Tsunami: 327 Tote - Tausende auf der Flucht
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Tsunami: 327 Tote - Tausende auf der Flucht

Die Tsunami-Welle auf der indonesischen Insel Java hat nach neuesten Angaben mindestens 327 Menschen das Leben gekostet. Weil die indonesischen Behörden vor Nachbeben gewarnt haben, flüchten 20 000 Menschen aus Angst vor neuen Tsunamis.

Einen Tag nach dem Seebeben vor der indonesischen Insel Java sind am Dienstag die Rettungsbemühungen auf Hochtouren gelaufen. Mindestens 327 Menschen kamen durch den Tsunami ums Leben, weitere 160 wurden noch vermisst, wie die Behörden mitteilten. Allein in dem beliebten Ferienort Pangandaran wurden mindestens 181 Menschen in den Tod gerissen, unter ihnen auch mehrere Ausländer.

Rund 23 000 Menschen flohen nach der Flutwelle, entweder weil ihre Häuser zerstört wurden oder weil sie einen weiteren Tsunami befürchteten. Das Seebeben der Stärke 7,7 hatte am Montag zu einer zwei Meter hohen Flutwelle geführt, die Urlaubsorte und Fischerdörfer an einem rund 180 Kilometer langen Küstenabschnitt von Java zerstörte. Weite Teile der Region waren am Dienstag noch ohne Strom, und viele Strassen waren blockiert. In den Trümmern der Häuser wurden zahlreiche weitere Tote vermutet.

Im Bezirk Cilacap nahe Pangandaran wurden mindestens 89 Menschen getötet, wie Polizeisprecher Dody Sumantiawan mitteilte. Mehr als 70 weitere würden noch vermisst. 44 Leichen wurden nach Behördenangaben in Tasikmalaya gefunden, 13 Menschen starben laut Rundfunkberichten an anderen Küstenabschnitten.

Unter den Toten befand sich nach Angaben aus Stockholm ein Mann aus Schweden. Zwei schwedische Kinder würden noch vermisst, teilte das Aussenministerium mit. Auch ein Mann aus Pakistan wurde getötet. Ein Vertreter des niederländischen Konsulats in der Stadt Bandung sprach von drei Opfern aus den Niederlanden; das Aussenministerium in Den Haag konnte dies aber zunächst nicht bestätigen. Hinweise, dass sich Deutsche unter den Opfern befinden könnten, gab es nach Angaben der deutschen Botschaft in Jakarta bislang nicht.

Ein Augenzeuge berichtete, eine halbe Stunde vor dem Tsunami habe sich das Meer rund 500 Meter vom Strand zurückgezogen. «Ich konnte die Fische auf dem Meeresboden sehen», sagte er. Später sei die Welle gekommen «wie eine schwarze Wand». Andere Augenzeugen erklärten, bis zu fünf Wellen seien an die Küste gekracht und hätten Fischerboote 100 Meter weit auf das Festland gezogen. Die Inhaberin eines Strandkioskes sagte, die Flutwelle habe ihr ihren sechs Jahre alten Sohn aus den Armen gerissen. «Das Wasser war zu stark», sagte die Frau, die ihren Namen mit Ira angab.

Von der Tsunami-Katastrophe an Weihnachten 2004 war Java verschont geblieben. Damals kamen allein auf Sumatra mehr als 130.000 Menschen ums Leben. Insgesamt wurden rund 216.000 Menschen getötet.

(sda)

Die schlimmsten Tsunamis der 25 letzten Jahre

17.7.2006: Ein Seebeben der Stärke 7,7 führt zu einer zwei Meter hohen Flutwelle, die Urlaubsorte und Fischerdörfer an einem rund 180 Kilometer langen Küstenabschnitt von Java zerstört. Mehr als 300 Menschen sterben in den Fluten.

27.5.2006: Ein Beben der Stärke 6,3 kostet auf der Insel Java mehr als 5.000 Menschen das Leben und zerstört zahlreiche Gebäude. Rund 200.000 Menschen werden obdachlos.

28.3.2005: Bei einem Erdbeben der Stärke 8,7 vor der Küste von Sumatra kommen mehr als 900 Menschen ums Leben. Am stärksten betroffen sind die Inseln Nias und Simeulue.

26.12.2004: Nach einem Erdbeben der Stärke 8,5 vor der Küste von Sumatra reisst eine Flutwelle rund 216.000 Menschen in den Tod. Betroffen sind Indonesien, Malaysia, Thailand, Indien und Sri Lanka.

17.7.1998: An der Nordküste von Papua-Neuguinea werden 2.000 Menschen von einer Flutwelle getötet, die von einem Beben ausgelöst wurde.

16.8.1976: Eine Tsunami im Morogolf kostet auf den Philippinen mehr als 5.000 Menschenleben.

28.3.1964: Am Karfreitag löst ein Erdbeben vor Alaska an der gesamten Westküste der USA eine Flutwelle aus. In Alaska kommen 107, in Oregon vier und in Kalifornien elf Menschen ums Leben.

22.5.1960: Eine elf Meter hohe Welle im Pazifik tötet in Chile 1.000 Menschen, weitere 61 kommen auf Hawaii ums Leben.

1.4.1946: Vor Alaska reisst eine Springflut infolge eines Erdbebens die fünfköpfige Besatzung eines Leuchtturms in den Tod. Stunden später erreicht die Welle Hawaii, wo 159 Menschen sterben.

31.1.1906: Die Küsten Kolumbiens und Ecuadors werden von einer verheerenden Flutwelle überschwemmt, 500 bis 1.500 Menschen kommen ums Leben.

15.6.1896: Der so genannte Sanriku-Tsunami, eine Wasserwand von 23 Metern Höhe, überrascht Japan inmitten religiöser Grossfeierlichkeiten. 26.000 Menschen ertrinken.

27.8.1883: Der Ausbruch des indonesischen Vulkans Krakatau löst auf den Nachbarinseln Java und Sumatra eine Flutkatastrophe mit 36.000 Toten aus.

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