Null ab und gewinnt den Satz in 32 Minuten. Standing Ovations beim Publikum für den Franzosen, der Nadal beim diesjährigen Australian Open als erster einen Satz abnehmen kann. Der Mallorquiner hatte bisher keine Chance gegen den 22-Jährigen.

- 0:40. Drei Breakbälle und damit drei Satzbälle für den Franzosen.

- 0:30 aus Sicht Nadals beim eigenen Service.

- Tsonga lässt beim eigenen Aufschlag nichts anbrennen: Er stellt mühelos auf 5:2.

- Nadal verkürzt auf 2:4. Aber das Verhältnis der Winner ist beispielsweise bei 14:4 für Tsonga.

- Tsonga spielt, als ob er die Nummer 2 der Welt wäre. Nadal ist nur in der Defensive. Mit einem Ass schreibt Tsonga das Game zum 4:1 zu Null.

- Nadal gewinnt sein erstes Game und verkürzt auf 1:3.

- Tsonga serviert stark und bestätigt das Break mühelos.

- Break für Tsonga. Traumstart für den Franzosen, welcher Nadal laufen lässt und einen Punkt schöner als der andere abschliesst.

- 40:30 für den Franzosen. Der erste Breakball der Partie.

- Tsonga stark: 30:0-Führung bei Aufschlag Nadal. Der Franzose scheint seine Nervösität bei den ersten beiden Punkten abgelegt zu haben.

- Tsonga hält seinen Aufschlag, obwohl er zu Beginn mit 0:30 zurück lag.

- Los geht's! Tsonga serviert.

- Nadal und Tsonga spielen sich ein. Im bisher einzigen Duell siegte Nadal beim US Open 2007 mit 7:6 (7:3), 6:2, 6:1.

- Die Spieler betreten den Center Court.

- In Kürze geht es los. Die Rod-Laver-Arena ist bereit für den ersten Halbfinal.

Vor dem Spiel

Rafael Nadal wird vom Überraschungsmann Jo-Wilfried Tsonga im Halbfinal des Australian Open gefordert. Der Franzose hat das Potenzial, um die Weltnummer 2 aus dem Turnier zu werfen.

Nadal eliminierte den Finnen Jarkko Nieminen in 2:24 Stunden 7:5, 6:3, 6:3. Der 21-Jährige aus Manacor de Mallorca erreichte erstmals auf Hartplatz die Halbfinals eines Major-Turniers. Wie Novak Djokovic gab er noch keinen Satz ab, auch wenn er gegen Nieminen zum dritten Mal im Turnier (bei 3:5) Satzbälle abwehren musste.

Am Abend tat Jo-Wilfried Tsonga (Fr/ATP 38) Nadal noch einen zusätzlichen Gefallen. Der 22-Jährige, der aussieht wie Muhammad Ali, eliminierte den Russen Michail Juschni (ATP 14) 7:5, 6:0, 7:6 (8:6). Nadal wird froh sein, denn gegen Juschni hat er immerhin vier von zehn Spielen verloren. Vor drei Wochen in Chennai wurde er vom Russen 0:6, 1:6 vorgeführt, wobei Nadal allerdings nach einem viereinhalbstündigen Halbfinal todmüde auf den Platz gekommen war. Das bislang einzige Duell gegen Tsonga entschied Nadal im letzten US Open klar in drei Sätzen für sich.

Auf die leichte Schulter darf Nadal Tsonga, der bis Mitte Juni noch Challenger-Turniere spielte, gleichwohl nicht nehmen. Der Newcomer aus Le Mans bezwang in Melbourne vor Juschni schon Andrew Murray (ATP 9) und Richard Gasquet (ATP 8). Zudem hatte er zuvor in Adelaide auch Lleyton Hewitt bezwungen.

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