Resistente Erreger: Tuberkulose kehrt zurück – gefährlicher denn je
Aktualisiert

Resistente ErregerTuberkulose kehrt zurück – gefährlicher denn je

Resistente Tuberkulose hat sich in den letzten Jahren massiv verbreitet. Nun sind die ersten Fälle in der Schweiz aufgetreten. Forscher schlagen Alarm.

von
Atlant Bieri
Frische Luft galt als Mittel gegen Tuberkulose: Berner Schulkinder im Jahr 1944.

Frische Luft galt als Mittel gegen Tuberkulose: Berner Schulkinder im Jahr 1944.

Die Lungenkrankheit Tuberkulose war bei unseren Grosseltern einst gefürchtet. Dann bekam man sie dank Antibiotika zumindest in Europa unter Kontrolle – bis jetzt. Denn nun meldet sich die Krankheit zurück, und zwar gefährlicher als je zuvor.

Während der letzten Jahre haben sich in Zentralasien und Osteuropa so genannte multiresistente Stämme entwickelt. Dies beobachten Forscher mit Besorgnis. Denn gegen resistente Erreger sind die meisten Antibiotika unwirksam geworden. Deshalb gibt es kaum noch Mittel, um Erkrankte zu behandeln.

Offene Grenzen auch für Keime

Dies ist auch eine Gefahr für die Schweiz: Mit der Osterweiterung der EU und der damit einhergehenden Personenfreizügigkeit können die Keime auch leicht bei uns eingeschleppt werden. «Die ersten Fälle gab es bereits», sagt Sébastien Gagneux, Biologe am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut.

Nun will der Biologe den Vormarsch der Krankheit stoppen. Dazu hat er in seinem Biosicherheitslabor bereits eine ganze Sammlung multiresistenter Tuberkulose-Stämme aus Georgien angelegt. Er will herausfinden, warum einige der Stämme ansteckender sind als andere und wie sich Resistenzen genau entwickeln. Seine Ergebnisse könnten Schwachstellen des Erregers aufdecken und so die Entwicklung wirksamer Antibiotika ermöglichen.

Tuberkulose

Die Infektionskrankheit wird durch Bakterien verursacht und durch Tröpfchen beim Husten übertragen. Am häufigsten nisten sich die Erreger in der Lunge ein. Symptome sind Husten, Müdigkeitsgefühle, Fieber, Gewichtsverlust.

Allerdings stecken sich die wenigsten Personen, die mit dem Tuberkulose-Erreger in Kontakt kommen, auch damit an. Und nur bei zehn Prozent der Infizierten bricht die Krankheit aus. Dennoch sterben an Tuberkulose weltweit jährlich 1,5 Millionen Menschen – vor allem immunschwache Menschen, Alte und Kinder.

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in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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