Aktualisiert 04.02.2013 22:23

Anführer geschnappt

Tuareg-Rebellen fassen malische Dschihadisten

Im Krieg gegen die Islamisten in Mali haben Tuareg-Gruppen einen harten Schlag gelandet. Mohamed Moussa Ag Mohamed al-Mostafa und Oumeini Ould Baba Ahmed wurden verhaftet. Nun soll die UNO kommen.

Tuareg-Gruppen in Mali haben nach eigenen Angaben zwei führende Mitglieder der von Mali und Frankreich bekämpften Dschihadisten gefasst. Das sagte ein Sprecher der Tuareg-Organisation MNLA am Montag in Paris.

Ein Sprecher der Organisation «Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad» (MNLA) sagte betreffend der beiden Dschihadisten: «Ich kann bestätigen, dass MNLA-Einheiten Mohamed Moussa Ag Mohamed al-Mostafa und Oumeini Ould Baba Ahmed am Samstag nahe der algerischen Grenze gefasst haben.» Die beiden Männer sollen nach Kidal im Nordosten Malis gebracht worden sein.

Mostafa ist ein ranghohes Mitglied von Ansar Dine, einer malischen Dschihadistengruppe, der Verbindungen zur Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb nachgesagt werden.

Führendes Mitglied von Mujao

Nach Angaben von MNLA-Sprecher Moussa Ag Assarid war er für die Einführung einer strengen Auslegung der Scharia in der Wüstenstadt Timbuktu zuständig. Der Rebell gilt als verantwortlich dafür, dass zahlreichen Menschen im Zuge islamischer Rechtsprechung die Hände abgehackt wurden.

Ahmed soll führendes Mitglied von Mujao sein, einer Dschihadistenbewegung in Westafrika. Ansar Dine und Mujao gehören zu den radikalen Gruppierungen, die vor rund zehn Monaten die wichtigsten Städte in Nordmali unter ihre Kontrolle gebracht hatten, nachdem im Zuge eines Militärputsches ein Machtvakuum entstanden war. Sie sollen für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sein.

UNO soll eingreifen

Auf internationaler Ebene geht die Lösungssuche für den Konflikt in Mali derweil weiter. In Paris, das an einem baldigen Abzug seiner Soldaten aus den zurückeroberten Städten Malis festhält, schlugen Frankreichs Präsident François Hollande und US-Vizepräsident Joe Biden vor, die afrikanischen Truppen in Mali rasch in UNO-Verantwortung zu übergeben.

«Wir sind uns einig, dass die afrikanischen Kräfte so schnell wie möglich unter Führung der Vereinten Nationen stehen sollten», sagte Biden am Montag in Paris nach einem Treffen mit Hollande. Bei der Operation gehe es um die Sicherung des Friedens in Mali.

Die afrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hat schon vor einiger Zeit beschlossen, mehrere Tausend Soldaten zur Unterstützung der Regierungstruppen nach Mali zu schicken. Die MISMA-Truppen sollen die französischen Soldaten ersetzen.

Beratungen in Brüssel

Vertreter von 45 Staaten und internationalen Organisationen wollen am Dienstag in Brüssel über die militärische, politische und humanitäre Lage in Mali sprechen. Die Konferenz wurde von den Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und der ECOWAS einberufen.

EU-Diplomaten sagten, sie erwarteten keine wichtigen Beschlüsse. Es sei aber wichtig, dass Mali und die internationale Gemeinschaft sich «in die richtige Richtung bewegen». Denn der politische Aussöhnungsprozess soll schlussendlich im Sommer in freien Wahlen münden.

Zügiger Truppenabzug erwünscht

Auf militärischem Gebiet können die Franzosen seit ihrer Intervention am 11. Januar derweil grosse Erfolge vermelden: Der Norden Malis, den dschihadistische Gruppen monatelang beherrscht hatten, ist weitestgehend unter ihrer Kontrolle.

Laut Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius lässt die französische Armee selbst in der schwer zugänglichen Gebirgsregion an der Grenze zu Algerien nicht locker. Fabius machte deutlich, dass die Armee dort derzeit «sehr effizient» den Nachschub der Dschihadisten unterbreche. (sda)

400 000 Menschen auf der Flucht

Insgesamt sollen inzwischen fast 400 000 Menschen aus Mali geflohen sein. Doch die Stabilisierung des Landes ist auch von der Bevölkerung und dem wirtschaftlichen Wiederaufbau abhängig. «Wir können nicht ohne die Araber und Tuareg leben», sagt der Bürgermeister von Timbuktu, Hallé Ousmane Cissé.

Und auch der Bürgermeister im nordmalischen Gao, Sadou Harouna Diallo, ruft die Flüchtlinge zur Rückkehr auf. Ohne die Araber gäbe es in «Gao keine Wirtschaft mehr».

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