Salez SG: Tuberkulose-Infektion in der Strafanstalt Saxerriet
Aktualisiert

Salez SGTuberkulose-Infektion in der Strafanstalt Saxerriet

In der Strafanstalt Saxerriet hat ein Häftling Tuberkulose eingeschleppt. Sechs Insassen wurden inzwischen positiv auf das Bakterium getestet.

von
Lukas Hausendorf
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In der Ostschweizer Strafanstalt Saxerriet wurde bei einem Insassen Tuberkulose diagnostiziert.

In der Ostschweizer Strafanstalt Saxerriet wurde bei einem Insassen Tuberkulose diagnostiziert.

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Der Insasse war im Januar neu in die Anstalt eingetreten. Nach der Diagnose wurde er umgehend isoliert.

Der Insasse war im Januar neu in die Anstalt eingetreten. Nach der Diagnose wurde er umgehend isoliert.

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Der Fall sorgte für Verunsicherung und Gerüchte unter den Häfltlingen. So war einem Insassen zufolge die Rede von mehreren schweren Erkrankungen.
Der Fall sorgte für Verunsicherung und Gerüchte unter den Häfltlingen. So war einem Insassen zufolge die Rede von mehreren schweren Erkrankungen.
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Ein Tuberkulose-Fall sorgt für Verunsicherung und Angst bei den Insassen der Ostschweizer Strafanstalt Saxerriet. «Wir wurden nicht informiert», sagt ein Häftling, der sich an 20 Minuten gewandt hat. Es kursierten Gerüchte, dass mehrere Insassen schwer erkrankt seien und die Gefängnisleitung alles unter den Teppich kehre. Tuberkulose ist eine meldepflichtige Infektionskrankeit, die meist die Lunge befällt (siehe Box).

So dramatisch, wie es der Insasse schildert, präsentiert sich die Situation allerdings nicht. Richtig ist aber: Anfang Januar wurde bei einem neu eingetretenen Insassen ein positiver Tuberkulose-Befund diagnostiziert. «Der Mann wurde unverzüglich isoliert und behandelt und war in der Folge nicht mehr ansteckend», sagt Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt Saxerriet auf Anfrage. Auf die Gerüchte, die der Insasse an 20 Minuten herangetragen hatte, ging er nicht ein.

Nach der Diagnose wurde eine sogenannte Umgebungsuntersuchung vorgenommen, bei der neben dem Anstaltsarzt auch die Lungenliga St. Gallen miteinbezogen wurde. Die Lungenliga führt im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit das nationale Kompetenzzentrum Tuberkulose. Bei der Umgebungsuntersuchung konnte das Tuberkulose-Bakterium bei weiteren sechs Insassen nachgewiesen werden. Bei allen Mitarbeitern war der Befund indes negativ.

Träger sind nicht ansteckend

Von den positiv getesteten gehe aber keine Gefahr aus, betont Vinzens. «Sie sind nur Träger des Bakteriums und gelten als nicht ansteckend», sagt er. «In diesem Stadium ist die Person weder krank noch ansteckend», bestätigt Andrea Adam von der Lungenliga Schweiz. Alle würden nun vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Eine präventive Behandlung senkt das Risiko einer Erkrankung, jedoch kann sie diese nicht ausschliessen.

Die Tuberkulose-Infektion nährte unter den Insassen auch Befürchtungen im Hinblick auf mögliche Covid-19-Erkrankungen. Adam gibt da aber Entwarnung: «Menschen, die aktuell gegen Tuberkulose oder eine latente tuberkulöse Infektion behandelt werden, gehören nicht zur Gruppe der besonders gefährdeten Menschen.» Bislang blieb die Strafanstalt vom Coronavirus allerdings verschont.

Tuberkulose

In der Schweiz erkranken jährlich rund 500 Menschen an Tuberkulose. Dabei handelt es sich vor allem um eingeschleppte Fälle von Migranten aus Asien und Afrika, wo Tuberkulose noch verbreitet ist. Die Krankheit befällt in 80% der Fälle die Lunge und kann mit speziellen Antibiotika in der Regel gut behandelt werden. Unbehandelt verläuft sie oft tödlich. Von den Trägern des Tuberkulose-Bakteriums erkranken allerdings nur fünf bis zehn Prozent tatsächlich. Eine Ansteckung ist frühestens nach zwei Monaten nachweisbar. Übertragen wird Tuberkulose über Tröpchen.

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