Wissenschaft: Tsunami hatte Vorgänger vor mehr als 550 Jahren
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WissenschaftTsunami hatte Vorgänger vor mehr als 550 Jahren

London Der Tsunami, der Ende 2004 in Südostasien mehr als 220 000 Menschen tötete, war kein historisch einmaliges Ereignis. Forscher fanden in Thailand und Indonesien Hinweise, dass sich eine ähnliche Katastrophe vor 550 bis 700 Jahren abgespielt haben muss.

Geologen aus den USA, Australien, Deutschland und Norwegen untersuchten in Thailand und Indonesien alte Sandablagerungen im Boden, die auf Tsunamis hindeuten. Die beiden Länder waren beim Tsunami vom 26. Dezember 2004 mit Wellen von teils über 35 Metern besonders betroffen.

Bei einem Tsunami dringt das Meerwasser kilometerweit ins Land und hinterlässt eine Sandschicht. Was nicht weggeweht wird, lagert sich ab. Die Forscher datierten mit der Radiokarbon-Methode solche Tsunami-Sandschichten in zwei Gebieten: auf einer Insel nördlich der thailändischen Ferieninsel Phuket und an der Westküste Sumatras in Indonesien.

Mindestens drei Tsunamis

Insgesamt fanden sich Hinweise auf mindestens drei verschiedene Tsunamis in den vergangenen 2800 Jahren, wie die Forscher in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift «Nature» schreiben. Die jüngste der Katastrophen datierten die Wissenschaftler auf die Zeit zwischen den Jahren 1300 und 1450.

Weil die Schicht an beiden Orten auftrat, schliessen die Forscher, dass zumindest am östlichen Rand des Indischen Ozeans vor etwa 550 bis 700 Jahren ein ähnlich verheerender Tsunami wie 2004 stattgefunden haben könnte.

In Sumatra entdeckten die Forscher zudem ein Tsunamisediment, das in den Jahren 780 bis 900 entstanden sein muss. Entsprechende Ablagerungen fanden sich in Thailand nicht. Dafür gibt es dort Hinweise auf einen Tsunami, der vor rund 2200 Jahren über das Land hereingebrochen ist.

Wissen geht verloren

Angesichts des Abstands von hunderten Jahren zwischen derart verheerenden Naturereignissen sei es schwierig, die Bevölkerung auf ähnliche Katastrophen vorzubereiten, schreiben die Forscher. Mit der Zeit gehe das Wissen um die Gefahr nämlich verloren.

Das zeigte sich auch im Dezember 2004: Zwar gab es natürliche Anzeichen auf den Tsunami, beispielsweise ein starkes Beben, wie es in der indonesischen Provinz Aceh gespürt wurde, oder den starken Rückgang des Meerwassers an den thailändischen Küsten.

Doch in den meisten Gebieten konnten nur wenige Menschen die Zeichen richtig deuten. Auf einer Insel vor der Küste von Aceh hingegen retteten sich die meisten Bewohner rechtzeitig auf eine Anhöhe: Hier war von Generation zu Generation die Geschichte eines - lokalen - Tsunamis im Jahr 1907 überliefert worden. (sda)

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